Wieder gewonnen! Deutschland schlägt Spanien mit 2,5:1,5, bleibt in Reichweite der Medaillenplätze (!) und bekommt für die wunderbare Performance bisher eine ebenso wunderbare Belohnung: ein Duell gegen den Medaillenkandidaten Frankreich, Nummer fünf der Setzliste, mit dem mächtigen Maxime Vachier-Lagrave am ersten Brett. Oh, là, là.

Wieder wird vieles davon abhängen, ob ganz vorne Liviu Dieter Nisipeanu wie gegen Israel, wie gegen die Niederlande und wie jetzt gegen Spanien den mit Abstand besten Mann der Gegner aus dem Match nehmen kann. Möge sich auch MVL an Beton-Dieter die Zähne ausbeißen. Den Rest erledigt im Zweifel Daniel Fridman, der mittlerweile bei fabelhaften 6,5/7 steht. Mit einer Perfomance von 2.959 ist Fridman der beste Spieler der Schacholympiade, besser auch als MVL, dessen 5,5/7 am ersten Brett „nur“ für 2.878 reichen.

Mit dem Zusatz „Beton-“ versehen wir auf dieser Seite Wörter eigentlich im negativen Kontext: Beton-Islam, Beton-Funktionär. Heute ist das anders, wir feiern Beton-Dieter, an dem sich am Mittwoch hoffentlich Maxime Vachier-Lagrave, Nummer fünf der Welt, die Zähne ausbeißt so wie zuvor Anish Giri (links), die Nummer sechs. (Foto: Maria Emelianova/Chess.com)

Andere Großmeister nennen einen persönlichen Blick zurück auf ihr Lebenswerk „Meine besten Partien“. Nicht so der notorische Brandstifter Alexei Schirow: „Fire on board“ war sofort ein Klassiker, als Mitte der 90er-Jahre der erste Band erschien. Keine zehn Jahre später folgte der zweite.

Gegen Spanien erschien in der Vorschau ein Sieg möglich, aber nicht selbstverständlich. Zu ausgeglichen kam die spanische Mannschaft daher. Nominell ist sie zwar schwächer als Deutschland, aber nur moderat. Und die Spanier könnten ja viel stärker sein als Nummer 24 der Setzliste.

In Batumi stehen ihnen eine Reihe ihrer besten Großmeister nicht zur Verfügung. Paco Vallejo, Schirow, Salgado, Illescas und dazu die beiden Besten des jetzigen Teams, das wäre eine Truppe, die deutlich über der deutschen einzuordnen wäre. Aber Salgado ist krank, Illescas fast schon im Ruhestand und der 2.700er  Paco Vallejo hat Ärger mit dem Finanzamt, das ihn wegen Online-Poker auf dem Kieker hat, und mag deswegen nicht für Spanien spielen. Stattdessen hat er sich von der Schweiz als Nationaltrainer verpflichten lassen.

Alexei Schirow, einstige Nummer zwei der Welt, hat auch Ärger, aber mit dem Schachverband Lettlands. Schon ab 1995 hat der lettische Wahlspanier für die Iberer gespielt, war aber 2011 in sein Geburtsland zurückgekehrt. Weil er dort (als nationale Nummer eins) plötzlich nicht mehr in der Nationalmannschaft willkommen war, wollte Schirow erneut die Föderation wechseln, bevorzugt zurück nach Spanien. Aber dafür fordert der lettische Verband eine Ablösesumme, die die Spanier nicht zu zahlen bereit sind. Und so verpasst der Supertaktiker, einer der größten Spieler der vergangenen Dekaden, seine 13. Schacholympiade. Mitgespielt hätte er nur zu gerne.

Aber auch ohne dieses Quartett sah es für Spanien gegen Deutschland anfangs gar nicht so schlecht aus. Dass Nisipeanu gegen den mit 2.640 Elo unterbewerteten David Anton Guijarro ausschließlich um einen halben Punkt kämpft, kündigte sich schon im frühen Mittelspiel an. Während Rasmus Svanes Partie am vierten Brett schnell verflachte, war das Geschehen bei Georg Meier und Daniel Fridman arg unübersichtlich. Und Fridman würde, auch das war im frühen Mittelspiel abzusehen, sehr bald in Zeitnot geraten.

Kein Wunder, dass Daniel Fridman schon so früh viel Zeit verbrannte: Sein Gegner stürzte sich ja sogleich mit allem, was er hatte, auf die schwarze Bastion. Aber auch diese eigentümliche Art, die Abtauschvariante des Damengambits zu spielen, sollte ihn nicht vor einer Niederlage gegen den bislang überragenden Spieler der Schacholympiade bewahren.

Als Meier und sein Gegner plötzlich die Züge wiederholten, kämpfte beim Stand von 1:1 Fridman um den Sieg, aber gegen die Uhr, während Nisipeanu in einem Schwerfigurenendspiel mit Minusbauern ums Überleben kämpfte. Letztlich triumphierten beide. Fridman schob die Angegenheit nach Hause, ohne zu wackeln, und Nisipeanu musste zwar 100 Züge Damenendspiel mit Minusbauern üben, geriet aber nicht ernsthaft in Gefahr.

Video: Meiers Matchbälle

Spread the love