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Gerade ist der Europacup vorbei, heute (Freitag) ist für eine Reihe Spieler Reisetag und morgen sitzen sie dann schon wieder am Brett – an zwei Schauplätzen nordwestlich von Porto Carras mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Die Isle of Man hat etwa 80.000 Einwohner und ist von Wasser umgeben, Hoogeveen hat etwa 55.000 Einwohner und im Gemeindegebiet immerhin 1.58m2 Wasser. Das Turnier auf der Isle of Man ist hochkarätiger besetzt, wie im Schweizer System üblich anfangs wohl “Pflichtsiege” für Favoriten, während es bei Matches in Hoogeveen direkt zur Sache gehen sollte.

Aber ich beginne mal auf der Isle of Man und nenne zuerst die ersten zwanzig der Setzliste, das sind die Spieler mit offiziell (Olympiade und Europacup noch nicht FIDE-ausgewertet) Elo 2700+: Aronian, Giri, Vachier-Lagrave, Kramnik, So, Anand, Grischuk, Nakamura, Karjakin, Wojtaszek, Rapport, Wang Hao, Naiditsch, Le Quang Liem, Adams, Vidit, Artemiev, Eljanov, Almasi, Gelfand. Die ersten drei habe ich mal alphabetisch sortiert, offiziell haben sie alle 2780, Kramnik hat 2779. Danach hatten Giri eine gute, MVL und Kramnik eine Elo-neutrale und Aronian eine schlechte Olympiade. Spieler mit Elo 2800+ fehlen: Titelverteidiger Carlsen und Caruana (auch wenn er zunächst auf der Teilnehmerliste stand) haben schon demnächst einen Termin in London, Ding Liren hat auch zu- und dann wieder abgesagt, Mamedyarov empfand Olympiade und Europacup und Isle of Man offenbar als zuviel.

Aber auch Seite 2 der Teilnehmerliste auf der Turnierseitehat noch bekannte Namen, z.B. die ehemaligen Weltklassespieler Leko, Short und Shirov oder David Howell – den erwähne ich, da er live-aktuell mal wieder Elo knapp über 2700 hat. Da auch mit Georg Meier und Alexander Donchenko die elobesten deutschen Teilnehmer, ich nenne noch einige weitere aber nicht alle: die GMs Fridman, Svane, Huschenbeth, Wagner, die IMs Elisabeth Paehtz, Ilja Schneider (spielt offenbar neben Mannschaftskämpfen noch ca. ein Open im Jahr, zuvor vor allem Grenke Chess), Martin Zumsande und Vincent Keymer und nach Seite 4 (Nummer 61-80) höre ich auf.

Insgesamt sind es 167 Teilnehmer, d.h. die erwähnten deutschen Spieler bekommen in Runde eins einen nominell unterlegenen und nach gelöster Pflichtaufgabe in Runde zwei bereits einen recht starken Gegner. Paarungen für Runde 1 nach dem Zufallsprinzip gibt es nicht mehr, FIDE hatte etwas dagegen und sagte, dass dann keine Titelnormen möglich sind – aber auch das ist wohl Sinn der Sache für Spieler, die den GM-Titel noch nicht haben.

In der Vorschau erwähnt die Turnierseite auch Jungtalente, neben bzw. vor Keymer vor allem die Inder Nihal Sarin und Praggnanandhaa, beide inzwischen GMs. Sowie Damen, Konkurrenz für Elisabeth Paehtz u.a. Kosteniuk, Batsiashvili, Cramling, Cornette, Kashlinskaya (die Ehemann Radek Wojtaszek begleitet oder umgekehrt), usw. – aus Deutschland noch Melanie Lubbe und Josefine Heinemann.

Gespielt wird vom 20.-28. Oktober ohne Ruhetag jeweils ab 14:30 Ortszeit (eine Stunde später in Mitteleuropa) bzw. die letzte Runde ab 13:00 Ortszeit. Zeitkontrolle: 100 Minuten für 40 Züge, 50 zusätzliche bis zum 60. Zug und 15 Minuten für den Rest mit 30 Sekunden Inkrement von Anfang an. Geld kann man natürlich auch verdienen: erster Preis 50.000 GBP, elfter Preis noch 1.500 GBP – viele Großmeister werden da leer ausgehen, aber sie zahlen wohl auch Antrittsgelder. Damenpreise gibt es mehr und großzügigere als Elopreise für Männer vergleichbaren Niveaus: erster Preis 7.000  GBP, siebter Preis noch 500 GBP.

Und nun nach Hoogeveen: Früher gab es da einen Vierkampf, seit einigen Jahren gibt es stattdessen zwei Matches. Dieses Jahr Svidler-Shankland und Jorden van Foreest – Fedoseev. Die Matches beginnen am Sonntag, Svidler hat also noch etwas mehr Zeit um sowohl den Mannschaftserfolg in Porto Carras zu feiern als auch seine persönlichen Wunden zu lecken, letzteres bei seinem Teamkollegen Fedoseev nicht der Fall. Ihre Gegner kommen aus den USA (Hoogeveen schaffte es, dass Sam Shankland im Gegensatz zu diversen Landsleuten nicht auf der Isle of Man spielt) bzw. lokal aus den Niederlanden. Jorden van Foreest ist Dauergast in Hoogeveen, zuvor verlor er Matches gegen Timman und Sokolov und gewann letztes Jahr gegen Baskaran Adhiban. Fedoseev ist nun eine noch etwas grössere Herausforderung. Diese vier spielen vom 21.-27. Oktober ab 14:00 (letzte Runde um 12:00, Ruhetag am 24.10., demnach sechs Partien). Danach eventuell Blitz-Stichkämpfe, letztes Jahr bei Ivanchuk – Wei Yi und van Foreest – Adhiban der Fall.

Ein Open gibt es auch, nicht so gut dotiert wie Isle of Man (erster Preis 4.000 Euro) und demnach schwächer besetzt – immerhin sieben GMs, davon drei mit Elo 2650+: Amin, Safarli, Guseinov, Romanov, van den Doel, Kryakvin, Pruijssers. Dahinter vor allem Niederländer, bekanntester Name vielleicht van Foreest – die mit Elo 1934 an 77 gesetzte Machteld (sie hatte bereits mal über 2100, aber zuletzt mehrere schlechte Turniere). Unter den 90 Teilnehmern auch sieben Deutsche, Elobester FM Valentin Buckels. Neun Runden werden gespielt, wobei nach sieben Runden vier Spieler aussortiert werden: die besten vier spielen dann Halbfinale und Finale im KO-Format. Jeweils zunächst nur eine Partie mit klassischer Bedenkzeit, der zuvor im Turnier bessere Spieler hat Weiß. Falls diese Remis endet, Blitzpartien bis eine Entscheidung fällt. Letztes Jahr brauchte Dmitrij Kollars im Halbfinale gegen Dinara Saduakassova fünf Blitzpartien, um sich für das Finale gegen Pruijssers zu qualifizieren (das er tags darauf in einer Partie mit klassischer Bedenkzeit verlor). Im Open wird vom 20.-27.10. gespielt – ohne Ruhetag und mit Doppelrunde am 22.10. .

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