Deutschland gegen die Welt an sieben Brettern: ein Feiertag für Schachfans

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Als wir begonnen haben, diese Seite ambitioniert zu betreiben, dachten wir, dass der Sonntag der besucherstärkste Tag würde. Wenn das Wochenende zur Neige geht, würden die Leute sich am ehesten ein halbes Stündchen mit dem Tablet aufs Sofa betten, vielleicht sogar ein ganzes, und Schach schmökern?!

Von wegen. Am ehesten brummt es hier montags, und das zu einer Tageszeit, zu der die meisten Schachfreunde einer geregelten Tätigkeit nachgehen sollten. Es liegt der Verdacht nahe, dass die Bürohengste unter unseren Lesern den Sonntag gänzlich ausnutzen, um schachfernen privaten Freuden nachzugehen. Wenn sie dann am Montag im Büro ankommen, schalten sie erst einmal den Rechner ein und forschen, welche Schachperlen wieder im Zwischennetz hängen geblieben sind.

Ertappt?

Natürlich liegt es uns fern, mahnend den Zeigefinger zu erheben. Wir freuen uns ja über jeden, der hier vorbeischaut. Andererseits wollen wir nicht verantwortlich sein, wenn das Bruttosozialprodukt sich in einen Sturzflug begibt, weil die arbeitende Bevölkerung Schach surft, anstatt zu schuften. Darum empfehlen wir ausdrücklich die Mittagspause für die Schachlektüre.

Außer heute. Heute empfehlen wir  jedem, der diese Zeilen während der Arbeit liest, die Schlagzahl zu erhöhen, eine Schüppe draufzulegen, einen Gang hochzuschalten, um nachmittags zu Hause zu sein. Wer heute ab 15.30 Uhr kein Schach guckt, dem ist nicht mehr zu helfen. Aus deutscher Sicht läuft auf der Isle of Man ein Premium-Programm, wie wir es in dieser Fülle selbst im weiteren Verlauf eines derart starken Turniers wahrscheinlich nicht mehr zu sehen bekommen werden.

„Deutschland gegen die Welt“ steht auf der Tagesordnung. Der Vergleichskampf wird an sieben Brettern ausgefochten. Es könnten sogar acht sein, hätte sich nicht der mit 2/2 gestartete Georg Meier einen freien Tag erbeten. Morgen wird Meier mit 2,5/3 wieder ins Geschehen eingreifen, heute wird er Schach gucken. Und einiges zu sehen bekommen:

Angesichts der Elo-Differenz an allen Brettern müssen wir feststellen, dass die Welt Favorit ist. Zwei Ex-Weltmeister finden sich in ihren Reihen (Anand, Kosteniuk), die ausschließlich aus aktuellen oder potenziellen Top-Ten-Spielern komponiert sind.

„Soll ich jetzt wirklich 3…c6 spielen”, fragt sich Lev Aronian in seiner Partie gegen Dennis Wagner. Am heutigen Vergleich Deutschland gegen die Welt werden diese beiden nicht teilnehmen. Aronian muss gegen US-Talent Samuel Sevian ran, nachdem er Wagner erfolgreich beschummelt hatte (eine sehenswerte Partie, die wir demnächst zu einem Video verarbeiten werden). Wagner (1/2) muss sich erst wieder nach vorne kämpfen, bevor ihm der nächte Weltklassemann gegenübersitzt. (Foto: John Saunders/Turnierseite)

Trotzdem: Einige Mitglieder der deutschen Auswahl sind in Galaform, allen voran Alexander Donchenko, der unlängst auf Augenhöhe einen Strauß mit dem Weltmeister ausgefochten hat. Oder Daniel Fridman, der neulich bei der Schacholympiade ordentlich abgeräumt hat.

Andere haben eine Menge zu gewinnen, nämlich die letzte Großmeisternorm und damit den Titel. Elisabeth Pähtz hat gestern mit Weiß dem WM-Herausforderer von 2016 Sergej Karjakin ein Remis abgeklemmt und liegt damit auf Kurs. Heute gegen Richard Rapport wird es zu einer offenen Feldschlacht kommen. Dass eine solche so oder so ausgehen kann, hat Vincent Keymer mit Schwarz gegen selbigen vor einem halben Jahr in Baden-Baden trefflich demonstriert.

Apropos Vincent Keymer. Wenn der noch als 13-Jähriger den GM-Titel holen will, dann muss er das in dieser und der kommenden Woche auf der Isle of Man erledigen. Vladislav Artemiev (20), einer der aufgehenden Sterne des russischen Schachs, sollte der perfekte Prüfstein sein.

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