IM Stefan Löffler – Man hörte Stimmen, die forderten, dass die Spieler „mehr riskieren“ müssten. Es ist jedoch nicht das Ziel der Teilnehmer an der Weltmeisterschaft, die Zuschauer möglichst wirksam zu unterhalten; sie sind damit befasst, das bestmögliche Resultat zu erzielen. Es scheint mir ein seltsamer Widerspruch, dass man einerseits Forderungen an die inhaltliche Gestaltung der Partien stellt – sie sollen „spannend“ sein – andererseits dem Wettkampfelement höchste Bedeutung beimisst. Wenn das Ergebnis das Wichtigste ist, muss man es den Spielern überlassen, wie sie ihr Ziel anzustreben gedenken; sie werden dies am besten wissen. Mit seiner scharfen Gangart in der achten Partie hat Caruana das Publikum sicher erfreut. Als er einen fühlbaren Vorteil hatte, spielte er zu zahm. Die richtige Angriffsfortsetzung war jedoch nicht einfach zu finden.

 

Zwischen der zweiten und sechsten Partien wurden stets früh die Damen getauscht. Das technische Verfahren beider Seiten stand dabei auf sehr hohem Niveau, wobei mich Caruana noch etwas mehr beeindruckte – vielleicht, weil ich diesem Aspekt seines Spielens zuvor nicht viel Aufmerksamkeit schenkte. In technischen Stellungen lastet auf den Spielern ein dauernder, gleichmäßig verteilter Druck. Auch wenn ein kleiner Fehltritt das Gleichgewicht noch nicht entscheidend stört, kann eine Folge beinahe unmerklicher Ungenauigkeiten in große Schwierigkeiten führen. Im taktischen Scharmützel dagegen kommt es zu Momenten höchster Erregung, wie wir in der ersten Partie und nun in der achten Partie (hier nachspielbar) zu sehen bekamen.

Fabiano Caruana – Magnus Carlsen

Achte WM-Partie, Sizilianisch

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