Die Alkaloiden, diesmal noch zu stark

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Olaf Steffens – Kurz war der Traum, und schon ist er wieder vorbei – mit einem höchst eindeutigen 5 – 1 Sieg kegelte das mazedonische Team von ALKALOID die Vertretung des SV Werder vom zweithöchsten Tisch des Europapokals wieder zurück in die Tiefen des Turniersaals. Für dieses Mal waren die Super-Großmeister aus China, der Ukraine und auch Russland noch zu stark, und allein Werders erfahrene Titelträger Jan Werle (Remis gegen Liren Ding!) und Vlasti Babula (Remis gegen Yangyi Yu!) vermochten die grün-weiße Fahne mit Erfolg hochzuhalten.

Die anderen vier Bremer zahlten heute etwas Lehrgeld, doch wer weiß – mit neuen Erfahrungen und gestärkt im Kontakt mit der Weltspitze gehen auch sie in die nächsten Runden des Turniers. Schauen wir mal! Und wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch griechischer Wein.

1 – 5, das ist wahrlich ein hohes Gebot und beinahe schon so, als würde die Deutsche Fußballnationalmannschaft mit 0 -3 in den Niederlanden unterliegen. Und doch hatten die sechs Alkaloiden für einige Zeit gar nicht so riesenhafte Vorteile auftürmen können. Wir zeigen in der Schachwelt-Blitzanalyse den Verlauf des Kampfes im Detail:

Noch sieht alles vertrauenserweckend aus bei Team Hansestadt – wenn man wie ich nur wenig bewandert ist bei positionellen Erwägungen und dem Führen der Zentrumsbauern, so helfen doch immerhin (mit einem Dank an Chess24) die weiß-schwarzen Balken links an den Bretträndern bei der Orientierung. Hier scheint alles noch gut im Lot zu sein.

Eine Stunde später hatte sich das schon ein bisschen geändert:

Immer noch (Balken beachten!) relativ ausgeglichene Spiele – allein Spartak Grigorian aus Bremen entfaltet bereits Druck gegen Jakovenko, und man fragt sich, wer ist denn hier der Großmeister? Etwas knifflig dagegen scheint die Lage bei Andreikin – Markgraf. Vorteil für Weiß an diesem Brett, und auch wenn mich Alexander Markgraf immer schon mal souverän besiegen konnte – in Andreikin scheint er heute vielleicht seinen Meister zu finden. Alle anderen Begegnungen indes laufen offenbar auf ein Unentschieden heraus, und DAS wäre doch mal was.

Wir springen wieder etwas weiter in die Zukunft und decken schonungslos auf:

Da ist etwas schiefgegangen – Punkt um Punkt für die Schachfreunde aus Mazedonien, und die wackeren Werderaner blieben am Ende ohne zählbaren Erfolg an den letzten vier Brettern.

Aber hey!, das waren ja auch gestandene Profis und wahre Supergroßmeister, da kann man ja mal verlieren. Umso schöner der Verlauf bei Jan Werle und Vlastimil Babula: zwei Remisen gegen die Weltklasse, das ist aller Ehren wert. Zeit für eine Rückschau beim gemeinsamen Abendessen, und morgen werden die Figuren neu aufgebaut.

Was geschah in den anderen Spielen?

– DJK Auswärtssieg Aufwärts Aachen siegt souverän 4,5 – 1,5 gegen die formidable mazedonische Mannschaft von CC Gambit Asseco und gleicht damit die heutige Länderwertung Deutschland – Mazedonien aus (2-2).

– Die aus der Hauptstadt angereisten SF Berlin gewinnen mit gleichem Ergebnis und sehr klar gegen die Holländer von MuConsult Apeldoorn. Wir fragen uns – wofür steht das “Mu”?

– die SG Solingen trennt sich mit einem umkämpften 3 – 3 von SK Reval-Sport aus Estland.

– Echiquier Amaytois aus Belgien gewinnt das Lokalderby gegen En Passant aus den Niederlanden mit einem hübschen 4 -2. Wir grüßen hiermit unseren treuen, loyalen und liebenswerten Leser Michael Buscher, der bei Amaytois das dritte Brett stärkt!

– Und die Grantham Sharks? 4,5 – 1,5 gegen den Dublin Chess Club!

Am Montag schon geht es weiter. Schaltet alle ein um 14:15 Uhr und drückt den deutschen Ländervertretungen die Daumen! (und natürlich auch den Grantham Sharks)

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

 

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One thought on “Die Alkaloiden, diesmal noch zu stark

  1. Hallo Olaf,

    Gruß zurück aus dem Porto Carras Grand Resort! Morgen werde ich wohl mehr aufs Aachener Match gucken als auf das eigene, wurde doch Aufwärts dem Namen entsprechend hochgelost gegen die norwegische Carlsentruppe…!

    Michael aka MiBu

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