Vorschau zum European Club Cup

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Gerade ist die Olympiade vorbei, und schon das nächste Mannschaftsturnier – so kurz danach, dass einige Teilnehmer mit weiter Anreise (konkret vor allem zwei der drei Chinesen) zwischendurch vielleicht gar nicht zu Hause waren. Damit ist bereits erwähnt, dass beim Europacup für Vereinsteams auch Nicht-Europäer mitspielen dürfen – neben den drei Chinesen (Ding Liren, Yu Yangyi und – nicht bei der Olympiade dabei – Wang Hao) auch insgesamt vier Inder (Harikrishna, Vidit, Sasikiran und Sandipan), jeweils über zwei Teams verteilt. Generell sind einige Spitzenteams sehr international besetzt, daneben gibt es auch Teams mit (fast) nur Spielern aus dem eigenen Land.

Einige Teams stelle ich vor, Favoriten und deutsche Teams. Letztere zählen nicht zum Favoritenkreis, da sie nicht in internationaler Bestbesetzung antreten (Baden-Baden fehlt seit einigen Jahren komplett). Aber zunächst der übliche Link zur Turnierseiteund der Hinweis, dass das Titelfoto von einem Tweet der European Chess Union stammt. Porto Carras auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidi ist sicher ein attraktiver Austragungsort, an den Team Deutschland ja gute Erinnerungen hat – Europäische Mannschaftsmeisterschaft 2011.

Angeführt wird die Setzliste vom nominell mazedonischen Retortenteam Alkaloid, das tatsächlich zwei Mazedonier hat, die allerdings wohl nur sporadisch spielen werden. Gespielt wird an sechs Brettern mit bis zu zwei Ersatzspielern, einige Teams erscheinen jedoch nur mit sieben oder sechs Spielern. Ich weiss nicht, ob die Brettreihenfolge definitiv ist laut chess-results.com spielt Alkaloid mit Andreikin, Ding Liren, Eljanov, Jakovenko, Kryvoruchko, dann zwei Mazedonier und erst dann Yu Yangyi. Alkaloid hat 2016 gewonnen, letztes Jahr hatten sie das Nachsehen gegenüber der nominell sibirischen Startruppe Globus (Stammsechser Kramnik, Mamedyarov, Grischuk, Karjakin, Giri und Nepomniachtchi), die diesmal fehlt.

AVE Novy Bor stammt aus der Tschechischen Republik plus Nachbarländer plus Indien: Wojtaszek, Harikrishna, Navara, Vidit, Sasikiran, Ragger, Laznicka, Bartel. 2013 gewannen sie in teils ähnlicher Besetzung, damals aber mit Sasikiran nur ein Inder und noch kein Österreicher.

Odlar Yurdu ist quasi die erweiterte Nationalmannschaft von Aserbaidschan: Mamedyarov, Naiditsch, Mamedov, Safarli, Guseinov, Durarbayli, Abasov, Agaragimov. Djakhangir Agaragimov ist mir kein Begriff – da er gut 100 Elopunkte weniger hat als alle vor ihm wird er wohl auch eher sporadisch spielen.

Mednyi Vsadnik aus St. Petersburg ist russisch plus mit dem Israeli Rodshtein ein gebürtiger St. Petersburger: Svidler, Vitiugov, Fedoseev, Matlakov, Rodshtein, Alekseenko, Goganov. Beim Europacup-Sieg 2011 waren Svidler, Vitiugov und (am Reservebrett) Matlakov bereits dabei, einige andere aktuelle Spieler damals noch zu jung.

Valerenga Sjakklub ist ein norwegisches Team, das sich im Vergleich zu früheren Jahren mit einem Norweger und einigen Ausländern verstärkt hat: Carlsen, Howell, Grandelius, Romanov, Predojevic, Tari, Lie, Christiansen. Früher war es ein Talententeam mit dem russischen Trainer Romanov, nun wollen sie sicher vorne mitmischen. Auf die Olympiade hatte Carlsen keine Lust, nun wird er seine letzten Partien vor dem WM-Match spielen.

Dann noch das hinten italienische Obiettivo Risarcimento Padova mit Wang Hao, Vallejo, Leko, Granda Zuniga, Vocaturo, David, Brunello und Dvirnyy. Früher waren sie noch stärker aufgestellt, konnten allerdings nie den Europacup gewinnen. Nach dem enttäuschenden Abschneiden 2016 – Platz 13 trotz Vachier-Lagrave, Aronian und Gelfand im Team – spielten sie letztes Jahr nur mit Italienern, nun wieder international aber nicht ganz so stark besetzt.

Nun durch die deutsche Brille – vier bis sechs Teams sind dabei, letzteres einschliesslich deutsch dominierte Teams aus anderen Ländern. Aber ich beginne mit den Bundesliga-Teams und nenne jeweils die Aufstellungen: Werder Bremen (Babula, Grigorian, Markgraf, Meins, Richter, Werle, Zumsande). Wird Spartak Grigorian tatsächlich an Brett zwei spielen? Nein, ich bin nicht dabei, das ist IM Christian Richter. Schachfreunde Berlin (Sprenger, Abel, Baldauf, Lauber, Seyb, Polzin, Rudolf). Schachgesellschaft Solingen (Andersen, Sandipan, Naumann, Wegerle, Berg, Michalczak, Gupta) – am Reservebrett nicht der indische GM Gupta, sondern der Deutsche FM Milon Gupta. DJK Aufwärts Aachen (Donchenko, Handke, Swinkels, Braun, Lenaerts, Juegel, Kathstede). Alexander Donchenko spielt letztmals für Aachen, neuer Verein sind die Schachfreunde Deizisau wo – was junge Deutsche betrifft – auch Blübaum, Keymer und Kollars spielen.

Wie gesagt, diese deutschen Teams nicht in internationaler Bestbesetzung. In der Setzliste belegen sie Platz 10, 13, 14 und 16 – damit werden sie wohl nicht ganz oben mitspielen, aber eventuell durchaus mal gegen Spitzenteams antreten. Die quasi-deutschen Teams sind Eynatten aus Belgien (fünf von sechs Stammspielern aus GER) und De Sprenger Echternach aus Luxemburg (erste vier Bretter deutsch). Daneben noch mehr deutsche Spieler über andere Teams verteilt, insgesamt kommen 46 von 433 Spielern aus Deutschland, das damit bei der Länderstatistik führt. Platz zwei da für die Niederlande – 38 Spieler, verteilt über vier niederländische und diverse andere Teams. Aus Russland nur 20 Spieler – zwei russische Teams (Mlodezhda ist das erste, das ich oben nicht mehr erwähnte), vier für “Overtime” angeführt von Ex-Weltmeister Khalifman. Overtime kommt offiziell aus Litauen, neben vier Russen, einem Weissrussen und am Reservebrett einem Türken haben sie immerhin einen Litauer.

Und sie liefern das Stichwort für übliche Infos: Zeitkontrolle ist 90 Minuten für 40 Züge, 30 Minuten für den Rest und 30 Sekunden Inkrement von Anfang an. Gespielt wird ohne Ruhetag vom 12.-18. Oktober jeweils ab 15:00 Ortszeit, bzw. die letzte Runde ab 10:00. In Mitteleuropa ist es immer eine Stunde früher, die Liveübertragung ist 15 Minuten verzögert.

Noch kurz zum Damenturnier, da spielen 12 Teams ebenfalls sieben Runden nach Schweizer System. Die Favoriten kommen aus Georgien, Monaco, Italien, Russland und der Ukraine. Die drei ex-sowjetischen Länder schaffen das aus eigener Kraft nahezu ohne Gastspielerinnen, Monaco und Italien waren dagegen bei der Olympiade Außenseiter. Nur kurz die Aufstellungen: Nona (Dzagnidze, Batsiashvili, Khotenashvili, Javakishvili, Melia), Cercle d’Echecs de Monte Carlo (Skripchenko, Cornette, Cramling, Socko, Anna Muzychuk) – diese Muzychuk wirklich am Reservebrett? – Caissa Italia Pentole Agnelli (Gunina, Paehtz, Zimina, Tsolakidou, Brunello), Ugra (Ushenina, Pogonina, Girya, Nechaeva, Kovanova), Kyiv Chess Federation (Mariya Muzychuk, Zhukova, Osmak, Gaponenko, Babiy).

Wie oft sich der Käpten von Caissa Italia um seine Mädels kümmern kann wird sich herausstellen – es ist der bereits erwähnte Djakhangir Agaragimov. Aus deutscher Sicht spielt neben Elisabeth Paehtz auch Josefine Heinemann am Spitzenbrett von Mulhouse Philidor aus Frankreich. Griechenland ist auch dabei, nicht nur durch Tsolakidou für Caissa Italia: letztes Team der Setzliste ist AMO Galaxias Thessaloniki – die haben einerseits Heimspiel, andererseits nicht allzu galaktische Elozahlen (an Brett 3-5 Elo 1152, 1147 und 1327). Auch bei den Herren bzw. im offenen Turnier unten in der Setzliste einige Teams mit zumindest teilweise Elo unter 2000, Minimum tendenziell etwa 1700.

Die Spieler sind wohl bereits vor Ort und vergnügen sich vielleicht gerade in einem der Schwimmbäder, ab morgen wird es ernst – jedenfalls für die Teams, die diese Veranstaltung eher nicht bzw. nicht nur als Urlaub betrachten.

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