Ein kleiner persönlicher Eindruck vom European Clup Cup

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Muss man sich als Schachspieler alles gefallen lassen? Wo sind die Grenzen?

Ursprünglich war der ECC auf Rhodos von Samstag bis Samstag angesetzt. Irgendwann wurde der Zeitpunkt und der Ort verschoben. Immerhin ist der Ausrichter mit Griechenland geblieben. Aber statt 5 Tage Urlaub muss ein Amateur nun 7 Tage Urlaub nehmen, da man von Freitag bis Freitag spielt. Wenn man bedenkt, dass von den rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer höchstens ein Viertel Profis sind, weiß man auch wer das Geld mitbringt. Nachdem im letzten Jahr nur die Hälfte an Mannschaften da war, weil man das Turnier in die Türkei gegeben hat, greift man auf bekannte Orte zurück.

Das 5 Sterne Hotel in Porto Carras wurde extra für dieses Event geöffnet. Da man im Umkreis von 10 km höchstens auch auf 400 andere Menschen trifft, weiß man wie ruhig es hier ist und wie die Gastronomie geöffnet hat. Richtig, die Hotelbar ist der Ort, wo man sich ausschließlich trifft. Ob dies aber 5,50 € für 0,33 Flasche Heineken auf Dauer der Ort bleibt, ist zu bezweifeln. Auch gibt es keine Kleinigkeiten an Speisen, was besonders, die Teilnehmer(innen) gewünscht hätten, die gestern nach 22 Uhr im Hotel eingetroffen sind.

Bevor der falsche Eindruck entsteht, die Hotelanlage ist wirklich so, wie auf den Bildern und das Personal macht einen guten Job und ist freundlich und bemüht zu helfen. Aber als Turnierorganisator bin ich für einen angenehmen Rahmen der Veranstaltung verantwortlich.

Der Turniersaal lässt keine Wünsche offen. Platz ist vorhanden, Luft ist gut und alle Teams spielen in einem Saal. Hier gab es auch schon andere ECC. Des Weiteren dürfen Zuschauer im Saal bleiben, auch wenn es nur Teammitglieder und Journalisten sein dürften. Bisher musste man als Spieler nach Partieende den Saal verlassen!

Als ehemaliger Mitorganisator von zahlreichen Turnieren, u.a. Dortmunder Sparkassen Chess Meeting oder die Schach-WM in Bonn, frage ich mich beim ECC jedes Mal, wie es sein kann, dass man den Spielsaal bzw. öfter mehrere Spielorte nicht vorher schon abnimmt? Jedes Mal wird in den folgenden Runden ein grober Missstand nach dem anderen beseitigt. Die Eröffnungsrede war nur in einem begrenzten Teil des Raumes zu hören. Mein Team spielt heute an Tisch 9 als krasser Außenseiter am Rand des Saales. Eventuell war hier sogar einer der ersten vier Tische vorgesehen, was ich aber nur bösartig unterstelle. Denn über Tisch 9 ist die Saalklimaanlage. Vor Kampfbeginn machten beide Teams und die Nachbartische darauf aufmerksam, dass die Klimaanlage bitte auszuschalten ist, die kalte Luft unerträglich ist. Unser Tischschiedsrichter hatte Verständnis und gab diesen Umstand gleich weiter. 5 Minuten nach Spielbeginn saß ich schon mit Pullover, Jacke und BVB-Mütze am Brett. Meine Nachbarn, soweit Sie es konnten bei Außentemperaturen von 23 Grad, hatten ihre Hoodies an, mit Kapuze auf. Ein erneutes Nachfragen beim Schiedsrichter ergab nur, dass man dabei sein, die Anlage auszuschalten. Nach 15 Minuten sprach ich den Schiedsrichter erneut an und teilte ihm mit, dass ich unter diesen Bedingungen nicht weiterspiele. Er meinte, dass man die Anlage nicht einfach abschalten könnte, da es dann zu warm im Saal wird. Ich sagte, also haben wir einfach nur Pech. Er möge noch einmal nachfragen. Nach 20 Minuten war ich dann bei einem Organisator, der mir die Aussage des Schiedsrichters bestätigte. Als ich dann etwas lauter wurde, kam ein weiterer Organisator dazu, der versprach die Anlage in 5 Minuten abzuschalten. Mittlerweile lief meine Uhr schon 15 Minuten, ohne dass ich mich ans Brett setzte. Ich lies die 5 Minuten verstreichen und gab meine Partie auf.

Natürlich ist es für einen älteren IM, der auf dem absteigenden Ast ist, einfach die Partie gegen eine jungen 2600er abzuschenken und die Frage wird bleiben, macht der IM dies auch gegen 1800er. Aber es bleibt auch die Frage, was wäre gewesen, wenn der Weltmeister seine Einwände mitgeteilt hätte? Morgen ist auch wieder eine Runde und entweder der Tisch 9 wird wo anders aufgebaut sein, was bei der Saalgröße kein Problem darstellt oder die Klimaanlage geht doch aus oder zur 3. Runde wird was unternommen!?

Um auf meine Ausgangsfrage zurück zu kommen. Muss man nicht, aber wenn man an nicht privaten Turnieren teilnimmt schon. Meine Schmerzgrenze ist mittlerweile nicht mehr so hoch, wie noch vor 20 Jahren und wenn es um meine Gesundheit geht, ist sie nicht mehr vorhanden. Turnierseite

Beste Grüße aus Porto Carras
Olaf Heinzel

12.10.2018

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2 thoughts on “Ein kleiner persönlicher Eindruck vom European Clup Cup

  1. Magnus Carlsen spielte heute an Tisch 9. Vor der Partie wurde er – nur er – zu den Temperaturen befragt. Die Klimaanlage blieb aus! Somit wurde diese Frage beantworet.
    Auch beim Dresscode, beim Team-Meeting wurde hier extra auf lange Hose und Socken u.a. hingewiesen, wurde für den Weltmeister eine Ausnahme gemacht. Er spielte in kurzen Sporthosen, wobei ich dieses nicht verwerflich finde.
    Die Toiletten sind wirklich etwas weiter weg, aber was soll der Organisation hier machen? Dixies im Turniersaal aufstellen? Die WCs werden aber regelmäßig gereinigt. Also meiner Meinung nach alles OK in diesem Punkt.
    Gestern habe ich dann auch die Getränkeversorgungstelle entdeckt. 5 Euro für den Papbecher Kaffee!

  2. Ergänzung: Der Turnierorganisator vom Europäischen Schachverband, Petr Pisek, hat sich bei mir gemeldet und sich entschuldigt. Er hat sich persönlich von den Speilbedingungen überzeugt und umgehend die Abschaltung der Klimaanlage veranlasst. Meine Teammitglieder haben bestätigt, dass nach ca. 2 Stunden nach Spielbeginn die Klimaanlage ausgeschaltet wurde..

    Des Weiteren möchte ich anmerken, dass mein Team meine Haltung unterstützt hat, wofür ich sehr dankbar bin! Ebenso haben sich einigeTeilnehmer gemeldet, dass ich auch auf die mangelnde Lichtverhätlnisse oder den weiten Weg zu den dreckigen und zu wenigen Toiletten aufmerksam machen sollen. Da ich diese nicht persönlich feststellen konnte, kann ich dieses nur ungefiltert weitergeben,
    Olaf Heinzel

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