Inhaltlich wird dieser Bericht vielleicht eher dünn, da ich ohnehin unmöglich auf alle bzw. auch nur auf nach derzeitigem Stand “turnierrelevante” Matches eingehen kann. Dafür jede Menge bunte Bilder zu dem, was die Olympiade auch ist, und auch eine Zusammenfassung des bisherigen Geschehens aus international-allgemeiner und auch aus deutscher Sicht.

Derzeit haben im offenen Turnier noch vier Teams alle fünf Matches gewonnen, bei den Damen nur eines. Stand im offenen Turnier: Aserbeidschan, Tschechische Republik, Polen, Ukraine 10, USA, Israel, Deutschland 9, usw. . Siebzehn Teams haben 8-2 Mannschaftspunkte, da nenne ich nur einige: nach Wertung sortiert Geheimfavorit Iran, die Mitfavoriten Indien, China, Frankreich und Niederlande, Norwegen (spielt bisher etwas über seinen nominellen Möglichkeiten), erst dann Russland und noch weiter hinten Armenien. Es sieht also momentan recht gut aus für Deutschland, wie das zustande kam kommt später.

Damenturnier: USA 10, China, Ukraine, Georgien2, Armenien, Georgien1, Indien 9, usw. – auch hier hat Russland bereits ein Match verloren und demnach 8-2 Mannschaftspunkte. Deutschland liegt mit 6-4 Mannschaftspunkten derzeit auf Platz 48, da ist noch Luft nach oben. Kein gutes Turnier erwischte bisher auch Polen (ebenfalls 6-4 Mannschaftspunkte, Platz 35). Die USA hatten bisher noch keine sehr starken Gegnerinnen. Alleine vorne liegen sie, da die Ukraine in Runde 5 im Favoritenduell gegen Georgien den scheinbar sicheren Matchsieg noch verschenkte.

Das Fotoangebot auf der Turnierseite bzw. der entsprechenden Seite auf Flickr ist verwirrend reichhaltig, auch jede Menge Fotograf(inn)en. Das Titelbild (von Amruta Mokal) gebe ich den Polen. Sie haben zwar nicht die beste Wertung der besten vier, aber mit Siegen gegen Russland und Frankreich bereits zweimal positiv überrascht. Ein Kandidat für das Titelbild war auch Emil Sutovsky, der den US-Bummelzug in Runde 5 abbremste.

Nun zuerst kurz und knapp zu den führenden Teams im offenen Turnier: Aserbaidschan verpasste nach drei Siegen gegen relativ leichte Gegner (wobei man Italien und Slowenien nicht unterschätzen sollte) England eine kräftige Tracht schachliche Prügel (3.5-0.5) und gewann dann auch das ‘Derby’ gegen Armenien mit 2.5-1.5. Am besten drauf ist Rauf Mamedov mit bisher 4.5/5Die Tschechische Republik besiegte u.a. Geheimfavorit Iran und überraschend auch Mitfavorit China.

Polen hatte ich bereits. Duda (1.5/4, Niederlage nicht nur gegen MVL sondern zuvor auch gegen einen gewissen Luis Galego aus Portugal) ist nicht so gut drauf, live ist Wojtaszek damit derzeit wieder knapp die polnische Nummer 1 aber muss bei der Olympiade natürlich bis zum Schluss an Brett 2 spielen. Fleissig punkteten hinten auch Piorun, Tomczak und Dragun (zusammen 11.5/12, nur Piorun spielte einmal remis). Die Ukraine hatte bisher noch keine sehr starken Gegner und agierte minimalistisch – bis auf das 3.5-0.5 zum Auftakt gegen Sambia (IM Kayonde – GM Ivanchuk 1/2) immer 2.5-1.5. Das lag vor allem an zwei Niederlagen von Pavel Eljanov gegen Elo ca. 2600 (Diego Flores aus Argentinien und Manuel Perez Candelario aus Spanien). Zu ihrem Glück haben sie Korobov – bisher 4/4, gegen Spanien pausierte er.

Warum bezeichnete ich die USA als “Bummelzug”? Weil sie bisher fast immer 2.5-1.5 gewinnen wollten nach dem Motto “ein Sieg, drei Remisen”. Ausnahme war das 4-0 zum Auftakt gegen Panama, und im weiteren Verlauf hatten Jorden van Foreest und der bereits erwähnte Emil Sutovsky etwas dagegen – Jorden fand in einem Remisendspiel einen absurd-kreativen Verlustweg, Emil gewann dagegen sein Turmendspiel zum Ausgleich für Israel im Match. Matchrelevante Siege für die USA erst zweimal So, dann zweimal Caruana. Israel also unentschieden gegen die USA, zuvor hatten sie noch keine sehr starken Gegner. Gelfand schwächelt etwas (Niederlage nicht nur gegen Caruana sondern zuvor auch gegen Grandelius), der Rest ist gut drauf.

Und dann Deutschland. Das 2-2 gegen Serbien in Runde 3 (vier Remisen) war etwas weniger als erwartet, das 2.5-1.5 gegen Ungarn tags darauf dagegen mehr. Die Entscheidung fiel ausgerechnet am Brett mit gut 100 Punkten Elo-Nachteil: Fridman-Almasi 1-0! Der zuletzt etwas schwächelnde Daniel Fridman hat perfekte 4/4, Svanes 3.5/4 sind ebenfalls OK. In Runde 5 hatten sie mit Moldawien einen vermeintlich leichten Gegner. Fridman gewann glatt, Svane nach einem gegnerischen Fehler. Da konnten sie es verkraften, dass Georg Meier ein Turmendspiel gegen Bologan verlor, auch wenn sie damit einen Status los waren: bis dahin war Deutschland als womöglich einziges Team noch ohne individuellen Partieverlust.

Nun ein paar Bilder “Runde für Runde”:

Erst eine Galerie von David Llada zur allseits gelobten Eröffnungsfeier. Die Spielbedingungen bei der Olympiade selbst sind dagegen offenbar nicht optimal: beengt und auch langes Warten bei der Sicherheitskontrolle – die USA kamen zu Runde 1 beinahe zu spät und hätten dann gegen Panama kampflos verloren.

Zu Runde 1 nur eine Turniersaal-Ansicht von Goga Chanadiri. Schachlich gab es nur in einzelnen Partien Überraschungen, in Matches insgesamt durchweg Favoritensiege.

Zu Runde 2 erst “Gens una sumus” von David Llada: das Damenmatch Äthiopien-Surinam an Tisch 50. Surinam (Eloschnitt 1655) gewann glatt gegen im Schnitt Elo 1475 – Partien habe ich mir nicht angeschaut, wobei alle Partien live übertragen werden.

Paul Truong fotografierte Großmeister und einen IM (Peter Schreiner vorne rechts):

Da Indien in Runde 1 gegen El Salvador nur 3.5-0.5 gewann bekamen sie mit Österreich bereits einen recht starken Gegner. Aber auch das wurde 3.5-0.5, u.a. da sie einen Spieler für diese Olympiade reaktivieren konnten:

Vishy Anand spielte erstmals seit 2006 wieder bei einer Olympiade mit, der Auftakt gelang – Sieg gegen Markus Ragger. Indien gewann auch seine weiteren Matches 3.5-0.5, bis auf ein 1.5-2.5 gegen die USA (Caruana-Anand 1-0).

Levon Aronian spielte erstmals seit 2014 wieder bei einer Olympiade, vor zwei Jahren in Baku/Aserbaidschan fehlte Armenien ja komplett. In dieser Runde brauchte Armenien seinen Weltklassespieler – nur er gewann beim 2.5-1.5 gegen Kasachstan.

Überraschend knapp auch das 2.5-1.5 der USA gegen Georgien – gegen die erste Mannschaft des Gastgebers ein vielleicht normales Ergebnis, aber es war Georgien 3! Mit Weiß gewann aus amerikanischer Sicht Wesley So, während Ray Robson ein gewonnenes Damenendspiel nicht gewinnen konnte. Mit Schwarz zweimal Remis, und damit waren Caruana gegen IM Tutisani und Shankland gegen FM Petriashvili eher gut bedient. Was das dritte georgische Damenteam in dieser Runde anstellte (bzw. dessen Gegnerinnen) kommt später.

Ein Ergebnis aus dem Damenturnier verrate ich allerdings bereits: Usbekistan-Russland 2.5-1.5! – obwohl die Usbekinnen an allen vier Brettern 200-300 Elopunkte “schlechter” waren. Keine Absprachen unter ex-sowjetischen Ländern, auch Ukraine gewann gegen Turkmenistan nur 2.5-1.5 und das war vom Verlauf einiger Partien her glücklich.

Zu Runde 3 erst Fotos von Goga Chanadiri:

Der Teamkapitän der Niederlande, ein gewisser Jan G. aus HH (Name bei der Redaktion bekannt), muss ihnen noch eine einheitliche Konzentrationspose beibringen. Einige wurden auch individuell fotografiert:

Hatten sie auch einen Gegner?

Ja, und zwar die USA. Auf diesem Foto ansatzweise erkennbar, dass Giri gegen Caruanas Berliner das remisliche 5.Te1 wählte – es blieb in der Remisbreite und wurde remis. Auch van Wely spielte gegen Nakamura solide (in anderen Partien nicht immer) und auch das wurde Remis. So gewann glatt gegen l’Ami, Shankland-van Foreest schien todremis bis der Niederländer schachlichen Selbstmord beging – so kann sogar die USA 3-1 gewinnen! In den nächsten Runden haben sich die Niederlande dann gegen Tadschikistan (4-0) und Litauen (3.5-0.5) abreagiert – sogar Giri gewann obwohl er zweimal Schwarz hatte.

 

Russland gewann gegen Georgien 2 nur 2.5-1.5, die Entscheidung am dritten Brett, da spielte…

Vladimir Kramnik, der diesmal hinter Karjakin und Nepomniachtchi einsortiert wurde.

Und noch drei bekannte Spieler:

Ebenfalls von Goga Chanadiri eine Sequenz “Spieler mit Dame” vor der Partie:

Tornike Sanikidze ist der unbekannteste Spieler, aber er hatte (wie Jobava) Heimvorteil.

Und noch das von Lana Afandiyeva:

Zoya Schleining sitzt am Brett, Jonathan Carlstedt macht es sich auf dem Kapitänsstuhl bequem – eines von wenigen Fotos mit deutscher Beteiligung. Wenn wir schon beim Damenturnier sind:

Dieses Foto von Amruta Mokal: Indien spielte gegen Serbien nur 2-2. Zwar gewannen vorne die reaktivierte Humpy Koneru sowie Harika, aber hinten verloren Karavade und Padmini. Russland konnte sich dagegen mit 4-0 an Malaysia abreagieren.

Zu Runde 4 nur zwei Fotos:

Alina l’Ami fotografierte Anand und Caruana, da fiel die Entscheidung bei USA-Indien 2.5-1.5.

Und FIDE fotografierte Daniel Fridman, Matchwinner für Deutschland gegen Ungarn. Am selben Tag war Fridmans Ehefrau Anna Zatonskih Matchwinnerin für die USA gegen Aserbaidschan, irgendwie gewann sie mit Turm und Springer gegen Turm.

Die grösste Überraschung im offenen Turnier war Polen-Russland 2.5-1.5. Mit Schwarz stand Kramnik gegen Tomczak aus der Eröffnung heraus gut aber verlor dann Faden und Partie. Mit Weiß stand Jakovenko gegen Dragun schlecht, schien zu überleben aber verlor dann doch. Da konnte Polen verkraften, dass Wojtaszek gegen Nepomniachtchi patzte und verlor.

In Runde 5 stand ein Match im Mittelpunkt, Goga Chanadiri hat fleissig fotografiert:

Radjabov und Mamedyarov wissen nicht so recht, an welchem Brett sie spielen?

Radjabov will doch lieber Brett 4, dabei sitzt da bereits Mamedov. Nein, es war Höflichkeit zu allen gegnerischen Spielern, auch im beladenen Derby Armenien-Aserbaidschan.

Aronian hatte sich kleidungsmässig vorbereitet und verlor dann doch mit Weiß gegen Mamedyarov.

Und nun begann das Match wirklich. Am Ende dann 2.5-1.5 für Aserbaidschan durch Siege von Mamedyarov und Radjabov und Niederlage von Naiditsch.

Weitere Ergebnisse in dieser Runde an den vorderen Tischen Frankreich-Polen 1-3, China-Tschechische Republik 1-3 und USA-Israel 2-2. Im zweiten Match zeigte Jiri Stocek, dass man – trotz anders lautender Gerüchte – gegen Wei Yi durchaus Sizilianisch spielen kann, man sollte dann nur den Überblick behalten. Es war Wei Yis zweite Niederlage im Turnier nach zuvor gegen den Peruaner Jorge Cori. Damit sind wir schon beim nächsten Foto:

Russland-Peru 3-1: Kramniks Figurenopfer war zwar nicht unbedingt korrekt, aber dann siegbringend. Karjakin gewann erstmals seit Runde 1 gegen Uganda.

Dieses Foto von Alina l’Ami, Match Georgien-Ukraine im Damenturnier. Khotenashvili und Zhukova machten es nicht nur kleidungsmässig bunt, sondern auch auf dem Brett. Zhukova stand lange auf Gewinn und verlor dann noch – Ausgleich für Georgien im Match.

Goga Chanadiri hat auch den Pressebereich fotografiert, da erkenne ich Evgeny Surov (stehend über den Tisch gebeugt) und Peter Doggers (sitzend diagonal in der vierten Reihe).

Noch kurz zu den deutschen Damen: Nach dem 4-0 zum Auftakt ein ebenfalls glattes 3.5-0.5 gegen Georgien 3 – nein, das war zwar das “logische” Ergebnis in diesem Match, aber dann remisierte Judith Fuchs und Elisabeth Paehtz verlor gar, jeweils aus Gewinnstellung heraus. 2-2 gegen Israel war leicht enttäuschend, 3-1 in der nächsten Runde ebenfalls – denn es war gegen Sri Lanka (Eloschnitt 1720). Sarah Hoolt (2335) verlor gegen Tenara De Silva (1764) – die zwar zuvor bei der Juniorinnen-WM weit über ihren nominellen Möglichkeiten gespielt hatte, dennoch war es überraschend. Judith Fuchs (2274) hatte gegen Jayaweera (1655) eigentlich nichts, bis die Gegnerin patzte. In Runde 5 dann ein “etwas” stärkerer Gegner – Russland, das sich mit 3.5-0.5 durchsetzte, die aus deutscher Sicht gute Nachricht war der halbe Ehrentreffer von Zoya Schleining gegen Olga Girya.

Nun mit Griechenland eine auf dem Papier lösbare Aufgabe für die deutschen Damen, die Herren bekommen dagegen mit Israel einen “Brocken”. Hochkarätige Paarungen im offenen Turnier Aserbaidschan-Tschechische Republik, Polen-Ukraine, +- Iran-China, Russland-Indien und England-Frankreich, die USA haben dagegen mit Bosnien eine relativ leichte Aufgabe. Bei den Damen vorne Indien-USA, Ukraine-China, Georgien1-Georgien2 (!) und Russland-Armenien.

Hier breche ich erst einmal ab, weitere Bildergalerien werde ich später einbauen. Nun kommen sie – Sinn der Sache ist die Olympiade in ihrer ganzen Buntheit, Optik und geographische Diversität wichtiger als Elozahlen und Plätze im Turnier, Fotograf wenn nicht anders angegeben David Llada:

Wer ist hier eigentlich fehl am Platz? Vielleicht Irina Berenzina (Haarfarbe), vielleicht auch Hikaru Nakamura (sonst habe ich vor allem Spieler/innen mit Elo unter 2700). Mit welcher Haarfarbe und Frisur Elisabeth Paehtz erschien weiss ich nicht – wie gesagt, Deutsche wurden kaum fotografiert.

Teams wurden auch als Teams fotografiert:

Von der alphabetischen Reihenfolge wich ich aus galerietechnischen Gründen etwas ab, nach Elo oder geographisch habe ich nicht sortiert. Gabun hat sich für die Olympiade eingekleidet, aber einen Schachtrainer haben sie offenbar nicht. Die Damen hatten ihr erstes Erfolgserlebnis in Runde 5, ein ungefährdetes 2-0 gegen Freilos (so wird das gewertet), davor verloren sie (nur zu dritt angereist) alle zwölf Partien. Star im Herrenteam ist Barthelemy Bongo Akanga Ndjila – immerhin Remis gegen die Bahamas und Sieg gegen Senegal, insgesamt hat sein Team damit 1,5 Brettpunkte und null Mannschaftspunkte.

Zwei Glanzpartien von den hintersten Tischen im Damenturnier will ich den Lesern nicht vorenthalten, verzichte aber auf Namen der Spielerinnen: Zum einen war da 1.e4 e5 2.f3!? Lc5 3.g4?! Dh4+ 4.Ke2 Df2+ 5.Kd3 Sc6 6.De2 Dd4# (besser war 6.c3, hübscher war 6.Kc4 Dd4+ 7.Kb5 a6#). Zum anderen 1.e4 c6 2.Lc4!! b6 3.Df3 g6 4.Dxf7#. Es gab allerdings auch Partien, die zehn oder mehr Züge dauerten.

Und noch eine kleine Galerie “Spieler zusammen” und dabei teamübergreifend:

Der Portugiese Fernandes posiert wohl mit Caruana (oder umgekehrt). Die beiden trennen etwa 30 Jahre und etwa 450 Elopunkte. Elomässig war es mal weniger, das lag an beiden – Fernandes hat aktuell 2389, irgendwann (aber nicht in diesem Jahrtausend) hatte er mal 2500, sonst wäre er kein Großmeister.

Kasimdzhanov ist bei anderen Gelegenheiten, z.B. auch demnächst im November, Teil von Team Caruana – bei der Olympiade spielt er aber für Usbekistan. Maghsoodloo und Firouzja sind dagegen Teamkollegen, Vidit, Giri und l’Ami sind mitunter auch ein Team. Frage an Radio Eriwan: “Sind Nakamura, Caruana und So ein Team?” “Im Prinzip ja”. Caruana verweigert allerdings einheitliche Kleidung und reiste auch individuell an, dabei kam er fast zu spät.

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