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Geografisch auf Umwegen, aber so passt es alfabetisch – schade eigentlich, dass Aachen beim ersten Bundesliga-Wochenende kein Heimrecht hat. Das wird eine Vorschau darauf, wo Spieler mit Elo über 2700 – darunter auch die derzeit vier mit über 2800 – und auch noch einige andere im November aktiv sind. Schauplätze sind der Reihe nach Shenzhen in China (4.-14.11.), Kolkata in Indien (9.-14.11.), London (9.-26.11., eventuell früher oder auch später vorbei), Dresden/München/Mülheim/Kiel (10. und 11.11.) und auch noch Zagreb (12.-23.11.). Beim ersten Bundesliga-Wochenende ist bisher nur bekannt, wer nicht mitspielen wird.

Alle Spieler, die ihren deutschen Vereinen nicht zur Verfügung stehen, sind dabei wohl nicht öffentlich bekannt. Klar ist, dass Caruana einen Termin in London hat – Carlsen auch, aber der spielt seit Jahren nicht mehr Bundesliga und wurde irgendwann aus dem Baden-Badener Kader gestrichen. Relativ klar ist wohl auch, dass Rustam Kasimdzhanov bzw. PH Nielsen dem einen bzw. dem anderen helfen werden. Wer sonst noch zu den jeweiligen Teams gehört erfahren wir allerdings wohl – wenn überhaupt – erst nach dem WM-Match. Spätestens während dem Match werden wir dagegen erfahren, wer das Geschehen hier oder da kommentiert.

Viel mehr schreibe ich nun nicht zum WM-Match. Hier und da wurde erwähnt, dass erstmals seit 1990 (letztes Match Kasparov-Karpov) in diesem Rahmen die Nummer 1 der Weltrangliste auf die Nummer 2 treffen wird. Stimmt formal, wobei zwischendrin viele Jahre WM-Chaos war und es zweimal fast Nummer 1 gegen Nummer 2 war. Vor dem Match 2000 gegen Kasparov, Austragungsort London, war Kramnik Nummer drei zwei Pünktchen hinter Anand und 77 Punkte hinter Kasparov – der trotzdem verlor. Für Nummer eins gegen Nummer zwei begann dieses Match einige Tage zu spät am 8. Oktober – in der Oktoberliste war Kramnik Nummer 3, in der Liste zuvor (7/2000) war er noch Nummer 2. Ähnlich knapp war es auch bei Kramniks bisher(?) letztem WM-Match im Oktober 2008 in Bonn gegen Anand. Da traf die Nummer 5 auf die Nummer 6, einen Monat zuvor wäre es noch Nummer 1 gegen Nummer 3 gewesen – Anand vorne, Kramnik punktgleich mit Morozevich bei weniger (bzw. keinen) gespielten Partien im vorangegangenen Wertungszeitraum.

Neu ist allerdings, dass die Elolücke zwischen Carlsen und Caruana so klein ist (3 Punkte), dass der Status “Nummer 1 in der Live-Weltrangliste” während dem Match fast täglich wechseln könnte – falls Caruana in Führung geht, Carlsen ausgleicht, Caruana wieder gewinnen sollte, …. . Ein anderes Szenario ist: zwölfmal Remis und dann Stichkampf. Das werden wir dann während dem Match erfahren.

Und nun zu den anderen Turnieren, die vielleicht nicht jeder auf der Rechnung hat – vor allem Zagreb ist ein Geheimtip. Aber zuerst Shenzhen und zuerst das Titelbild: Yu Yangyi ist seit mittlerweile anderthalb Jahren top20, mittlerweile Nummer 12 und bekommt trotzdem keine hochkarätigen Einladungen im Ausland – die gehen an Ding Liren (noch besser), Wei Yi (noch jünger) und/oder Hou Yifan (weiblich!!!). Das Foto stammt vom Danzhou Super-GM 2017, da und auch in Shenzhen durfte er bereits mitspielen, China ermöglichte ihm auch Matches gegen Grischuk und Svidler. Seine grössten Erfolge hatte er in starken Opens: einmal Sieg in Katar, zweimal – nochmals Katar sowie Gibraltar – immerhin ein (verlorener) Stichkampf um den Turniersieg. Nun das komplette Teilnehmerfeld: Ding Liren, Vachier-Lagrave, Giri, Yu Yangyi, Wojtaszek, Vitiugov. Diese sechs spielen doppelrundig bei offenbar einem Ruhetag, 2700chess.com nennt diese ziemlich chinesische Turnierseite.

Weiter nach Kolkata zu Tata Steel Chess India 2018 – dazu gibt es einen Pressebericht mit obigem Foto und auch eine Turnierseite. Tata Steel Chess hiess bisher Januar in Wijk aan Zee, das bleibt auch und Turnierdirektor Jeroen van den Berg wird aus den Niederlanden eingeflogen. Sie schämen sich offenbar etwas dafür, dass in Kolkata Schnell- und Blitzschach gespielt wird und erwähnen es nur klein links unten auf dem Logo. Zeitkontrolle ist im Schnellschach 25 Minuten mit 10 Sekunden Inkrement, am 9.-11.11. werden jeweils drei Runden gespielt. Im Blitzschach ist die Zeitkontrolle 5 Minuten plus 3 Sekunden Inkrement, am 13. und 14.11. jeweils neun Runden.

Der Leser vermutet richtig, dass demnach zehn Spieler einrundig Schnellschach spielen und doppelrundig blitzen werden, und zwar Nakamura, So, Aronian, Mamedyarov, Karjakin (nach aktueller Schnellschach-Elo sortiert) und fünf Inder: Anand, Harikrishna, Vidit, Ganguly, Praggnanandhaa und Nihal Sarin. Moment mal, das sind doch elf Namen?

Von den Jungstars spielt Nihal Sarin (links) nur das Schnellturnier, und Praggnanandhaa (rechts) nur das Blitzturnier – Foto Lennart Ootes, Quelle das Pressekit auf der Turnierseite. Ganguly ist wohl dabei, da er Lokalmatador aus Kolkata ist.

Noch kurz zum anderen Tata Steel Schachturnier im Januar 2019 in Wijk aan Zee: Drei Teilnehmer der A-Gruppe sind bereits bekannt, da sie das in Hoogeveen verraten haben: Jorden van Foreest, Vladimir Fedoseev und Sam Shankland. Dazu kommen sicher noch Spieler mit Elo 2750 oder mehr, aber Namen verrät bisher weder Wijk aan Zee noch die Konkurrenz aus Gibraltar. Wer (auf eigene Kosten und ohne Konditionen) selbst mitspielen will: Man kann sich für die Amateurturniere anmelden, die Liste ist dabei offenbar schon ziemlich voll.

Hoogeveen hatte ich vernachlässigt und reiche nur die Ergebnisse nach: In den Matches gewann Svidler 3.5-2.5 gegen Shankland sowie Fedoseev nach Blitz-Stichkampf (alle sechs Partien mit klassischer Bedenkzeit remis) gegen Jorden van Foreest. Sieger im Open war der Ägypter Bassem Amin.

Und schon sind wir quasi in Zagreb: 2700chess.com hat das “Turnir mira” entdeckt und Bassem Amin, nach guten Ergebnissen in Hoogeveen und zuvor bei der Olympiade erster Afrikaner mit Elo über 2700 (zweimal hatte er zuvor bereits genau 2700, nun hat er 2709), ist einer der Teilnehmer. Alle zwölf sind auf der Turnierseite so sortiert: Saric, Ivanchuk, Bacrot, Malakhov, Cheparinov, Adhiban, Amin, Palac, Zelcic, Kozul, Stevic, Jobanovic. Also sechs Kroaten und sechs Ausländer. Ivanchuk, Cheparinov und Amin haben aktuell Elo über 2700, Bacrot und Malakhov hatten es bereits mal. Baskaran Adhiban ist immer ein Farbtupfer, Ivan Saric will vielleicht in diesem Turnier Elo 2700 knacken (acht Punkte fehlen derzeit), die anderen Kroaten sollten “normalerweise” in der zweiten Tabellenhälfte landen.

Was das alles für das erste Bundesliga-Wochenende bedeutet, wird sich herausstellen. Baden-Baden wird auf jeden Fall ohne sechs spielen (Caruana, MVL, Anand, Aronian, Wojtaszek, Kasimdzhanov). Ob Bacrot es schafft, am Wochenende in Mülheim zu spielen und ab Montag in Zagreb, muss er selbst entscheiden. Wenn weitere fehlen sollten – Svidler und Gustafsson, weil sie für chess24 das WM-Match kommentieren, Hou Yifan weil sie zwar im Kader ist aber gar nicht spielt (so war es letzte Saison, ab wann hat sie eine kürzere Anreise ab Oxford?) – wird es knapp und beide Juniorenbretter müssen ran. Und wenn noch einer verhindert sein sollte, seinen Flieger verpasst, … sitzen für Baden-Baden nur sieben Spieler an den Brettern. PH Nielsen haben sie vorsorglich bereits an Deizisau abgegeben, er ist ja vermutlich auch verhindert.

Bei Solingen werden Giri, Harikrishna, Ganguly und (wenn er Giri in China sekundiert) Erwin l’Ami fehlen – vier der ersten sechs Bretter, und sie haben keine vergleichbare Ersatzbank. Bei Hockenheim fehlt auf jeden Fall Vitiugov, vielleicht auch Cheparinov und Saric – wobei sie gegen die Abstiegskandidaten aus München und Augsburg wohl ohnehin nicht alle ausländischen Großmeister brauchen. Aufsteiger und Hockenheimer Reisepartner Viernheim wird wohl nicht wieder absteigen und kann das Fehlen von Mamedyarov, eventuell Malakhov und Amin, verkraften.

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