Schach und Sightseeing in Portugal

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Wer nach Portugal reist, besucht meist Lissabon oder die Algarve. (Ein Erlebnisbericht von Ulla Hielscher)

Der kleine Ort San Martinho do Porto in Westportugal ist dagegen bei Touristen weniger bekannt. Dabei liegt dieser Ort malerisch an einer Lagune, die sich in einer Breite von 200 Metern zum offenen Ozean erstreckt. Bis ins 17. Jahundert war der Hafen für hochseetaugliche Schiffe noch schiffbar. In Sao Martinho wurden damals auch Schiffe für die portugiesischen Entdeckungsreisen gebaut.

Sieger: GM Vyacheslav IKONNIKOV u. Jürgen Wempe

Jürgen Wempe, bekannt durch seine Turnierveranstaltungen (z.B. Malta, Bad Wörishofen, NordWest-Cup) hat in diesem Jahr zusammen mit dem portugiesischen Schachverband ein neues Turnier in Portugal ausgeschrieben, welches in Sao Martinho do Porto stattfand.

Da ich gerne Urlaub und Schach miteinander verbinde und mir auch gerne die Umgebung ansehe, habe ich dieses Turnier zusammen mit leider nur 44 anderen Schachfreunden mitgespielt. Schade, das Turnier war super organisiert, hatte eine super Lage und hätte mehr Teilnehmer verdient gehabt. Unter den Teilnehmern waren einige Titelträger, neben den Großmeistern Vyacheslav Ikonnikov (Rußland) und George-Gabriele Grigore (Rumänien) auch die IMs K. Dinesh Sharma (Indien) und Hermann C. Van Riemsdijk (Brasilien), sowie ein FM, eine WIM, eine WFM, ein CM und ein NM. Das Turnier war auch international gut besetzt, aus Portugal, Brasilien, Südafrika, Russland, Rumänien, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Indien und Deutschland kamen die Teilnehmer. Dabei war das Kontingent aus Deutschland (15) nur wenig kleiner als das aus Portugal (18).

Es wurden neun Runden gespielt, am Samstag und Sonntag fand jeweils eine Doppelrunde statt. Die Einzelrunden begannen touristenfreundlich erst um 19:30, nach deutscher Zeit also erst um 20:30. Das war durchaus gewöhnungsbedürftig. Gespielt wurde direkt an der Lagune im Club Nautico. Einige Spieler ließen sich von dem Blick auf den Hafen ablenken.

Zweiter: GM George-Gabriel GRIGORE

In der ersten Runde gibt es immer Paarungen mit großen Spielstärkeunterschieden und da für mich Schach erst an zweiter Stelle kam (an erster Stelle lag Sightseeing), spielte ich recht entspannt und konnte meinem starken Gegner einen halben Punkt abknöpfen. Ansonsten setzten sich in der ersten Runde aber die Favoriten durch. In der zweiten Runde bekam ich dann einen noch stärkeren Gegner, den brasilianischen IM van Riemsdijk, der die erste Runde aufgrund einer langen Anreise nicht spielen konnte. In diesem Turnier gab es die Möglichkeit, in den ersten Runden einmal ein bye zu nehmen, welches einen halben Punkt einbringt. Van Riemsdijk konnte sich jedenfalls souverän gegen mich durchsetzen. Nach einem Sieg gegen einen Einheimischen und ein Remis gegen einen Deutschen, bekam ich es in der fünften Runde mit der jungen südafrikanischen WIM Jessie Nikki February zu tun, die das Turnier zusammen mit Rebecca Selkirk zur Vorbereitung auf die Schacholympiade nutzte. Sie spielte sehr sauber und gewann. Nach dieser Niederlage spielte ich gegen zwei schwächere Franzosen keine französische Partie und konnte deswegen leider nur jeweils Remis gegen sie holen (beide Remis waren glücklich für mich, in der einen Partie rettete ich mich ins Dauerschach, in der anderen hat mein Gegner die Uhr nicht richtig lesen können und dachte, er hätte nur noch wenig Zeit. Stattdessen hatte er 45 Minuten mehr als ich auf der Uhr). Dafür bekam ich in der achten Runde einen weiteren stärkeren Deutschen und erkämpfte wieder Remis. Und in der letzten Runde hatte ich gegen einen portugiesischen Nachwuchsstar die längste und letzte Partie des Turniers. Ich konnte ein schönes Opfer bringen, was auf den ersten Blick gut aussah und drei(!) Bauern gewann, aber die Stellung war wohl nicht zu gewinnen. Somit mein sechstes Remis, alle ausgekämpft und jeweils vom stärkeren Spieler eigentlich nicht gewünscht.

Dritter: IM Dinesh K. SHARMA

An der Spitze der Tabelle setzten sich die beiden GMs durch, es gewann Vyacheslav Ikonnikov mit 8 Punkten vor George-Gabriele Grigore mit 7,5 Punkten, dritter wurde der indische IM K. Dinesh Sharma mit 7 Punkten. Danach klafft eine Lücke, der vierte IM van Riemsdijk hat nur 5,5 Punkte. Die genaue Endtabelle kann man hier sehen:

http://chess-results.com/tnr329688.aspx?lan=0&art=4&turdet=YES&flag=30

Um mir die Sehenswürdigkeiten Westportugals ansehen zu können, habe ich mir am Flughafen einen Mietwagen genommen. Die Anreise vom Flughafen aus war recht mühsam, da um den Flughafen herum reger Verkehr herrscht. In Portugal ist außerdem ein gut funktionierendes Mautsystem installiert, welches ich recht teuer fand, dafür waren die mautpflichtigen Straßen aber gut ausgebaut. Wollte man diese umgehen, musste man oft mehrere Kilometer Umweg in Kauf nehmen. Auf den Autobahnen herrscht übrigens ein Tempolimit von 120 km/h, an das sich die meisten auch hielten, dadurch war das Autofahren außerhalb Lissabons sehr entspannt.

Westportugal bietet einiges an Attraktionen:

Da ist z.B. Peniche, das durch die vorgelagerte Inselgruppe der Berlengas als auch die zum Surfen geeigneten Wellen touristische Bedeutung hat.

Am Montag wollte ich mir eigentlich in Sintra den malerischen Palast palacio nacional da Pena ansehen. Aber ich kam erst gegen Mittag an, und weil Sintra das Mekka der Touristen in Westportugal ist, war die Stadt voll, und es gab auch nirgendwo mehr einen freien Parkplatz. Also bin ich frustriert wieder weggefahren und habe mir stattdessen Mafra angesehen, dort gab es auch einen monumentalen Palast.

Am Dienstag hat Jürgen Wempe für alle interessierten Teilnehmer einen Ausflug nach Obidos organisiert. Dort gibt es u.a. eine vollständig begehbare Stadtmauer.

Am Mittwoch habe ich mir die Hauptstadt Portugals angesehen. Hier kann ich die Tuk Tuks empfehlen, das sind kleine Elektromotor gesteuerte dreirädige Fahrzeuge, auch Autorischka genannt. Normalerweise fährt man hier mit bis zu 6 Personen, da ich aber alleine unterwegs war, habe ich ein Tuk Tuk für mich alleine gehabt, was dann natürlich auch etwas teurer war. Aber ich hatte meinen persönlichen Guide, der mit mir eine Spezialfahrt durch Lissabon gemacht hat und mir viel Insider Wissen vermittelte. Lissabon in nur ein paar Stunden ist nicht zu schaffen, so dass ich unbedingt nochmal herkommen muss.

Am Donnerstag hat es dann auch mit Sintra geklappt, da ich lernfähig ganz früh morgens hingefahren bin. Sintra und vor allem der palacio ist von Touristen belagert. Der Palast inspirierte übrigens Ludwig von Bayern zum Bau von Neuschwanstein. Er ist kitschig schön. Um den Palast herum ist eine riesige Parkanlage, in der man auch viele schöne Dinge sehen konnte und da er sehr weitläufig ist, waren auch nicht so viele Touristen um einen herum. Besonders hervorzuheben sind das schöne Chalet da Condessa d’Edla und die aus Australien und Neuseeland eingeführten Bäume, was dem ganzen Park ein feuchtes kühles Klima verlieh. In der Nähe dieses Parks gibt es noch das Moorish Castle, welches im 8. oder 9. Jahrhundert von den Mauren erbaut wurde. 1147 hat der portugiesische König Alfons sie erobert und ließ eine christliche Kapelle erbauen. In den folgenden Jahrhunderten wurde sie aber kaum genutzt, so dass die Burg verfiel. Um 1860 fand eine umfangreiche Renovierung statt.

Insgesamt war es eine schöne Sightseeing Woche mit einem schönem Schachturnier, alle die nicht teilgenommen haben, haben etwas verpasst. Ob das Turnier auch im nächsten Jahr stattfindet, steht noch nicht fest, sollte es stattfinden, kann ich es nur jedem empfehlen.

Ulla Hielscher

Sightseeing Bilder:

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3 thoughts on “Schach und Sightseeing in Portugal

  1. Weitere Fotos vom Turnier sind auf der Facebookseite des portugiesischen Schachverbands zu finden:
    https://www.facebook.com/pg/fpxadrez/photos/?tab=album&album_id=1850944671669118

    Ich möchte mich nochmal ausdrücklich bei den Verantwortlichen des portugiesischen Schachverbands bedanken, stellvertretend sei hier José Cavadas genannt. Es hat alles problemlos geklappt, die Auslosung war schnell veröffentlcht und die Spielbedingungen super.
    Und bei Jürgen Wempe, der dieses Turnier ermöglicht hat, Insider Tipps parat hatte und mit seiner Frau immer gute Laune verbreitet hat!

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