Das Münsterland ist voll von schönen Schlössern, schönen Landschaften und einem Super-Open

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Das Münsterland ist voll von schönen Schlössern und Landschaften und ein herrliches Fahrrad-Paradies mit gut ausgeschilderten und ausgebauten Fahrradrouten.

Münster ist in meinen Augen eine der schönsten Städte Deutschlands. Nachdem das Münsterland-Open mehrere Jahre in Senden stattfand, kehrte es in diesem Jahr nach Münster in die Stadthalle Hiltrup zurück.

Da ich immer gerne Schach mit irgendetwas anderem kombiniere – böse Zungen behaupten, dass ich mich dann nicht so über meine Ergebnisse ärgere – habe ich mich dieses Jahr für dieses Open entschieden. Aber natürlich reichte das nicht, also bin ich per Bahn angereist und habe mein Fahrrad mitgenommen, da man in Münster und Umgebung einfach Fahrrad fahren muss. Um schon am Freitag etwas in Form zu kommen, bin ich in Westbevern ausgestiegen und habe den Rest der Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt. Weil mein Navi und ich einige Meinungsverschiedenheiten hatten, fuhr ich einen kleinen Umweg, aber ich erreichte mein Ziel trotzdem.

Es gab drei Turniere in der Stadthalle zur selben Zeit, einmal das eigentliche Open, welches offen für alle Spieler ist, dann das Challengers mit einer DWZ Obergrenze von 1700 und ein Jugend Schnellturnier.

Ich spielte zusammen mit 113 anderen Schachspielern im Open mit. An Titelträgern teilgenommen haben ein GM, zwei IMs und 7 FMs. Außerdem 7 Spieler, die für einen Verein aus dem schönsten Bundesland Deutschlands spielten + 2 Spieler aus demselben Bundesland im Challengers.

Die Spielbedingungen in der sehr geräumigen Stadthalle fand ich sehr gut. Es wurden im Open 9 Runden gespielt, mit einer Doppelrunde am Samstag und ansonsten mit Spielbeginn um 17 Uhr, für mich Radtouristin war das sehr ideal, weil ich dann tagsüber Touren machen konnte.

Im Challengers gab es 7 Runden, ohne Doppelrunde und Beginn am Samstag.

Die erste Runde des Open verzögerte sich etwas, da wohl nicht alle angemeldeten Spieler pünktlich erschienen und auf sie gewartet wurde. Als dann alle da waren, durfte ich zu meiner Überraschung gegen den Großmeister spielen, allerdings wunderte ich mich ein wenig, dass dieser nur die Startnummer 36 hatte, vielleicht also gibt es zwei Spieler dieses Namens? Der Fehler wurde aber schnell korrigiert und die Runde neu ausgelost, statt des GMs bekam ich nun einen Spieler mit „nur“ 2038. Immer noch eine Nummer zu groß für mich, ich verlor recht schnell.

Nach meiner Niederlage in der ersten Runde fuhr ich mit dem Fahrrad vom Spiellokal zu meiner Unterkunft, die ich nicht weit von Münster Hiltrup gewählt habe (ca. 3 km). Leider hat mein sonst zuverlässiges Vorderlicht gerade an diesem Tag gemeint, einen Wackelkontakt zu bekommen, welcher sich so äußerte, dass es an den dunklen Stellen ausging und an den hellen wieder anging. Ich musste teilweise vom Rad absteigen, da ich nichts mehr sehen konnte und es mir als zu gefährlich erschien. Ohne einen Unfall erreichte ich mein Hotel und bekam dort erstmal eine Menge Fahrradkarten ausgeliehen, damit ich so richtig schön was unternehmen konnte, super nett von ihnen. Am Samstag habe ich vor der Runde erstmal einen Fahrradladen aufgesucht und mir ein batteriebetriebenes Licht geholt, damit ich abends heil ins Hotel kommen konnte.

In der Doppelrunde am Samstag hatte ich wieder bessere Gegner, was aber kein Grund war, so schlecht zu spielen, wie ich es tat. Als Strafe oder Belohnung hatte ich dann am Sonntag spielfrei und somit Zeit, meine erste größere Tour zu machen. Es gibt im Münsterland eine 100 Schlösser Fahrradroute auf der man etwas mehr als 100 Schlösser sehen kann (was soll man auch sonst auf einer 100 Schlösser Route sehen?). Allerdings ist diese Route 960 km lang und darauf ausgerichtet, dass man unterwegs übernachtet. Das kam für mich natürlich nicht in Frage, schließlich musste ich ja auch noch Schach spielen, also habe ich mir aus dem Radführer dann die Orte so zusammengesucht, dass ich an einem Tag möglichst viele dieser Schlösser aufsuchen konnte. Am Sonntag waren dies das Haus Bisping und das Haus Borg in Rinkerode. Diese Schlösser befinden sich im Privatbesitz und man kann das eine von der Straße aus sehen und das andere nur über einen Privatweg erreichen, der für Autos gesperrt ist (für Fahrräder stand kein Verbotsschild da).

Weiter ging es nach Drensteinfurt mit dem Haus Steinfurt und nach Ascheberg (da kam leichtes Heimweh nach meinem Heimatbundesland auf, da es diesen Ort doch auch gibt) zu den beiden Wasserschlössern Itlingen und Westerwinkel. Zum Abschluss gab es dann noch eine Fahrt nach Nordkirchen, wo sich das gleichnamige Schloss befindet. An diesem Tag habe ich per Fahrrad 83 Kilometer zurückgelegt und musste abends dann kein Schach spielen.

Am Montag legte ich einen Fahrradruhetag ein, d.h. ich fuhr nur 25 km und besuchte den Allwetterzoo. Diesen kann ich auch sehr empfehlen, dort gibt es z.B. Geparden und Przewalski Pferde und ich hatte das Glück am Montag bei der Gepardenfütterung dabei zu sein (als Zuschauer nicht als Beute). Der Zoo beherbergt noch eine ganze Menge anderer Tiere, empfehlen kann ich auch noch die Terrarien. Auf mich machte der Zoo einen sehr gepflegten Eindruck und Geparden, die viel Auslauf brauchen und in freier Wildbahn schon arg gefährdet sind, haben in Münster sogar Junge bekommen, deswegen nehme ich an, dass es ihnen dort nicht schlecht geht. Vielleicht können die Zoos dazu beitragen, diese schönen Tiere zu bewahren und eventuell auch mal auszusetzen, klar wollen die Zoos damit auch Besucher anlocken.

Nach diesem fast fahrradfreien Tag bekam ich es (mit 1 aus 4) mit einem Gegner mit 300 Punkten mehr als ich zu tun, da kann man mal sehen, wie gut das Open (aus der Sicht eines Patzers wie mir) besetzt ist. Gegen solche Gegner kann ich entspannt spielen, mein Gegner kam mit mir gar nicht zurecht, und ich konnte ihn schön besiegen.

Am Dienstag ging ich wieder auf Schlösserfang und besichtigte in Lüdinghausen zwei schöne Exemplare. Diese Tour war 64 Kilometer lang. Abends am Schachbrett schlug mein Gegner leider gnadenlos zu, und ich verlor wieder.

Am Mittwoch schaute ich mir dann Schlösser in Münster und die Innenstadt von Münster an. Der Gegner in dieser Runde war der erste und einzige mit einer niedrigeren Zahl als ich. Leider legte er die Partie sehr auf Remis an, so dass mir kein Vorteil gelingen wollte und die Partie Remis ausging.

Donnerstag besuchte ich dann aus Mangel an Schlössern, die ich noch nicht gesehen habe und die nicht so weit weg liegen, die Wallfahrtstadt Telgte. Nach Telgte pilgern jährlich bis zu 150.000 Wallfahrer von Osnabrück zur Marienwallfahrt. Da die ganze Woche über schönstes Wetter mit warmen Temperaturen und Sonnenschein herrschte und ich immer meine Regenhose mitgeschleppt hatte, aber nie brauchte, nahm ich meine Regenhose an diesem Tag törichterweise nicht mit, da ich dachte, dass ich mich mit dem Wetter auskenne. Lerne, auch wenn es nicht nach Regen aussieht, verhindert die Mitnahme von Regenkleidung in den meisten Fällen den selbigen, lässt Du sie aber zu Hause, dann könntest Du naß werden. Und genau das passierte, war in Münster noch strahlender Sonnenschein, begann es kurz vor Telgte zu regnen, zwar nur wenig, aber dafür beständig. Pünktlich zum Fototermin der Wallfahrtkapelle in Telgte hörte er wieder auf und nachdem die Fotos gemacht worden sind, fing er wieder an, nur um mich armen Radfahrer zu belehren. Aber wir Norddeutschen sind Kummer gewohnt und als ich zur Runde erschien, war ich voller Energie. Diese entlud sich aber in einer katastrophalen Eröffnungsbehandlung und ich hätte nach 5-6 Zügen schon sehr schlecht stehen können. Aber mein Gegner war geblendet von meiner positiven Energie und stand dann selber schlecht, und ich konnte meinen zweiten regulären Sieg (spielfrei ist ja kein richtiger) einfahren.

Ulla Hielscher

Am letzten Tag verlor ich dann leider wieder und hatte am Ende 3,5 Punkte bzw. 2,5 gespielte Punkte auf dem Konto. Zwar gegen stärkere Gegner, aber trotzdem für mich etwas unbefriedigend. Dem gegenüber stehen 387 Kilometer gefahrene Radkilometer und die Erkenntnis, dass man im Münsterlad wirklich sehr gut Rad fahren kann.

Fazit: Ein sehr schönes Turnier, welches nach Anfangsproblemen sehr gut weiter lief. Die Spielbedingungen waren auch super und die Umgebung kann man bei den Rundenzeiten auch genießen. Ich kann es nur jedem empfehlen.

Wer sein Rad nicht mitnehmen möchte, kann sich in Münster auch ein Rad leihen und für die Ausrüstung gibt es an fast jeder Ecke einen Radfahrladen. Man muss aber etwas aufpassen, denn in Münster fahren mehr Radfahrer als Autos und teilweise ist es so voll, dass man aufpassen muss, nicht mit anderen zusammenzustoßen. Aber dafür gibt es fast überall Radwege und Fahrradampeln und wenn man Münster verlassen hat, nimmt auch die Anzahl der Radler massiv ab (zumindest jetzt im Oktober). Das Wetter war eher sommerlich als herbstlich und somit ideal zum Radeln.

Das Turnier gewann Daniel Hausrath, was wäre wohl passiert, hätte er in der ersten Runde wirklich gegen mich spielen müssen? Berichte zum sportlichen Geschehen und Schachbilder finden sich auf der Seite des SK Münsters , den Abschlussbericht von Rainer Niermann kann man auch beim Schach-Ticker lesen.

Ulla Hielscher

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