Einmal beim Schach gelandet und einem Verein beigetreten wenden sich die Vereinsverantwortlichen in Form von Spiel- und Mannschaftsleitern alsbald an den Neuankömmling mit der allseits bekannten Fragestellung: „Spielst du auch bei den Mannschaftskämpfen mit?“ Man spielt mit, na klar, scheinen doch alle zu tun und anscheinend ist man begehrt?! Und noch dazu hört es sich, auch im Freundeskreis, in der Schule, unter Arbeitskollegen auch immer sehr hübsch an wenn man auf die Frage „was machst du am Sonntag?“ antworten kann mit „ich habe einen Mannschaftskampf“. Da ist es auch völlig gleichgültig, ob diese in höheren oder eher niederen Regionen anzutreffen ist und man wird noch nicht einmal weiter danach gefragt. Man hilft mit, man ist unter Seinesgleichen, man geht seinem geliebten Hobby nach und kann sich hier und da mal so trösten: „Ich habe zwar verloren, aber Hauptsache, die Mannschaft hat gewonnen.“ Oder, umgekehrt, so: „Wir haben zwar verloren, aber dennoch habe ich eine schöne Partie gespielt und als Einziger gewonnen.“

Dem gegenüber steht natürlich der weitaus unerfreulichere Fall „Mannschaft verloren, ich verloren, ein trauriger Tag“, der einzige Trostspender dann, indem man sich auf der Heimfahrt mit den Mannschaftskameraden sagt : „aber immerhin sitzen wir noch immer im gleichen Boot“. Es gibt natürlich auch den sehr guten Fall „Mannschaft gewonnen, ich gewonnen. Super!“ der nur noch übertroffen werden kann von „Mannschaft hat gewonnen, indem ich den entscheidenden Punkt zum Sieg beitragen konnte. Ein Traum.“ Denken wir bloß nicht nach über die Möglichkeit „es hing an meiner Partie, ich stand auf Sieg, habe einen dummen Fehler gemacht und die Partie verloren. Ich bin schuld an der Niederlage. Oh je!“

Man wird vermutlich also zunächst in eine der unteren Mannschaften eingeteilt, versucht dort, seinen Teil beizutragen und, dank guten Ergebnisses und positiver Spielstärkeentwicklung, vielleicht in der Mannschaft das eine oder andere Brett vorzurücken, oder, wenn dem Fortschritt kaum Grenzen gesetzt sind, sich gar in den Mannschaften nach oben zu hangeln. Bis man dann eines Tages sogar in der Ersten antreten darf und dies dürfen dann auch gerne die Kollegen erfahren?!

Alles sehr schön und mit absolut positiven Erinnerungen besetzt, so, wie es vermutlich einer Vielzahl von Schachspielern geht. Man landet nämlich irgendwann genau dort, wo man am Ende 50% schafft. Dies gilt natürlich nur gemittelt über alle Schachspieler, aber immerhin.

Viele Schachspieler bleiben dem Verein treu, viele sogar der Mannschaft, in der sie schon immer gespielt haben – bevorzugt der Ersten –, wo man seine alten Bekanntschaften pflegt und wo man dieses gemeinsame Feiern oder ab und an trauern, aber dabei stets Trost findend („heute hast du verloren und auch die Mannschaft, aber weißt du noch, als wir den Tabellenführer umgehauen haben und du den Sieg eingefahren hast gegen Lokalmatadoren Hugo Huber?“) und viele Schachfreunde spielen auch nichts weiter als nur noch die Mannschaftskämpfe. Geliebte alte Traditionen, wie schön diese doch sind und wie wertvoll es ist, diese zu erhalten!

Dennoch rege ich an, über Alternativen nachzudenken. Nur wird dies zunächst auf eine Fortsetzung in der kommenden Woche verlagert. Bis dahin!

Euer FM Dirk Paulsen

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