Jugend-Weltmeisterschaften insgesamt

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U16-Weltmeisterin Annmarie Muetsch wurde bereits ausgiebig gewürdigt – natürlich zu Recht, aber das war nur eines von sechs Turnieren in drei Altersklassen mal zwei Geschlechter. Ich versuche nun, zu allen sechs Turnieren etwas zu schreiben aus internationaler und deutscher Sicht. Auf Partien werde ich dabei nicht eingehen.

Ein Leitmotiv gab es: die an eins gesetzten Spieler(innen) wurden fast nie Weltmeister(innen) und bekamen auch nicht Silber oder Bronze, eine Ausnahme bestätigt da die Regel. Oft lag es an Niederlagen in der Schlussrunde. Übrigens war es Kontrastprogramm zu den Jugend-Weltmeisterschaften davor im Schnell- und Blitzschach, da gewannen fast durchgehend die Elofavoriten – aber diese Turniere werde ich nicht auch noch besprechen … .

Fotografiert hat Niki Riga. Das Fotoangebot auf der Turnierseite ist durchaus reichhaltig, aber vor allem Spieler individuell ohne dazugehörige Namen. Das ist für mich nicht allzu ergiebig, also zeige ich nur ein paar allgemeine Ansichten.

Und nun Turnier für Turnier:

Offenes Turnier U18IM Gazik 8.5/11, IM Janik, IM Gumularz, GM Moroni, IM Parvanyan, FM Agmanov 8, GM Shevchenko, IM Livaic 7.5, usw. – da fehlen noch einige Favoriten, z.B. kommt der an eins gesetzte GM Sarana erst nun – 7/11 und beste Wertung. Der Slowake Viktor Gazik gewann alleine, die anderen Medaillen (oder eben nicht) wurden nach Buchholz vergeben. Dem an fünf gesetzten Luca Moroni Jr., einer von sieben GMs und damit Mitfavorit, fehlte ein halber Buchholzpunkt zu Bronze und einer für Silber, beide Medaillen gingen an nominell schwächere Polen.

Dann kommt Ashot Parvanyan – der Name suggeriert es nicht unbedingt, aber er vertrat Deutschland und machte seine Sache gut. Nur gegen den späteren Weltmeister Gazik verlor er, wichtig war sein Sieg in der letzten Runde gegen den Russen IM Triaphishko. Elofavorit Sarana verlor dagegen zum Schluss gegen den Kasachen Agmanov. Andere Favoriten strauchelten ebenfalls: der Usbeke GM Nodirbek Abdusattorov, der sich etwas verirrt hatte (er war auch bei der U14 spielberechtigt), verlor zweimal gegen FMs, die erste Niederlage gleich zu Beginn und dadurch bei 7/11 relativ schlechte Wertung. Dramatisch verlief das Turnier für GM Lucas van Foreest: nach 5 Runden führte er alleine, aber in Runde 7-9 verlor er dreimal nacheinander. Am Ende zwar sehr gute Wertung, aber nur 6.5/11 und damit auch im Elosoll.

Offenes Turnier U16: IM Sargsyan 9/11, IM Matviishen 8.5, FM Petriashvili, IM Yakubboev, IM Kaasen, Engel 8, usw. . Medaillen für “die Sowjetunion” aber nicht für Russland (ein Armenier, ein Ukrainer mit Schachname und ein Georgier). Elofavorit war der Russe GM Esipenko, aber er verlor in der letzten Runde gegen Luis Teufel Engel, der zu Turnierende mit 3/3 aufdrehte. Für eine Medaille war die Wertung von Luis Engel bei weitem zu schlecht, eine IM-Norm wäre es, wenn er in 11 Runden gegen mindestens vier IMs (oder GMs) gespielt hätte – aber vor der letzten Runde hatte er nur FMs und zu Beginn zwei titellose Spieler.

David Faerber und Nikolas Wachinger vertraten ebenfalls die deutschen Farben und landeten im oberen Mittelfeld (Platz 38 und 53 von 120). Beide verloren dabei etwa 35 Elopunkte, nicht wegen zu vieler Remisen (jeweils eines in elf Runden) sondern wegen vier bzw. fünf Niederlagen – Faerber auch gegen nominell ihm klar unterlegene Spieler aus Sri Lanka und Südkorea.

Offenes Turnier U14: FM Gines Esteo, FM Kacharava 9/11, FM Nogerbek, FM Tsoi, FM Spyropoulos, FM Subelj, FM Suleymanli, FM Popov 8, usw. . Ob man sich diese Namen merken muss, wissen wir wohl in einigen Jahren? Nach Wertung (klar) vorne ein Spanier, dahinter die Sowjetunion und Südosteuropa (Griechenland und Slowenien).

Der dänische Elofavorit IM Jonas Bjerre machte es wie seine älteren Kollegen, oder auch nicht: er blieb ungeschlagen aber spielte zu oft Remis um vorne zu landen (Platz 10). Aus Deutschland landete Alexander Krastev auf Platz 11, mehr schien möglich aber zum Schluss verlor er gegen Gines Esteo – der an 25 gesetzte Spanier spielte durchgehend an den vordersten Brettern, hatte zwischenzeitlich bereits einen vollen Punkt Vorsprung aber verlor in der vorletzten Runde.

Neben Krastev vertraten auch Andrei Ioan Trifan und Tobias Morgenstern die deutschen Farben, beide am Ende klar im Elosoll.

Mädels U18, nun kommt die Ausnahme: WIM Shuvalova 10/11, WGM Obolentseva, WIM Injac, WIM Tejaswini, WIM Dimitrova 8, WFM Arpita, WFM Tarini, WIM Sliwicka 7.5, usw. . Polina Shuvalova war an eins gesetzt und wurde souverän Erste. Unter den genannten Spielerinnen zwei weitere Russinnen und (neu in diesem Bericht) drei Inderinnen. Aus Deutschland hat Inken Koehler mitgespielt, landete an 44 gesetzt auf Platz 52 und gewann dabei 42 Elopunkte. Da kann man nicht meckern, wobei die beste Nachricht aus deutscher Sicht nun kommt:

Beliebtes Fotomotiv der Simultan-Händedruck vor einer Runde – die jungen Damen waren dabei alle pünktlich zur Runde erschienen.

Mädels U16: Muetsch, WFM Kocharska 8.5/11, Sanskriti 8, WFM Srdanovic, WFM Beydullayeva, WFM Makhija, Berdnyk, WFM Rudzinska, WFM Cervantes, WFM Schulze, WFM Serikbay 7.5, usw. . Annmarie Muetsch war an drei gesetzt und wurde Weltmeisterin, trotz einer Niederlage bereits in Runde 2 gegen die auch danach erfolgreiche Serbin Jovana Srdanovic, die nach neun Runden führte aber ihre letzten beiden Partien verlor. Danach punktete Muetsch fleissig, auch in den beiden letzten Runden. Lara Schulze mit (bis auf Runde 11) remisfreiem und auch gutem Turnier, die dritte deutsche Teilnehmerin Jacqueline Kobald musste sich dagegen von 120 Elopunkten verabschieden.

Aleksandra Maltsevskaya war bei der Juniorinnen-WM nicht an eins gesetzt und gewann, nun war sie an eins gesetzt und landete auf Platz 13 – schuld waren zwei abschliessende Niederlagen gegen Muetsch und Kocharska. Ihre an zwei gesetzte Landsfrau Elizaveta Solozhenkina hatte ebenfalls 7/11 und wurde dank etwas besserer Wertung Zwölfte.

Hier noch besser als auf einem Foto zuvor erkennbar: Jungens und Mädels waren, wie jedenfalls früher in Jugendherbergen, sauber voneinander getrennt.

Mädels U14: Ning Kayu 9/11, WCM Song Yuxin, WIM Divya 8.5, Hrebenshchykova 8, WCM Jyothsna, WCM Garifullina, WCM Mrudul, WFM Eizaguerri, WFM Stepanyan, WIM Zhu, WFM Lehaci, WCM Krasteva, Behzad, Wikar 7.5, usw. – so viele teils komplizierte Namen, und die recht klare Elofavoritin Nazerke Nurgali aus Kasachstan fehlt immer noch. Vorne Doppelchina, danach Indien auch recht zahlreich (dreimal) vertreten.

Nurgali beendete ihr Turnier mit 2/2, aber hatte zuvor dreimal nacheinander verloren – insgesamt kostete es 77 Elopunkte, wenn das Turnier nun nochmals ausgetragen würde wäre sie nicht mehr die Elofavoritin. Aus Deutschland Antonia Ziegenfuss mit wechselhaftem Turnier und am Ende einem zu Elozahl und Platz in der Setzliste passenden Ergebnis (Elo -3.6, an 25 gesetzt Platz 27). Sophia Brunner und Jana Bardorz blieben dagegen unter ihren nominellen Möglichkeiten.

Noch ein paar Statistiken: die meisten Teilnehmerinnen mit 39 aus Griechenland (Austragungsort), dann Russland (31), die USA (29), Spanien (27) und Indien (25). So viele aus Spanien ist für mich etwas überraschend, ebenso immerhin 9 aus dem kleinen Sri Lanka. Insgesamt waren 79 Länder vertreten – von Albanien bis Wales bzw. nach dem deutschen Alphabet Zypern (auf Englisch Cyprus). Die USA bei derlei Turnieren oft mit grosser Delegation, diesmal dabei mit null Medaillen und auch nur zwei Plätzen unter den besten zehn. Die meisten Medaillen bekam Polen (zweimal Silber, einmal Bronze), oben in der Liste stehen allerdings Russland und China mit jeweils Gold plus Silber. Indien hat nur zwei Bronzemedaillen abbekommen, aber landete immerhin neunmal unter den besten zehn.

Wie geht es weiter? Nun, die Spieler und Spielerinnen können und müssen selbst (bzw. zusammen mit Eltern und/oder Trainern) entscheiden, bei welchen vermutlich vor allem offenen Turnieren sie wieder am Brett sitzen.

TurnierseiteResultate

 

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