Senioren: Appell an den DSB-Präsidenten

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Schachsenioren kämpfen für ihr Meisterschaftsturnier in Radebeul – Für die Jahre 2019/2020/2021 waren in Radebeul “Deutsche Meisterschaftsgipfel” geplant, d.h. Einzelmeisterschaften in den Kategorien Offen, Frauen und Senioren, auch Blitz- und Schnellschach sollten innerhalb von zwei Wochen  in einem quasi “Deutschen Schachkongress” durchgeführt werden. Wegen der sattsam bekannten Differenzen zwischen dem DSB-Vorstand  und dem Organisatonsteam unter Führung von Dr. Dirk Jordan (“Dresdner Schachfestival e.V.”)  steht der geplante Gipfel hinsichtlich Termin und Austragungsort auf der Kippe.

Aus dem DSB-Kalender ist der Termin für den neuen Gipfel verschwunden; auch im DSB-Seniorenkalender ist mit heutigem Datum kein Eintrag mehr vorhanden. In meinem persönlichen Terminkalender finde ich als Planung:  26.4.-4.5.2019, Deutsche Seniorenmeisterschaft, Hotel Radisson Blue, Radebeul.  Aber offenbar sehen die Planungen des DSB-Vorstands bez. Datum und Austragungsort anders aus und sind bisher nicht bekannt.

Der folgende Appell eines engagierten Seniorenschachspielers setzt sich für die Beibehaltung von Datum, Ort und Organisationsteam ein. Das Email-Anschreiben von Schachfreund Henning Geibel an den DSB-Präsidenten Ullrich Krause,  (und an DSB-Geschäftsführer, DSB-Vizepräsidenten, Landespräsidenten NRW, Bayern, … , ) …  und der zugehörige Brief an das DSB-Präsidium wurden vom Autor für den Schachticker zur Veröffentlichung frei gegeben.


Lieber Ullrich!         [Ullrich Krause, DSB-Präsident, Anm. der Redaktion]

Ich habe mir heute erlaubt, im Namen der deutschen Schach-Senioren einen Brief an das Präsidium zu richten, in dem ich eindringlich darum bitte, die Vorbereitung und Durchführung der Deutschen Senioren-Meisterschaft 2019 in Radebeul nicht länger zu behindern […]

Anlass hierfür gab mir die Information von Gerhard Meiwald anlässlich unseres Senioren-Turniers in Büsum, dass Klaus Deventer ihn ultimativ aufgefordert habe, die Vorbereitungen für die Durchführung der kommenden Deutschen Senioren-Meisterschaft 2019 in Radebeul einzustellen und sich statt dessen um eine Alternative zu bemühen.

Die Teilnehmer des Turniers haben diese Information mit Erstaunen und Unverständnis aufgenommen. Sie haben daraufhin eine Petition an das Präsidium beschlossen, Gerhard Meiwald nicht weiter bei seinen Vorbereitungen für Radebeul zu behindern. Über 80 % der in Büsum teilnehmenden deutschen Spieler haben sich mit ihrer Unterschrift dieser Petition angeschlossen.

In meinem Brief [s.u.] habe ich eine ganze Reihe m.E. guter und durchschlagender Gründe aufgeführt, die für die Beibehaltung des Radebeuler Turniers im nächsten Jahr sprechen.

Ich bitte daher auch mit dieser Mail ausdrücklich darum, Gerhard Meiwald sobald wie möglich grünes Licht für die Vorbereitung und Durchführung der Deutschen Senioren-Meisterschaft vom 26. April bis 4. Mai 2019 zu geben, und zwar nach seinen vielfach bewährten Vorstellungen und mit den von ihm gewählten Organisationskräften.

Außerdem bitte ich darum, die Veranstaltung, ihre Ausschreibung und ihre Termine wieder in den offiziellen Terminkalender auf der Seniorenseite des DSB aufzunehmen.

Mit den besten Grüßen
Dein Henning        [Henning Geibel, Seniorenschachspieler, Anm. der Redaktion]

 


Henning Geibel, Bundesbankdirektor i.R.,
Bargteheide, den 10. Oktober 2018

An das Präsidium des Deutschen Schachbundes
zu Händen von Herrn Dr. Marcus Fenner
Hanns-Braun-Straße, Friesenhaus I
14053 Berlin

 

Sehr geehrte Herren!

Die Teilnehmer der Offenen Schleswig-Holsteinischen Senioren-Meisterschaft in Büsum wurden kürzlich durch Herrn Gerhard Meiwald, den Seniorenreferenten des Deutschen Schachbundes, über die ultimativ formulierte Forderung des Präsidiums informiert, die Planungen für die im April/Mai 2019 vorgesehene Deutsche Senioren-Einzel-Meisterschaft in Radebeul nicht weiter zu verfolgen.

Begründet wurde dies damit, dass die weitere Zusammenarbeit mit dem mit der Ausrichtung des Turniers betrauten Verein ZMDI-Schachfestival Dresden e.V. gegen Verbandsinteressen verstoße. Hintergrund dieses Ansinnens ist offenbar, dass dieser Verein von Dr. Dirk Jordan geleitet wird, mit dem das Präsidium des DSB seit einigen Monaten eine Auseinandersetzung führt.

Wir Senioren sind darüber sehr erstaunt, enttäuscht und können nicht einsehen, warum wir Leidtragende eines Streits sein sollen, für den wir nicht die geringste Veranlassung gegeben haben. Wir haben deshalb auf meine Initiative hin in Büsum eine Petition verabschiedet, die ich zusammen mit den Unterschriften zahlreicher Teilnehmer als Anlage beifüge. In ihr fordern wir das Präsidium des Deutschen Schachbundes auf, die Durchführung der Deutschen Senioren-Einzel-Meisterschaft in Radebeul vom 26. April bis 4. Mai 2019, wie von der Seniorenkommission des Deutschen Schachbundes beschlossen, zuzulassen und nicht weiter zu behindern.

Zur weiteren Begründung wird folgendes vorgetragen:

  • Die Auseinandersetzung mit Dr. Dirk Jordan schwelt nun bereits einige Monate. Sie wird vermutlich noch die Gerichte beschäftigen und sicherlich noch geraume Zeit andauern. Die Beteiligten sollten sich inzwischen von einer emotionalen Betrachtung der Angelegenheit lösen und sie vielmehr mit der Gelassenheit und der Vernunft von Erwachsenen betrachten. Dies bedeutet, die Zusammenarbeit mit Dr. Dirk Jordan nicht länger zu verteufeln und zum absoluten Tabu zu erklären.
  • Viele von uns Senioren haben sich darüber gefreut, dass der Deutsche Schachbund einen Meisterschaftsgipfel in Radebeul geplant hat, über den er noch im Januar d.J. stolz berichtet hat. Wir haben uns auch darüber gefreut, dass wir mit unserer Meisterschaft Teil dieser Gesamt-Veranstaltung sein sollten und dabei die schöne und seltene Gelegenheit hätten, zahlreiche deutsche Spitzenspieler und -spielerinnen am Brett zu erleben. Dieses für uns alle herausragende Gemeinschaftserlebnis wird nun durch kleinliches Verhalten zerstört.
  • Wir gehen davon aus, dass sowohl mit dem Hotel in Radebeul als auch mit dem Verein ZMDI-Schachfestival Dresden e.V. längst bindende Verträge über die Ausrichtung des Meisterschaftsgipfels geschlossen wurden. Durch den nun offenbar angestrebten Verzicht auf diese Veranstaltung riskiert der Deutsche Schachbund Schadenersatzforderungen beider Vertragspartner in nennenswerter Höhe.
  • Sollte es dabei bleiben, dass die Veranstaltung für das Jahr 2019 und möglicherweise auch darüber hinaus anderweitig vergeben wird, ist das von vielen Senioren hochgeschätzte Radisson-Hotel in Radebeul als Veranstaltungsort künftiger Schach-Turniere wohl endgültig verloren, was wir ganz außerordentlich bedauern würden.
  • Dies auch deshalb, weil das Hotel uns für die Übernachtungen während des Turniers besonders attraktive Sonder-Konditionen eingeräumt hatte (z.B. 65,– € pro Tag im Einzelzimmer und 45,– € im Doppelzimmer für Übernachtung mit Frühstück !!) und die großzügige Hotelanlage mit ihrer vorzüglichen und sehr komfortablen Ausstattung, etwa im Wellness-Bereich, für viele von uns einen besonderen Anreiz zur Teilnahme gerade an dieser Meisterschaft bieten würde.
  • Dies gilt auch für Radebeul als vorgesehenen Veranstaltungsort. Radebeul ist ein bevorzugter Vorort Dresdens und bietet sowohl selbst als auch in der näheren und weiteren Umgebung eine Fülle von besuchenswerten Lokalitäten, Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen. Die Attraktivität der Stadt Radebeul und ihrer Umgebung sowie des Turnier-Hotels und dessen günstige Preisgestaltung sind in ihrer Bündelung andernorts kaum zu erreichen, geschweige denn zu überbieten.
  • Ferner ist es sicher auch dem Präsidium des Deutschen Schachbundes bekannt, dass eine Veranstaltung wie die Deutsche Senioren-Einzelmeisterschaft mit etwa 300 Teilnehmern oder sogar mehr nicht von heute auf morgen anderweitig vergeben werden kann.
  • Die Planung einer solchen Großveranstaltung erfordert eine erhebliche Vorlauffrist, die mindestens ein volles Jahr beträgt. Dies würde bedeuten, dass die Meisterschaft in diesem Jahr ausfallen muss, wenn das Präsidium bei seiner für uns unverständlichen Haltung bleiben sollte. Welche Konsequenzen wir daraus über unsere Landesverbände ziehen würden, kann es sich sicher ausmalen.
  • Schließlich muss darauf hingewiesen werden, dass einige andere Turnierveranstalter, z.B. in Bad Sooden-Allendorf und Bad Neuenahr, ihre Termine im Hinblick auf die ursprünglich vorgesehene Groß-Veranstaltung in Radebeul nach hinten verlegt haben. Sie werden sich mit Sicherheit vor den Kopf gestoßen fühlen und entsprechend unfroh reagieren.

Zusammenfassend sind wir der Meinung, dass die Kraft unserer Argumente gegen eine Stornierung der Radebeuler Meisterschaft deutlich stärker ist als die vermeintlich negative Beeinträchtigung von Verbandsinteressen im Falle ihrer Durchführung unter der Stabführung des Vereins ZMDI-Schachfestival Dresden. Sollte es trotzdem zu einem Ausfall der Meisterschaft kommen, wären viele Senioren zu Recht von der Verbandsführung enttäuscht, möglicherweise auf längere Zeit. Auch dies wäre eine Beeinträchtigung von Verbandsinteressen, die nicht gering geschätzt werden sollte.

Wir Senioren stellen einen großen und besonders aktiven Teil der Mitglieder des Deutschen Schachbundes, der seine jährliche Meisterschaft als den alles überstrahlenden Höhepunkt des Schachjahres betrachtet. Wir appellieren daher nochmals eindringlich an Sie, der Durchführung unserer Meisterschaft im nächsten Jahr keine Hindernisse in den Weg zu legen.

In der zuversichtlichen Hoffnung, keine Fehlbitte für uns Senioren geleistet zu haben, verbleibe ich mit den besten Grüßen

gez. Ihr Henning Geibel

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8 thoughts on “Senioren: Appell an den DSB-Präsidenten

  1. Sehr geehrter “tgrunwald”,

    bzgl. der Seriosität Ihres Beitrages möchte ich lediglich auf die derzeitigen Anmeldungen DSAM von 170, 94, 140, 70, 53 und 67 hinweisen, dass ist “weniger als mehr als 300”.
    Als Preise gibt es jetzt Ossi-Weiner-Schachcomputer … whow …, d.h. man kommt vom “Regen in eine noch schlechtere Traufe” … viel Spass, iss nix für mich.

    Qualität hat wie überall und immer “ihren Preis” und ich ziehe Qualität vor … Jordan hatte da mehr zu bieten.

    Jochen Schöttker

  2. Schach Ticker

    Von einem früheren Bundesbank Vorstand sollte man ein ganz besonderes Feingefühl für Moral und Anstand und ein gesundes Rechtsempfinden erwarten. Was dieser hier allen Ernstes vorschlägt widerspricht diesen Prinzipien und macht mich absolut fassungslos. Ein angesehener Mann wie Herr Henning hätte sich besser vorher informieren sollen, für welch zwielichtigen Charakter er Partei ergreift und vor wessen Karren er sich spannen lässt, bevor er in unbedachter Weise seinen guten Ruf aufs Spiel setzt.

    Die folgenden Fakten können wir als allgemein bekannt voraussetzen:
    Der Deutsche Schachbund sieht sich mit einem Korruptionsskandal von erschreckendem Ausmaß konfrontiert. Unbestrittene Tatsache ist, dass der frühere DSAM Beauftragte Dirk Jordan jahrelang systematisch erhebliche Geldsummen durch geheime Nebenabsprachen mit den Hotels abgezweigt hat. Für jede einzelne Übernachtung hat er sich eine „Spende“ auszahlen lassen, die auf die Konten mehrerer von ihm kontrollierten angeblich „gemeinnützigen Vereine“ flossen, welche niemals öffentlich in Erscheinung getreten sind. Der finanzielle Schaden für das deutsche Schach beläuft sich auf mehrere 100.000 Euro !!
    Für diese Fakten sind eindeutige Beweise vorhanden, nämlich die Geheimverträge mit den Hotels. Wie man im Schach Magazin 64 lesen konnte, bestreitet Herr Jordan diese „Spendeneinnahmen“ überhaupt nicht, will aber angeblich „nicht gewusst“ haben, dass diese Form der systematischen Selbstbereicherung rechtswidrig sei.

    Wenn jetzt sogar einzelne DSB Funktionäre (die es sehr wohl besser wissen müssten) ernsthaft fordern, weiterhin das „bewährte Geschäftsmodell“ des gefeuerten Ex-Funktionärs zu subventionieren, dann ist dies ein ungeheuerlicher Skandal, welcher der unverzüglichen Untersuchung durch den DSB Vorstand bedarf. Dies insbesondere unter dem Aspekt, dass der geschäftstüchtige Dresdner erst vor kurzem bei der Deutschen Senioren Einzelmeisterschaft in Hamburg-Bergedorf (zum Glück vergeblich) versucht hat, mindestens 10.000 Euro an illegalen „Kickbacks“ einzustreichen.

    Trotz dieser mehr als fragwürdigen Vorgeschichte möchte Herr Jordan nun erneut Gelegenheit erhalten, nächstes Jahr das gleiche Spielchen in Radebeul zu treiben. Dieses Verhalten ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten – sich jahrelang als „ehrenamtlicher Gutmensch“ feiern zu lassen, während man sich in Wirklichkeit klammheimlich die Taschen vollgestopft hat. Es erscheint mir völlig unglaubwürdig, dass angeblich die Mehrheit der Senioren-Schachspieler diese zweifelhaften Machenschaften unterstützen soll. In Wahrheit wird von den meisten lediglich befürchtet, es könnte ohne den umtriebigen Organisator vielleicht nicht weitergehen.

    Tatsächlich ist diese organisierte Panikmache völlig unbegründet!
    Das an den Haaren herbei gezogene Argument, die Deutsche Seniorenmeisterschaft 2019 müsste ohne Jordan‘s „Radebeul Connection“ ausfallen, ist absolut lächerlich.
    Wie der DSB Vorstand eindrucksvoll bewiesen hat, konnte er in gerade einmal 2 Monaten nicht weniger als 6 verschiedene DSAM Vorrunden, – jede mit als 300 Teilnehmern – auf die Beine stellen. Im Vergleich dazu ist die Organisation einer Senioren Einzelmeisterschaft geradezu ein Kinderspiel, sofern man diese nicht eigennützigen Funktionären, sondern den versierten Profis beim DSB überlässt.

    Ich appelliere hiermit an Herrn Henning und alle deutschen Senioren Schachspieler, mit gutem Beispiel voranzugehen, und keine moralisch fragwürdigen Personen und Geschäfte zu unterstützen. Das deutsche Schach muss wieder sauber und ehrlich werden – Korruption darf keinen Platz im DSB haben!

  3. Zu den Fragen von Schachfreund Seyfried:
    Mich braucht niemand zu drängen: Wenn ich eine Initiative für richtig halte, setze ich sie um…

    Wenn ich in meinem Brief von “Wir Senioren” geschrieben habe, dann deshalb, weil ich im konkreten Fall die große Mehrheit der Senioren – nicht nur in Büsum – hinter mir weiß. Mir kommt es allein darauf an, dass die Deusche Meisterschaft der Senioren wie ursprünglich vorgesehen in Radebeul stattfinden kann. Irgendwelche Alternativen lassen sich schon aus Zeitgründen nicht mehr realisieren, so dass die Gefahr besteht, dass unsere Meisterschaft im nächsten Jahr ausfällt. Dies gilt es mit aller Kraft zu verhindern!

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