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WGM Zoya Schleining

Als Reaktion auf mein Interview haben Teamkapitän Jonathan Carlstedt sowie die Spielerinnen Elisabeth Pähtz, Sarah Hoolt und Judith Fuchs eine Stellungnahme veröffentlicht, die ich in einigen Punkten nicht so stehen lassen kann und möchte.

Wir haben gehofft und wünschen uns weiterhin, dass die Olympiade intern
und basierend auf den Tatsachen aufgearbeitet wird. Das Interview von Zoya
Schleining und die entstandenen Emotionen würden wir verstehen, hätten die
von ihr angeführten Abläufe der Ereignisse und ihre Version der Handlungen
einzelner Mitglieder der Mannschaft etwas mit der Wirklichkeit zu tun.“

Hierzu stellt sich mir zunächst die Frage, wenn es anders gewesen sein soll als ich es geschrieben habe (auch in meiner E-Mail vom 01.10), wieso wurde ich dann nicht in die Diskussion zu meinem „Nichteinsetzen“ mit einbezogen und dies ausschließlich in meiner Abwesenheit geschehen ist und geschieht. Anderslautende Kenntnisse habe ich dazu nicht.

Ich hatte zwar nach Beendigung der Olympiade Gespräche mit Dorian Rogozenco und Andreas Jagodzinsky geführt, aber keine Stellungsnahme von den Beiden erhalten, außer dass sie sich zu dem Vorfall als „unangenehm“ geäußert haben.

„Zum großen Teil basiert das Interview jedoch auf Unwahrheiten, somit weisen
wir Zoyas vorgebrachten Darstellungen zurück. Exemplarisch wollen wir
einige Beispiele nennen, die zeigen, dass das Interview in vielen Punkten
nicht die Tatsachen abbildet und in vielen Punkten wichtigen Kontext
weglässt:“

Zunächst einmal möchte ich die Unterstellung, dass meine Aussagen unwahr wären, zurückweisen. Es ist aber meiner Ansicht nach für jeden nachvollziehbar, dass in einem Interview nicht der gesamte Zeitablauf eines solch großen Turniers abgebildet werden kann. Daher habe ich mich ausdrücklich auf die Punkte bezogen, die mich persönlich betroffen haben und meines Erachtens ursächlich dafür waren, wie es letztlich zum bekannten Ablauf gekommen ist. Im Interview mit Raymund Stolze habe ich auch bereits gesagt, dass ich es mir gewünscht hätte, wenn alles klar und deutlich kommuniziert worden wäre, auch in der Öffentlichkeit. Daher bin ich gerne bereit, die von mir nicht angesprochenen Punkte zu diskutieren und meine Meinung oder meine Wahrnehmung dazu zu äußern.

Desweiteren habe ich den Eindruck gewonnen, dass meine Antworten auf die Fragen von Raymund Stolze zum größten Teil unbeachtet geblieben sind und einige Aussagen von Kapitän und und den drei Spielerinnen sich nicht auf sie, sondern auf Kommentare zu meinem Interview beziehen.

Es bleiben viele Fragen offen, dazu siehe auch den Kommentar von Raymund Stolze.

„Judith wurde nicht wie Sarah und Filiz nominiert, sondern erspielte sich in
einem Stichkampf gegen Jana Schneider den Platz. Wir weisen die Existenz
einer „Hamburg-Connection“ zurück.“

Den erwähnten Begriff „Hamburger-Connection“ habe ich nicht geprägt. Daher sollte ich nicht für seine Verwendung verantwortlich gemacht werden.
Zudem habe ich angegeben, dass es grundsätzlich üblich ist, die Nominierung nach der Spielstärke vorzunehmen. Ich habe lediglich festgestellt, dass es nicht eindeutig war, wonach die Nominierung vorgenommen wurde, jedoch war festzustellen, dass drei Spielerinnen des gleichen Vereins aufgestellt wurden. Dies war zunächst keine Wertung, sondern lediglich eine den Tatsachen entsprechende Feststellung.

Den Stichkampf von Judith Fuchs und Jana Schneider zu erwähnen hielt ich für verzichtbar, weil ich der Auffassung war, dass dies allgemein bekannt ist. Nicht erwähnt hatte ich zudem die Kaderaufstellung von Dezember 2017. Hierbei wurden Judith mit einer ELO-Zahl von 2276 und Filiz mit einer ELO-Zahl von 2243 in die Kaderliste aufgenommen. Auch hier setzte ich voraus, dass dies allgemein bekannt ist (siehe dazu auch die Offenen Briefe von Marta Michna und Zoya Schleining). Und ich habe ebenfalls nicht erwähnt, dass unser Eröffnungstrainer Jonas Lampert ebenfalls dem Aufgebot des Hamburger SK angehört..

„Elisabeth hat nur in genehmigten Ausnahmefällen (wie der bitteren
Niederlage gegen Georgien 2) nicht an Besprechungen teilgenommen.
Ansonsten hat sie sich als Deutsche Nummer 1 in die Mannschaft eingebracht und den Team-Zusammenhalt gefördert.“

Dazu habe ich einen Kommentar von Elisabeth gesehen und muss deshalb die Gegenfrage stellen: Weshalb sollte meine Aussage nicht der Wahrheit entsprechen?

Ausschnitt aus dem Kommenar von Elisabeth: „…..Zoyas Sicht der Dinge war für mich nicht akzeptabel und genau aus diesem Grund kam ich mitunter erst dann, als die offizielle Sitzung bereits zu Ende war.”

Noch eine Gegenfrage: Gab es auch inofizielle Sitzungen? Wenn ja, dann wie oft? Schließlich wurde ich in meiner Abwesentheit „schuldig” gesprochen!

„Zoya ist mehrfach nicht zu gemeinsamen Abendessen im Vorlauf der
Olympiade erschienen. Dies wurde geduldet, mit dem Hinweis, dass diese
Abendessen zur Stärkung des Teamgeistes dienen. Durch ihre Abwesenheit
ist der Konflikt um das Match gegen Schweden erst entstanden.“

Es ist richtig, dass ich mit Bedacht auf eine gesündere Ernährung das Abendessen mehrmals ausgelassen habe. Dies hielt ich aber für tragbar, da wir während des Lehrganges meistens den ganzen Tag inkl. des Mittagsessens zusammen verbracht haben. Darüber hinaus war es allerdings vorgeschrieben, dass während der Olympiade die Spielerinnen und Spieler, die Ihre Partien bereits beendet hatten, die Spielhalle sofort verlassen mussten. So ergab sich letztlich zwangsläufig, dass das Abendessen der Spielerinnen zu verschiedenen Zeiten erfolgte.

Was den Lehrgang betrifft, habe ich es in Erinnerung, dass ich nicht die Einzige war, die nicht zwei Mal pro Tag das Restaurant aufgesucht hat. Der Hinweis auf Duldung und besondere Wichtigkeit für die Stärkung des Teamgeistes ist für mich daher eine komplett neue Erkenntnis. Es war in der Regel so, dass einfach abgestimmt wurde, wer Hunger hat und wer nicht. Ich bin wirklich verwundert, wenn dies tatsächlich die Stellungnahme des Kapitäns zu dem Konflikt um das Match gegen Schweden sein sollte. Denn wenn dies so wäre, ist daraus ja zu schließen, dass alles nur davon abhängig war, ob ich an dem entsprechenden Abend Hunger verspürt hätte oder nicht. Die Frage ist gestattet: Bei einem Aufsuchen des Restaurants in hungrigem Zustand hätte alles in Ordnung sein sollen? Dies ist bei der Brisanz des Themas für mich sehr schwer vorstellbar.

„Gegen Sri Lanka setzte Zoya freiwillig aus, um nicht wieder mit Schwarz
spielen zu müssen.“

Vor dem Spiel gegen Sri Lanka hat mir Jonathan angeboten, trotz meiner bitteren Niederlage am gleichen Tag, entweder die dritte Partie in Folge mit den schwarzen Steinen zu spielen oder auszusetzen. Gleichzeitig versprach er mir bei einem Aussetzen, dass ich am nächsten Tag auf jeden Fall mit Weiß spielen würde. Ich war dabei von einem Sieg unserer Mannschaft gegen Sri Lanka in beliebiger Mannschaftsaufstellung absolut überzeugt und habe mich daher für das Aussetzen entschieden.

„Zoya hat in Schrift und in Wort zum Ausdruck gebracht, dass sie sich weigern
würde, mit Schwarz gegen Russland zu spielen. Das ist ein grober Verstoß
gegen den Gedanken eines Mannschaftssports.“

Die Aussage ist so keineswegs richtig .Ich habe Jonathan lediglich an sein mir gegebenes Versprechen erinnert und dazu meine Meinung geäußert. Ich habe es zudem auch für wichtig gehalten, in der Bestbesetzung gegen Russland anzutreten, was auch in meiner E-Mail vom 01.10.2018 ausführlich beschrieben wurde (siehe auch das Interview) Die Entscheidung über die Mannschaftsaufstellung verantwortet aber letztlich der Kapitän.

„Teamkapitän Jonathan Carlstedt hat noch vor Ort die Verantwortung für die
Aufstellung gegen Russland übernommen und sich für sein Einknicken vor
Zoya (indem er die geplante Aufstellung zu Gunsten von Zoya änderte) bei
der Mannschaft entschuldigt.
Ein Gespräch wurde Zoya bereits am 29.9. angeboten, sie antwortete auf das
Angebot erst ca 30 Stunden später am 30.9.. Dann wollte sie nur schriftlich
eine Stellungnahme gegenüber der Mannschaft abgeben. Erst am 1.10. war
sie zu einem Gespräch mit der Mannschaft bereit.“

Zu einem Gespräch mit Jonathan war ich jederzeit bereit. Nur machte er sich berechtigte Gedanken über eine mögliche Ansteckungsgefahr, da ich am
28.09.2018 erkältet war. Am 29.09 war ein spielfreier Tag. Es ging mir am Morgen den 29.09.2018 deutlich besser,was ich Jonathan auch sofort mitgeteilt habe. Da ich über keine medizinische Ausbildung verfüge, konnte ich eine eventuell noch bestehende Ansteckungsgefahr nicht komplett ausschließen. Ich habe es ihm sogar angeboten, mit einem entsprechenden Mundschutz zu reden und zu spielen, wenn ich über diesen verfügt hätte. Es ging mir ausschließlich um die Gesundheit und darum keinem anderen einem Risiko auszusetzen. Über mein „Nichteinsetzen” im nächsten Match gegen Griechenland wurde ich noch vor der Gesprächsanfrage informiert.

„Zoya warf der Mannschaft am 1.10. Mobbing vor. Die Mannschaft wies sie
unter anderem darauf hin, dass sie, Zoya, sich beim Essen nicht zur
Mannschaft setzte und wir sie daraufhin einluden sich zu uns setzen.
Daraufhin bat sie am 1.10. mit den Worten „falls ich das falsch interpretiert
habe, bitte ich um Entschuldigung“ um Entschuldigung für ihre Vorwürfe.“

Wie ich bereits in meinem Interview erwähnte, habe ich noch vor dem Absenden der E-Mail versucht, mit der Mannschaft darüber zu reden. Am 01.10 habe ich Sarah und Judith gefragt, ob das stimmt, dass die beiden mich nicht mehr begrüßen oder ob es sich dabei um ein Missverständnis handeln würde. Die gleiche Frage habe ich auch Elisabeth schriftlich gestellt, da sie bei der Mannschaftssitzung erst später anwesend war. Gleichzeitig habe ich sie um Entschuldigung gebeten, falls es sich um ein Missverständnis handeln sollte. Es stimmt, dass ich erkältet war und mich deshalb nach dem Spiel gegen Rußland nicht zu der Mannschaft gesetzt habe. Dies geschah aus zwei Gründen. Zum einen wegen meiner bereits erwähnten Erkältung und zum anderen wegen wegen des Eindrucks, dass ich nicht mehr gegrüßt werde, was mich persönlich doch stark verletzt hat.

Sarah und Judith haben mir zwar versichert, mich immer gegrüßt zu haben, so habe ich mich sofort für meine Nachfrage bei ihnen entschuldigt und dieses Problem war somit für mich geklärt.

Ich habe keinem etwas vorgeworfen, sondern gesagt, dass ich die Situation

– Verzicht darauf, mich in den Runden 6 bis 11 weiterhin einzusetzen
– Unfreundlichkeit
– Unangenehmer Vorfall während des Lehrgangs
– Vom Kapitän angebotene Einsätze, ausschließlich mit Schwarz zu spielen persönlich als Mobbing empfunden habe..

„Jonathan erwartete für Zoyas Verhalten vor dem Match gegen Russland von
Zoya eine Entschuldigung an die Mannschaft und das Bekenntnis das Wohl
der Mannschaft über das Eigene zu stellen. Beides tat sie im Gespräch vom
1.10. und auch in der Folge nicht. Jeder macht Fehler, man muss jedoch
bereit sein, sich zu diesen zu bekennen.“

Ich persönlich habe immer das Wohl der Mannschaft über das Eigene gestellt. Die Antwort darauf ist eindeutig meinem Interview zu entnehmen.

„Wir wollen im Sinne der Nationalmannschaft und zukünftiger Turniere dazu
beitragen Abläufe zu verbessern. Dazu ist der interne Weg der richtige Weg
und wir hoffen zu diesem zurückkehren zu können. Andererseits sehen wir
uns gezwungen, auf Zoyas Vorwürfe zu reagieren, und tun dies hiermit.“

Auch ich wünsche mir, dass die deutsche Nationalmannschaft zukünftig möglichst erfolgreich spielt. Ob allerdings der interne Weg der richtige ist, wird sich zeigen. Feststellen kann ich, dass mir das Schweigen des Deutschen Schachbunds zum Abschneiden unserer Mannschaft bei der Olympiade und meiner Nichtberücksichtigung in den letzten Runden persönlich ganz sicher geschadet hat. Daher war es für mich unausweichlich, öffentlich Stellung zu beziehen.

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