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Emanuel Lasker – Zeichnung: NETTE ROBINSON ART – http://netterobinson-art.co.uk/chess/4569622642

Von Stefan Löffler – Bis 1921 muss man zurückgehen, seit letztmals ein Deutscher um die Schachweltmeisterschaft spielte. Emanuel Lasker stellte sich in Havanna seinem damals schon übermächtigen kubanischen Herausforderer José Raul Capablanca. Ein paar Jahre zuvor, 1908, gab es sogar ein deutsches WM-Duell zwischen Emanuel Lasker und Siegbert Tarrasch, das sie teils in Düsseldorf, teils in München austrugen. Weil der Geburtstag des einzigen kanonisierten deutschen Weltmeisters 150 Jahre zurückliegt, hat ihm der Deutsche Schachbund unter seinem vorigen Präsidenten und mit Segen des Weltschachbunds dieses Jahr gewidmet.

Die Veranstaltungen und Veröffentlichungen nehmen schier kein Ende. Dutzende Vereine organisieren Veranstaltungen zum „Lasker-Tag des Schachs“. Auf der Website des Schachbunds kann man jeden Monat ein Lasker-Quiz lösen. Gleich 16 Preise verleiht die Emanuel-Lasker-Gesellschaft im Lauf des Jahres, um sich und ihren Namensgeber im Gespräch zu halten. Selbst Teilnehmer von Jugendmeisterschaften werden mit Vorträgen beglückt.

Eine verlässliche Lasker-Biografie gibt es zwar immer noch nicht, doch die Lasker-Forschung blüht. Vor wenigen Tagen ist der erste von drei Bänden eines englischsprachigen Sammelwerks (Michael Negele, Richard Forster, Raj Tischbierek: Emanuel Lasker, Volume 1 – Struggle and Victories, Exzelsior Verlag, € 65) erschienen. 2019 und 2020 sollen zwei weitere Bände folgen. Im gleichen Verlag hatte ein ähnliches Herausgeberteam 2009 das ziegelschwere, längst vergriffene „Emanuel Lasker – Denker, Weltenbürger, Schachweltmeister“ vorgelegt.

Bei allem Rummel um Lasker ist ein anderes Jubiläum nahezu völlig untergegangen. Auch der vor 200 Jahren geborene Adolf Anderssen galt zeitweise als stärkster Spieler der Welt. Der Deutsche Schachbund müsste dem Breslauer Mathematiklehrer eigentlich besonders verbunden sein. 1877 wurde er anlässlich eines Fests zu Anderssens fünfzigjährigem Schachjubiläum gegründet. Nach ihm benannt haben sich ähnlich viele deutsche Schachvereine wie nach Lasker. Seine Opferorgien 1851 gegen Kieseritzky („Die Unsterbliche“) und 1852 gegen Dufresne („Die Immergrüne“) zählen zu den bekanntesten Schachpartien, die je gespielt wurden. Anderssen fehlt allerdings der Nimbus des Weltmeistertitels. Der wurde erst 1886 von Wilhelm Steinitz und Ludwig Zukertort reklamiert, um ihren Wettkampf zu vermarkten.

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