Ansturm der Favoriten abgewehrt: Deutschland bleibt ungeschlagen

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Mit 9:1 Punkten gestartet, die favorisierten Ungarn besiegt: Viel besser hätte die Schacholympiade für die deutsche Mannschaft nicht beginnen können. Aber wer oben mitspielt, der bekommt dicke Brocken vorgesetzt, ein Gesetz des Schweizer Systems. Würden die Deutschen abstürzen oder weiter im Konzert der Großen mitspielen?

Jetzt sind sieben von elf Runden gespielt, die Nationalmannschaft hat sich mit den nominell stärkeren Israelis (angeführt von Boris Gelfand) und Niederländern (mit Anish Giri am ersten Brett) auseinandersetzen müssen, und sie steht weiter ohne Niederlage da. Beiden Favoriten rangen die Deutschen ein Unentschieden ab. Mit 11:3 Punkten liegen sie nun auf dem neungeteilten fünften Platz, zwei Punkte hinter dem Spitzentrio USA, Aserbaidschan und den sensationell auftrumpfenden Polen.

Dienstag gegen Spanien

In der achten Runde am Dienstag treffen die Männer von Bundestrainer Dorian Rogozenco auf Spanien, eine ähnlich ausgeglichene und im Durchschnitt nominell sogar einen Hauch schwächere Mannschaft, Nummer 24 der Setzliste. Angesichts all der Kracher aus der Tabellennachbarschaft, die die Deutschen noch hätten ziehen können, ist das ein angenehmes Los, aber alles andere als ein Selbstläufer. Vielleicht hemmt die Spanier und beflügelt die Deutschen, dass mit Liviu Dieter Nisipeanu unlängst in Barcelona ein Schachmeister aus Alemania eines der größten Open in Europa vor der versammelten spanischen Elite gewonnen hat.

Einmarsch der Gladiatoren in Batumi: Rasmus Svane (l.) und Matthias Blübaum im Dress der deutschen Nationalmannschaft. (Fotos: David Llada/Schacholympiade)

In Batumi war bislang die Frage offen, ob am deutschen Spitzenbrett Nisipeanu nach einer längeren Formkrise seine Qualität wiederentdecken würde, gegen Weltklasseleute nichts anbrennen zu lassen. Eine erste Antwort gab er in der Partie gegen Boris Gelfand, den WM-Finalisten von 2012: Es brannte nichts an, auch wenn angesichts des leicht obskuren schwarzen Aufbaus zeitweise ein Schmorgeruch vom Schwarzen Meer bis zum Bodensee herüberwehte. Tags darauf gegen Anish Giri ging Nisipeanu zwar mit Weiß, aber ohne das letzte Bisschen Ambition in die Partie gegen die Nummer sechs der Welt – und erledigte solide seinen Job: den mit Abstand besten Mann der Gegner aus dem Match nehmen.

Fünfter Akt der Fridman-Festspiele

„Solide“ ist ein Attribut, das oft die Spielweise von Rasmus Svane trefflich beschreiben würde – außer er hat Weiß, und es steht Königsindisch auf dem Brett. Dann fühlt sich Svane wie einst Viktor Kortschnoi verpflichtet, dem Gegner seine vermeintlich inkorrekte Eröffnung zu widerlegen.  Schon bei der Europameisterschaft gegen den späteren Turniersieger Ivan Saric ging das schief und jetzt bei Olympia gegen Israel schon wieder.

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