Isle of Man Impressionen

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Perlen vom Bodensee hatte bereits aus deutscher Sicht zum Isle of Man Open geschrieben – das wird in diesen Beitrag auch einfliessen, aber ich schreibe auch zum Turnier insgesamt. Deutsche Spieler waren in der Setzliste ab Platz 32 zu finden, also war eher nicht damit zu rechnen, dass sie in den Kampf um die finanziell attraktiven vorderen Plätze eingreifen würden. Andere Ziele – Titelnormen – wurden auch mehr oder weniger knapp verfehlt. Daniel Fridman teilte am Ende Platz 10 mit vielen anderen und bekam noch knapp 200£, Elisabeth Paehtz teilte Platz 72 insgesamt und bekam für Platz 4-7 in der separaten Damenwertung wohl fast 600£.

Damit ist schon klar: weiblich ist attraktiv, auch finanziell gesehen. Das gilt auch für die Dame auf dem Titelfoto: Alina Kashlinskaya war punktgleich mit u.a. Fridman und bekam dafür stolze 7000£. Mehr bekamen nur zwei im Turnier: der neben ihr stehende Radek Wojtaszek, der hier noch nicht entspannt dreinblickt, und der mit Wojtaszek nach neun Runden punktgleiche Arkadij Naiditsch. Das Foto entstand nämlich wohl während dem Stichkampf um den Turniersieg: 37.500£ hatten beide bereits sicher, 500 gab es dann als Dreingabe für den Polen – Ehemann der Russin Kashlinskaya. Alle Fotos von John Saunders, Quelle Turnierseite. Bei zwei anderen Schach-Ehepaaren (Kosteniuk-Tregubov und Cramling-Bellon) bekam nur sie Preisgeld, bei l’Ami-l’Ami weder Alina noch Erwin.

Nun zunächst der Endstand: Wojtaszek und Naiditsch 7/9, Kramnik, Grischuk, Nakamura, Wang Hao, Jones, Adhiban, Xiong 6.5/9, und schon sage ich “usw.” bzw. nenne nur die jeweils elobesten: 6/9 u.a. für Giri, Vachier-Lagrave, Anand und Karjakin, 5.5/9 u.a. für Aronian, So und Adams, 5/9 u.a. für Gelfand. Eine Binsenweisheit: In offenen Turnieren nach Schweizer System muss man oft gewinnen, um vorne zu landen – während in Superturnieren +3 oder auch +2 über neun Runden reicht. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Konkurrenz – auch von Spielern aus der “zweiten Reihe” – ist groß, und man hat auch leichtere Gegner, die allerdings nicht absichtlich oder automatisch verlieren.

Noch eine Schlagzeile vorab: Israelis verhindern deutsche GM-Normen. Darf man das so schreiben, wenn es quasi stimmt? Wobei es eher Zufall war, und drei von vier deutschen Spieler(inne)n, die gegen Gelfand antraten, sich nicht über ihn beschweren konnten. Aufklärung später im Bericht, nun anhand von Fotos (fast) Runde für Runde, vorab allerdings eine Spielergalerie:

Den jungen Rumänen Bogdan-Daniel Deac habe ich aus galerietechnischen Gründen (so sind es 12 Fotos, durch 3 teilbar), ansonsten bekannte und/oder deutsche Namen. So wie ich die Fotos sortiert habe – alphabetisch aber mal Vor- und mal Nachname – hat sich Kramnik zwischen Keymer und seinen Trainer Peter Leko eingereiht. Elisabeth Paehtz wurde oft fotografiert und wird in diesem Bericht mehrfach auftauchen – diesmal auch aufgrund der gezeigten Ergebnisse, allerdings ohne normtechnisches happy end (gilt für alle gezeigten deutschen Spieler, die den GM-Titel noch nicht haben). Deutsche Flagge gegenüber von Gelfand gab es gleich viermal im Turnier.

Zu Runde 1 nur ein Foto:

Elounterschiede von gut 300 Punkten, Vachier-Lagrave löste seine “Pflichtaufgabe” gegen Nikolas Lubbe, der letztes Jahr auf der Isle of Man Caruana noch ein Remis abgeknöpft hatte (und dann gegen Anand verlor). Insgesamt sollte Nikolas Lubbe 0.5/5 gegen Großmeister erzielen (das Remis gegen Debashis) und perfekte 4/4 gegen andere, zusammen ein Elo-neutrales Ergebnis.

Nicht alle Favoriten gewannen ihre erste Partie, nur Remis u.a. für Giri (gegen Kashlinskaya), Kramnik, So (der spielt nun einmal gerne Remis), Nakamura und auch Wojtaszek. Wie der Endstand zeigt, konnten einige einen halben Fehlstart noch kompensieren.

Zu Runde 2 mal nichts, zu Runde 3 wieder ein Foto mit deutscher Beteiligung:

Wang Hao knetete eine für ihn bei ausgeglichenem und reduziertem Material leicht bessere Stellung so lange, bis Donchenko Milch gab. Nach dieser Runde hatten neben ihm noch fünf andere Spieler 100%.

Runde 4 überspringe ich auch mal, und ab dann pro Runde mehr als ein Foto – Runde 5:

Wang Hao und Naiditsch beharkten sich am Spitzenbrett eher milde und einigten sich nach 36 Zügen auf Remis – ab dem 30. Zug ist es erlaubt. MVL wollte gegen Parligras sicher gewinnen, aber musste sich im Endspiel mit Remis begnügen. Der Rumäne Parligras remisierte dann auch gegen Karjakin, bye, Grischuk und Artemiev. Wer oder was ist “bye”? Es gab keinen allgemeinen Ruhetag, aber wer wollte konnte einmal pausieren und bekam dafür einen halben Punkt. Parligras hatte tags zuvor schlappe 91 Züge gespielt, und dann war der “Verteidigungsminister” Karjakin aus ziemlich hoffnungsloser Stellung mit Remis entwischt.

Giri wunderte sich, warum Kramnik, Anand, Wojtaszek und andere in Runde 5 pausierten, und tat es dann quasi selbst auch – Kurzremis gegen seinen Sekundanten Erwin l’Ami. Auf Twitter hat er kategorisch dementiert, dass sie das Ergebnis vor Rundenbeginn bereits kannten. Ilja Schneider zeige ich, weil er Deutscher ist – und beim Publikum vielleicht noch als Schachblogger bekannt, wobei ich vor gut einem Jahr aus gut informierten Kreisen erfuhr, dass eine Rückkehr in dieser Rolle ausgeschlossen ist.

Nach Runde 5 führte mit Wang Hao, Naiditsch, Xiong und Gupta ein Quartett. Abhijeet Gupta, der Landsmann Vidit an dessen Geburtstag besiegt hatte, sollte noch recht weit zurückfallen (0.5/4 nach davor 4.5/5), die drei anderen mischten weiterhin oben mit.

Runde 6:

Nakamura zerlegte Gupta aus der Eröffnung heraus. Jumabayev-MVL war turbulenter: beide verweigerten mal eine Zugwiederholung – erst der Franzose, dann der Kasache, der direkt danach den entscheidenden Fehler machte und taktisch unterging. Kramnik ging mit Erwin l’Ami weniger pfleglich um als tags zuvor Giri, schliesslich hatte er Weiß. Nigel Short konnte zuvor gegen Karjakin und Grischuk und nun gegen So remis halten. So spielt nun einmal gerne Remis, chess24 hat es nach dem Turnier auf Twitter so kommentiert: “… Wesley had a frustrating 2 wins and 7 draws” [Wesley hatte zwei frustrierende Siege und sieben Remisen]. Gut, man kann das auch anders interpretieren/übersetzen …. . Auch für Paehtz war ein Weißremis eher ein Erfolgserlebnis, selbiges schaffte sie zuvor auch gegen Karjakin.

Nach dieser Runde führte mit MVL, Nakamura, Wojtaszek, Wang Hao, Naiditsch und Xiong ein Sextett (alle 5/6). Die ersten zwei zählten zum engeren Favoritenkreis, wie auch Kramnik, Anand und Karjakin (4.5/6) sowie Aronian, Giri, So und Grischuk (4/6).

Runde 7:

Zuerst zeige ich alle – nun ja, das Foto entstand wohl vor Rundenbeginn und die meisten Stühle sind noch unbesetzt. Naiditsch konnte MVL mit einem spekulativen, wohl nicht ganz korrekten Figurenopfer so verwirren, dass dieser mit einer Zugwiederholung einverstanden war. Nakamura, der sich zuvor über Xiongs vermeintlich leichte Paarungen mokiert hatte (er lästert ohnehin gern über Landsleute), erreichte gegen seinen jungen Landsmann eher weniger als nichts, aber es wurde remis. Kramnik erreichte gegen seinen jungen Landsmann Artemiev vielleicht etwas mehr als nichts, aber auch das wurde remis.

Zeit für ein paar Siege: Adams generell recht souverän gegen Gupta, wobei er einen halben Zug lang eine Qualität eingestellt hatte aber der Gegner sah es auch nicht. Giri mit Powerschach gegen Antipov, der wie Gupta kein gutes Turnierfinish hatte (nach 4.5/6 noch 0/3). Shirov-LQL wogte hin und her, bis Schwarz mit 36.-0-0 den entscheidenden Fehler machte. Ja, erst da rochierte er und es war falsch – zuvor war laut Engines 32.-0-0 die verpasste Chance, plötzlich besser zu stehen. Für Elisabeth Paehtz dann wieder ein entspanntes und ungefährdetes Schwarzremis gegen Gelfand.

Durch die Ergebnisse dieser Runde bekamen die glorreichen sechs (siehe zu Runde 6) Gesellschaft von Mickey Adams.

In Runde 8 fiel dann die Vorentscheidung im Turnier, und es gab aus deutscher Sicht gute und schlechte Nachrichten:

An Brett 1 trennten sich Vachier-Lagrave und Wang Hao remis. Ob das Ergebnis am nächsten Brett eine aus deutscher Sicht gute Nachricht war liegt daran, ob man Naiditsch noch als Deutschen betrachtet – jedenfalls gewann er gegen den nur von hinten sichtbaren Nakamura. Aus der Eröffnung heraus stand Naiditsch mit Weiß gut, dann opferte Nakamura drauflos um Verwirrung zu stiften. Tatsächlich war es dann wieder engine-ausgeglichen, einen halben Zug lang stand Nakamura gar besser, und am Ende verlor er doch.

Bei den nächsten entschiedenen Partien spielten Qualitäten eine Rolle:

Wojtaszek folgte bis zum 14. Zug einer Partie Gelfand-Adams aus dem Jahr 2008 und spekulierte darauf, dass Adams alte Theorie nicht parat haben würde – Volltreffer! Neuerung im 15. Zug und direkt der entscheidende gegnerische Fehler, der eine Qualität kostete und der Rest war Technik.

Sechs der sieben zuvor führenden Spieler hatten wir damit, der siebte Jeffery Xiong erreichte mit Schwarz gegen Kramnik nur – oder immerhin – ein Remis. Auch in der Gruppe mit zuvor 5/7 viele Remisen, eine Ausnahme war

Jones-Aronian 1-0! In einem Italiener spielte Aronian im 15. Zug nach 20 Minuten Nachdenken eine Fast-Neuerung – theoretisch bekannte Züge waren ihm vielleicht zu remislich, er sollte weniger bekommen. Im 21. Zug verwendete er weitere 24 Minuten, um sich von einer Qualität zu verabschieden. Jones fand das genaue und nötige 24.Kh1, konnte den schwarzen Angriff neutralisieren und wenig später die Damen tauschen, der Rest war Technik. Gawain Jones konnte nun eventuell noch geteilter Turniersieger werden, Aronian nicht mehr, seine Weltklasse-Kollegen die an den Brettern drumherum Remis spielten (bereits erwähnt Kramnik sowie Giri, Anand, Grischuk und Karjakin) auch nicht mehr.

Nigel Short hatte tags zuvor gegen Aronian verloren, nun bekam er einen leichteren Gegner (auch was Kilos betrifft). GM Short – IM Gukesh hatte eine Vorgeschichte: beim Bangkok Open hatte Short in jedenfalls klar besserer Stellung gegen den damals 11-jährigen Inder vergessen, die Uhr zu betätigen und überschritt die Bedenkzeit. Diesmal konnten beide eine Remisstellung remis halten. An den nächsten Brettern deutsche Spieler. Zu Keymer und Paehtz komme ich noch, Ilja Schneider übersah gegen Le Quang Liem ein taktisches Detail und verlor abrupt, genauso erging es Rasmus Svane weiter vorne gegen Santosh Vidit.

Dennis Wagner spielte dagegen ein turbulentes Remis gegen Emil Sutovsky, vom Gegner auf Facebook so kommentiert: “You can’t play Wagner in Israel. So I played him in IoM. GM Wagner, one of the strongest German young players. That was one of the most thrilling draws in my career. Excited, though it got me only half a point in a scoretable.” [Du kannst in Israel nicht Wagner spielen. Also auf der Isle of Man. GM Wagner, einer der stärksten jungen deutschen Spieler. Das war eines der spannendsten Remisen meiner Karriere. Aufregend, auch wenn es dafür nur einen halben Punkt gab.] Der zuerst erwähnte Wagner hat natürlich den Vornamen Richard, und Sutovsky ist bekennender Liebhaber klassischer Musik. Daniel Fridman hatte mit dem Inder Sundararajan einen relativ leichten Gegner und gewann mit Schwarz. Und nun die bereits nebenbei “fotografierten” deutschen Spieler:

Vincent Keymer traf auf Boris Gelfand, hier ist dessen Welt noch in Ordnung.

Und hier nicht mehr, wenig später Keymer-Gelfand 1-0! Was war passiert? Keymer hatte die Dame gegen Turm und Läufer geopfert, und dann ging es dem schwarzen König an den Kragen. Wie eingangs erwähnt: Bis zu diesem Zeitpunkt konnten sich deutsche Spieler nicht über Gelfand beschweren – zuvor eine ebenfalls schöne Niederlage gegen Svane und das bereits erwähnte Remis gegen Paehtz.

Gegen Tamir Nabaty war für Paehtz mehr als Remis drin, und dann wurde es weniger, da sie aus vielversprechender Stellung heraus Faden und Partie verlor. Mit einem durchaus möglichen Sieg hätte Paehtz sich wohl bereits eine GM-Norm gesichert und wäre auch voll im Rennen um den Damenpreis, so führte in dieser pfundigen (im Sinne von: es gibt £ dafür) Separatwertung eine bereits erwähnte Spielerin alleine:

Alina Kashlinskaya nach erstaunlich glattem Schwarzsieg gegen Jumabayev

Vor der letzten Runde hatten Naiditsch und Wojtaszek einen halben Punkt Vorsprung auf die Verfolger Xiong, Jones und Vachier-Lagrave.

Remis war naheliegend, und es wurde dann auch Remis – mit leichtem Knalleffekt: Naiditsch-Figurenopfer für Dauerschach. Was machten die Verfolger?

Xiong-Jones wurde auch Remis

Grischuk-MVL wurde nicht Remis, es gewann der aus Sicht der führenden Spieler richtige – Grischuk, der zuvor einen vollen Punkt Rückstand hatte. Najdorf-sizilianische Komplikationen bis ins Endspiel, dann bekam Weiß Oberwasser und gewann zum Schluss studienartig. So nur der geteilte zehnte Platz für den durchgehend oben mitspielenden Franzosen, und der geteilte dritte Platz für Grischuk, der zuvor nicht ganz vorne mitspielte.

Wang Hao knetete gegen Anand eine leicht bessere Stellung und musste sich dann mit Remis begnügen. Aus der nächsten Gruppe konnten sich drei Spieler verbessern:

Shirov-Kramnik gab es vor Jahren regelmässig, zuletzt eher sporadisch – 2016 in Zürich, 2015 und 2017 bei der russischen Mannschaftsmeisterschaft. Diesmal gewann Kramnik im Turmendspiel.

Die beiden anderen waren Nakamura mit Sieg gegen Eljanov und Adhiban mit Sieg gegen Adams, der sein Turnier so mit zwei Niederlagen beendete. Ob Nakamuras Endspiel (Turm, Springer und Bauer gegen Turm und zwei Bauern) objektiv gewonnen war, da bin ich überfragt – Eljanovs Fehler im 70. Zug beschleunigte das Ende jedenfalls. Adhiban hatte ebenfalls einen Mehrspringer, Adams dafür “im Prinzip” genug Bauern, auch hier dann ein abruptes Ende der Partie.

Kashlinskaya gewann nochmals, nun gegen US-Jungstar Sam Sevian. So konnte sie in der Damenwertung Kosteniuk auf Distanz halten. Und nun zu deutschen Spielern mit Normchancen:

Vincent Keymer brauchte noch ein Schwarzremis gegen Emil Sutovsky. Die Eröffnungswahl – Najdorf Bauernraubvariante – ist vielleicht weniger überraschend als es erscheint. Da gibt es viele forcierte Remisvarianten, vielleicht würde ja eine aufs Brett kommen? Bis zum 21. Zug blitzte Keymer und hatte so dank Inkrement mehr Bedenkzeit als bei Partiebeginn, während Sutovsky bereits gelegentlich pausiert hatte. Sutovskys 22. Zug war selten, nun musste Keymer auch nachdenken. Das Endspiel mit weisser Mehrqualität war bekannt und engine-objektiv ausgeglichen, aber am Ende war ein weisser c-Freibauer partieentscheidend.

Nach Tamir Nabaty war Sutovsky der zweite Israeli, der deutsche Titelnormen verhinderte. Keymer hatte vielleicht insgeheim gehofft, dass Sutovsky ein Remisabspiel zulassen würde – manche Spieler machen derlei um dem normjagenden Gegner einen Gefallen zu tun, aber “Pflicht” ist es nicht.

Elisabeth Paehtz hatte allerdings noch eine Normchance, ein Schwarzsieg gegen den Inder Raja Harshit wäre offenbar Punktlandung (TPR genau 2600).

Diese Partie wurde nicht live übertragen, zunächst war damit nur klar, dass sie lange dauerte und später erschien die Notation. Es begann vielversprechend – Paehtz gewann im 15. Zug einen Bauern. Wenn die Notation stimmt, hat sie dann im 22. Zug eine Figur eingestellt, aber der Gegner nahm sie nicht. So hatte Schwarz weiterhin Gewinnchancen, aber es verflachte zu einem Endspiel mit Türmen und ungleichfarbigen Läufern. Nach dem 34. Zug steht “Rest der Notation unlesbar”, und live erschien irgendwann das Ergebnis 1/2.

Georg Seul (zuvor Siege gegen Ganguly und Batsiashvili sowie Remisen gegen drei andere GMs) brauchte für eine GM-Norm einen Schwarzsieg gegen … Boris Gelfand. Für Gelfand der vierte deutsche Gegner nacheinander, aus Protest spielte er 1.g4 und gab nach fünf Zügen auf. Nein, so kam es nicht, so will man ja auch keine GM-Norm erzielen und Gelfand ist nicht der Typ für derlei Mätzchen. Offenbar konnte Seul im 23. Zug das gegnerische Bauernopfer annehmen, darauf verzichtete er und wurde ab hier überrollt – 1-0 nach 29 Zügen.

Soweit zum schachlichen Geschehen, der anschliessende Stichkampf zwischen Wojtaszek und Naiditsch war eher Lotterie – drei Weißsiege, im Armageddon hatte Wojtaszek Weiß. Noch atmosphärisch und dann die beiden Protagonisten:

Nigel Short erwähnte offenbar, dass Erwin l’Ami das ganze Turnier in seiner Nähe, d.h. an einem Nachbarbrett, verbrachte. Shorts Gegner Vishnu Prasanna ist amüsiert und machte danach kurzen Prozess mit dem Engländer – wie auch Erwin l’Ami mit seinem Gegner Simon Williams.

Alina war noch näher dran an Erwin. Selbst hatte sie ein eher mässiges Turnier, vielleicht hat sie nebenbei zu viel fotografiert?

Naiditsch bekam immerhin 37.500£ von Organisator Alan Ornsby

Die bekam Wojtaszek auch, außerdem 500£ Zugabe für den Sieg im Stichkampf und ein Mikrofon für die Siegerrede.

Wie geht es weiter? Was Spitzenschach betrifft: Wojtaszek, MVL und Giri spielen schon ab dem 4.11. ein doppelrundiges Turnier in China zusammen mit Ding Liren, Yu Yangyi und Vitiugov. Andere spielen ab dem 10. November Schnell- und Blitzschach in Wijk aan Zee Kolkata/Indien, Sponsor Tata Steel. Parallel beginnt auch ein stark besetzter Zweikampf in London – schon mehrfach erwähnt, hier nur der Hinweis dass beide Spielernamen mit Car beginnen.

Was GM-Normen betrifft: Bei Keymer ist die dritte wohl eher eine Frage der Zeit, vor seinem 14. Geburtstag am 15. November wird es aber wohl nicht klappen. Die andere Voraussetzung für den Titel neben drei Normen, Elo 2500+, hat er in diesem Turnier erreicht. Bei Paehtz könnte es mit der dritten Norm auch mal klappen, Elo 2500+ hatte sie ja bereits. Das hatte Georg Seul offenbar noch nie, jedenfalls nicht in diesem Jahrtausend – laut dieser (allerdings nicht immer akkuraten) Liste hat er auch noch keine GM-Normen. Alternativ könnte er (*1963) vielleicht Senioren-Weltmeister werden, das bedeutet auch automatisch den GM-Titel.

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