ROBERT HÜBNER WIRD 70 – WIR GRATULIEREN!

  • 45
    Shares

Robert Hübner ist zweifellos der herausragende deutsche Schachspieler der Nachkriegszeit. Heute feiert die nach Emanuel Lasker und Siegbert Tarrasch größte deutsche Schachlegende seinen 70. Geburtstag. Der Deutsche Schachbund und ganz Schachdeutschland gratulieren!

GM Robert Hübner (Stefan 64)

Als 1969 die ersten noch inoffiziellen Elo-Listen der FIDE erschienen, war der Jubilar gerade erst 20 Jahre alt, konnte aber bereits eine stolze Elo von 2490 vorweisen. Damit lag er damals, als Elo-Zahlen noch sehr jungfräulich waren und auch eine 2490 etwas bedeutete, auf dem geteilten 75. Platz der Weltrangliste. Doch damit war noch nicht Schluß. Im Januar 1971 gehörte er erstmals zur Top-20 in der Welt und war mit 2590 knapp vor Wolfgang Uhlmann bester Deutscher. Die absolute Weltspitze war in Reichweite. Gleichzeitig wurde er der bis dahin jüngste deutscher Großmeister und spielte sogar im Viertelfinale der WM-Kandidatenkämpfe, wo er allerdings gegen Exweltmeister Tigran Petrosjan unterlag.

Sein zweiter Anlauf auf die WM-Krone begann beim Interzonenturnier 1979 in Rio de Janeiro. Er siegte vor den punktgleichen Lajos Portisch und Tigran Petrosjan. Das bedeutete die erneute Qualifikation für die Kandidatenkämpfe. Schach erreichte durch Hübners Erfolge eine sehr gute Medienpräsenz. Der SPIEGEL interessierte sich nach der Qualifikation für Robert Hübner. “Acht Kandidaten gehen ins Rennen, der Kölner Hübner hält „alle oder keinen“ für favorisiert” stand in der Ausgabe vom 12. November 1979 (Link unten).
Es fing auch sehr gut an. Im Viertel- und Halbfinale besiegte er die beiden Ungarn András Adorján und Portisch, womit er im Kandidatenfinale gegen Viktor Kortschnoi stand. 1980 in Meran führte er gegen den in der Schweiz lebenden Exil-Russen nach 6 von 16 Partien mit 2:1. Nach tragischen Niederlagen in der siebten und achten Partie  brach er den Wettkampf ab. Statt Hübner spielte nun Kortschnoi um die Weltmeisterschaft gegen Titelverteidiger Anatoli Karpow. Karpow gewann bekanntlich.

Es war die schachlich erfolgreichste Zeit von Robert Hübner. Im Januar 1981 teilte er sich bereits Platz 4 mit Boris Spasski in der Weltrangliste. Nur noch Karpow, Portisch und Kortschnoi lagen vor ihm. Ein halbes Jahr später hatte er Spasski abgeschüttelt und Portisch überholt. Karpow (2700) und Kortschnoi (2695) waren mit ihren hohen Elo-Zahlen das Maß aller Dinge. Hübner lag mit 2640 allein auf Platz drei.

In den nächsten Jahren unternahm Hübner noch zwei weitere Anläufe auf die Weltmeisterschaft. 1983 beendete eine Roulette-Kugel seine WM-Träume: Im Achtelfinale hatte Exweltmeister Wassili Smyslow beim Endstand von 7:7 bei dieser “Lotterie” mehr Glück. 1991 schied er im Achtelfinale gegen Jan Timman aus.

Robert Hübner hat weitreichende Spuren in der Schachwelt hinterlassen. Er hat unheimlich viel für die Popularität unseres schönen Sports getan. Und das trotz seiner Berufung als promovierter Papyrologe an der Universität Trier. Stellvertretend für sein Schaffen blicken wir auf drei Turniere aus seiner Laufbahn zurück.

INTERNATIONALES TURNIER BÜSUM 1968

Das Turnier war eines der ersten internationalen Schachturniere in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde auch eines der prägenden Turniere im Leben von Robert Hübner. Als 19-jähriger Titelloser konnte er viele bekannte Großmeister und Internationale Meister hinter sich lassen. In seinem 2018 in der Edition Marco erschienenen Buch “Büsum 1968: Erinnerungen von Robert Hübner” blickt er gewohnt akribisch auf das Turnier im kleinen aber bekannten Ferien- und Kurort an der Nordseeküste zurück. Johannes Fischer hat das Werk Hübners passend zum Geburtstag eines weiteren bekannten deutschen Großmeisters auf ChessBase am 20. September 2018 vorgestellt. Hübner widmet diesem Großmeister – Fritz Sämisch – ein ganzes Kapitel. Die lebende Schachlegende Sämisch war in Büsum bereits 71 Jahre alt. Sämisch landete abgeschlagen auf dem letzten Platz, was aber wohl nicht nur seinem Alter geschuldet war. Er war bekannt dafür, seine Bedenkzeitreserven über alle Maßen auszuschöpfen und deshalb oft nach Zeit zu verlieren. Ein Jahr nach Büsum verlor er in Linköping (Schweden) alle 13 Partien durch Zeitüberschreitung!

Pl. Name Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1 Robert Hübner 11 x ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 1 ½ 1 1 1 1
2 GM Georgi Petrov Tringov 10,5 ½ x ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 ½ ½ 1 1 1
3 GM Bruno Parma 9 ½ ½ x ½ ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 ½ 1 ½ ½ 1
4 Atanas Stefanov Kolarov 9 ½ ½ ½ x ½ ½ ½ ½ 1 ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1
5 GM Arturo Pomar Salamanca 9 ½ 0 ½ ½ x ½ ½ 1 ½ ½ ½ 1 1 ½ ½ 1
6 IM Hans-Joachim Hecht 9 ½ ½ ½ ½ ½ x ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 1 ½ 1
7 GM Alberic O’Kelly de Galway 9 ½ ½ ½ ½ ½ ½ x ½ ½ ½ ½ ½ ½ 1 1 1
8 GM Jan Hein Donner 8 0 0 1 ½ 0 ½ ½ x 0 ½ ½ ½ 1 1 1 1
9 Hans Besser 7,5 ½ ½ ½ 0 ½ ½ ½ 1 x 0 0 1 ½ ½ ½ 1
10 Borge Andersen 7,5 0 ½ 0 ½ ½ 1 ½ ½ 1 x ½ ½ ½ ½ 0 1
11 GM Mato Damjanovic 6,5 0 0 0 0 ½ ½ ½ ½ 1 ½ x ½ ½ ½ ½ 1
12 Georg Pollak 6 ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ ½ 0 ½ ½ x ½ ½ 1 0
13 IM Dieter Mohrlok 6 0 ½ 0 ½ 0 0 ½ 0 ½ ½ ½ ½ x 1 ½ 1
14 IM Vojko Musil 5,5 0 0 ½ ½ ½ 0 0 0 ½ ½ ½ ½ 0 x 1 1
15 IM Antonio Angel Medina Garcia 5 0 0 ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ 1 ½ 0 ½ 0 x ½
16 GM Friedrich Sämisch 1,5 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 ½ x

Hübners Partie gegen Jan Hein (eigentlich Johannes Hendrik) Donner ist verbunden mit einer netten Anekdote:

Weiterlesen auf der Seite des DSB

Lesen Sie auch einen interessanten Beitrag der am 12.11.1979 im Spiegel stand: Weltmeister-Kandidat Hübner: Jetzt oder nie

Print Friendly, PDF & Email

  • 45
    Shares

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.