Werder ist bereit für die WM

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Olaf Steffens – Der Europapokal, das letzte Turnier vor der Schachweltmeisterschaft in London: im November wird dort um den Titel gespielt, und sowohl defending champion Magnus Carlsen als auch der SV Werder Bremen präsentieren sich zuvor in Porto Carras ein letztes Mal der Schach-Öffentlichkeit.
Der SV Werder besiegte in der heutigen sechsten Runde den estnischen Vertreter SK Reval-Sport mit einem formschönen 4,5-1,5 und zeigte sich damit in fast schon glänzender WM-Form. Carlsen indes scheint in Griechenland vor dem großen Match befangen und konnte von seinen letzten vier Partien nicht eine einzige gewinnen. Auch heute musste der ambitionierte Norweger gegen den unbekannten Chinesen Liren Ding den sicheren Remishafen anstreben.

Das alles nährt hierzulande natürlich die Hoffnung, dass nach Emanuel Laskers Regentschaft (1894-1921) die WM-Krone endlich wieder einmal nach (Nord-)Deutschland geholt werden könnte. Der SV Werder jedenfalls scheint für dieses Unterfangen aktuell gut genug aufgelegt zu sein. Drücken wir den Bremern die Daumen – toi, toi, toi!

Die Schachwelt schaut nach London!

Carlsen-Herausforderer Werder ging gegen den SK Reval-Sport als Favorit an die Tische und steuerte nach drei Stunden einem verdienten Mannschaftssieg entgegen.

Gemäß dem etwas kruden und etymologisch wohl eher dem schleswig-holsteinischen Sprachgebrauch zuzuordnenden Motto “Oben halten, unten spalten” ließen Jan Werle, Vlastimil Babula und Alexander Markgraf an den vorderen Brettern nichts anbrennen und erzielten drei sichere Unentschieden – fast wären hier noch mehr Punkte möglich gewesen.
Diese allerdings holten sich die Hanseaten an den unteren drei Brettern: sowohl Christian Richter als auch Gerlef Meins und Martin Zumsande orientierten sich aus soliden Stellungen heraus nach vorne und profitierten dabei von taktischen Ungenauigkeiten ihrer auf dem Papier etwas schwächeren Gegner.

So stand am Ende ein ermutigendes 4,5 – 1,5 zu Buche. Auch wenn es gegen Magnus Carlsen in Kürze deutlich schwerer werden wird, war es ein Sieg, der das Bremer Selbstvertrauen vor der WM noch einmal stärken dürfte.

Team Hansestadt: die Herausforderer sind bereit für die WM

Die weiteren Gewinnzahlen der 6.Turnierrunde:

– Grantham Sharks: yep! 3,5 : 2,5 gegen allerdings wesentlich schwächer aufgestellte Finnen vom SK Comeon.

– Elisabeth Pähtz’ Caissa Italia Pentole Agnelli findet weiterhin nicht so recht in das Turnier und verliert leider erneut: 1,5 – 2,5 gegen die ukrainischen Damen von Kyiv Chess Federation.

– ein großer Tag dagegen erneut für die SF Berlin aus der Bundeshauptstadt Berlin: ein überzeugendes 4 – 2 gegen die SF Wirtzfeld (mit IM Juri Boidman an Brett 2). Da jibs nüscht zu meckaan!

– SG Zürich (mit Lother Vogt) und die SG Solingen trennen sich bei vier entschiedenen Partien 3 – 3

– DJK Aufwärtstrend Aachen wird nach dem gestrigen Kantersieg gegen das holländische Leiden vom belgischen Eynattenwieder auf den Boden zurückgeholt und unterliegt mit 4 – 2.

– Magnus Carlsens Valerenga Sjakklubb trumpft auf und ringt den mazedonischen ALKALOIDEN die ersten Mannschaftspunkte ab: 3,5 – 2,5, und die Tabellenführung für die Norweger!

– MiBus Echiquier Amaytois unterliegen der holländischen BSG mit 4 – 2. Wir sagen: schade! und verleihen unserer Hoffnung Ausdruck, dass die morgige Schlussrunde den Echiquiers einen versöhnlichen Turnierabschluss ermöglichen möge!

Soweit für heute? Morgen um 14:15 Uhr die letzte Runde, und der Schluss-Spurt um die besten Plätze beim ECC. Welcher Verein aus dem Bundesgebiet – Solingen, Berlin, Aachen oder Bremen – wird am Ende die meisten Punkte sammeln und damit zum heimliichen  Deutschen Meister? Wir gucken uns das an. Aber erstmal noch ein bisschen ….


Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

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