Rund anwesende 50 Zuschauer erlebten zum Abschluss des 150-jährigen Vereinsjubiläums des Schachclub Bamberg am 1. Dezember im Bistumshaus St. Otto packende und dramatische Kämpfe bis in die siebte Spielstunde. An deren Ende stand mit dem Internationalen Meister Ilja Schneider und der weiblichen Großmeisterin Marta Michna das neue Königspaar des Deutschen Blitzschachs fest. Ersterem gelang es dabei, den ebenfalls aus Berlin stammenden und favorisierten Großmeister Rène Stern noch auf der Zielgeraden abzufangen. Die weibliche Großmeisterin Michna zog hingegen bereits früh einsam ihre Kreise und setzte sich ohne Punktverlust souverän gegen die Konkurrenz durch. Die Bamberger Teilnehmer Justus Schmidt, Barbara Niedermaier und Helga Ortlauf landeten dagegen im hinteren Tabellenfeld.

„Klick, Klack. Klick, klack“, machten die Wippen der Schachuhren, die insbesondere gegen Ende jeder Runde wie von Orchesterhand merklich und lautstark an den Brettern zu vernehmen waren. Denn jetzt wurde es hektisch: Die Schachfiguren saßen nicht mehr gerade auf den weißen oder wahlweise schwarzen Feldern, die Hände kreisten wild gestikulierend über dem Brett und die Züge, für die vormals noch so viel Zeit vorhanden gewesen war, erfolgten schneller, um den finalen Exitus, der in einer Zeitüberschreitung und im drohenden Partieverlust bestand, gerade noch buchstäblich in letzter Sekunde abzuwenden. Aber nicht nur jede Partie forderte von den Beteiligten ihren Preis, der in einer immensen nervlichen Anspannung bestand, sondern auch die 31 bei den Männern und 19 bei den Frau zu spielenden Runden rangen den Teilnehmern körperlich und geistig alles ab.

Ilja Schneider: mit Ausdauer zum Erfolg

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Dass dabei nicht unbedingt der den Sieg erringt, der den besseren Anfang auf seiner Seite weiß, und dass Schach auch viel Ausdauer erfordert, war anschaulich zu verfolgen. Großmeister Stern, ehemals Sieger des Jahres 2013, gelang es zwar seinen späteren Widersacher Schneider zu Beginn zu bezwingen und sich ab 11. Runde an die Spitze zu setzen, musste dennoch seinem 13 Jahre jüngeren Konkurrenten noch das Feld überlassen. Phasenweise führte Stern mit bis zu 2,5 Punkten Vorsprung die Spitze an, ehe der 33-jährige Schneider in der 25. Runde herankam und im 28. Durchgang doch noch entscheidend die Tabellenspitze übernahm; und mit 25 Punkte aus 31 Begegnungen das Turnier für sich entschied. Ausschlaggebend waren dabei Schneiders sensationeller Lauf von 11:0 Siegen am Ende, den dieser vornehmlich gegen Spieler des unteren Tabellenfeldes erzielte, und der die Entscheidung brachte. Damit wiederholte er seinen Erfolg nach 2013 zweiten Mal. Mit 23 Punkten blieb Stern nur der ungeliebte zweite Platz. Der ebenfalls im Vorfeld heiß gehandelte Großmeister Michael Bezold konnte dank eines guten Schlusssportes immer hin noch den vierten Platz sichern. Rang drei und fünf gingen an die badischen Vertreter Fidemeister Marcus Riehle  und Veaceslav Cofmann, die sich früh in der Spitze festsetzen. Justus Schmidt vom ausrichtenden SC 1868 Bamberg glückte mit 13 Punkten, ein äußerst achtbarer 24. Rang, – 7 Plätze über seinem Startrang –, bei dem er manchen Fide- und Internationalen Meister hinter sich ließ und auch die Großmeister zu düpieren wusste.

Marta Michna: Souverän zum Titel

Bei den Frauen war es Marta Michna, die ab der 7. Runde unangefochten das Feld anführte und die Spreu vom Weizen trennte. Ihr glückte das Kunststück das Turnier mit 19:0 Punkten für sich zu entscheiden. Rang zwei ging an Kerstin Kunze aus Brandenburg, die sich mit 16,5 Punkten überraschend auf den zweiten Rang der Turniergrößen schob. Auf Rang drei folgten die ebenfalls favorisierte sächsische Großmeisterin Judith Fuchs mit 15,5 Zählern. Rang 4 und 5 gingen an die badischen Internationalen Meisterinnen Manuela Mader und Polina Zilbermann. Vom SC 1868 Bamberg landeten Barbara Niedermaier mit 7,5 Punkten auf Rang 15 und die kurzfristig eingesprungene Helga Ortlauf belegte Platz 20.

Kreuztabelle Männer      Kreuztabelle Frauen

Text und Foto Veranstalter: 

1. IM Ilja Schneider 2523 SF Berlin 1903 e.V. 25,0 358,50 22
2. GM René Stern 2540 SK König Tegel 1949 e.V. 23,0 347,75 18
3. FM Marco Riehle 2423 SF Sasbach e.V. 22,0 324,00 20
4. GM Michael Bezold 2553 FC Bayern München e.V. 20,5 314,50 17
5. Veaceslav Cofmann 2414 Karlsruher SF 1853 20,0 285,75 15
6. IM Dennes Abel 2434 SF Berlin 1903 e.V. 20,0 283,25 18
7. IM Robert Baskin 2473 SV Griesheim 1976 19,5 281,50 14
8. FM Karl-Jasmin Muranyi 2379 SK Landau 18,0 271,75 13
9. FM Holger Hebbinghaus 2366 SK Marmstorf GW Harburg 17,5 253,50 11
10. IM Christian Richter 2402 SV Werder Bremen 17,0 252,00 10
11. IM Dr. Florian Grafl 2370 FC Bayern München e.V. 16,0 241,75 10
12. Rick Frischmann 2350 SC Caissa Schwarzenbach 16,0 221,75 14
13. IM Gunter Spieß 2418 ESV Nickelhütte Aue 15,5 237,25 9
14. FM Thomas Kirchner 2280 SC Noris-Tarrasch Nürnberg 1873 15,5 224,00 11
15. IM Christian Maier 2359 SC Untergrombach 46 15,5 222,25 11
16. IM Franz Bräuer 2346 Erfurter SK 15,0 222,00 9
17. FM Jasper Holtel 2316 SK Münster 32 e.V. 15,0 218,50 10
18. FM Karsten Schulz 2374 SF Schwerin 15,0 212,25 6
19. FM Moritz Lauer 2405 SK 1911 Herzogenaurach e.V. 14,0 203,00 10
20. FM Robert Stein 2039 SG 1871 Löberitz 14,0 194,75 10
21. IM Boris Margolin 2401 SV 1920 Hofheim 14,0 186,75 11
22. FM Bernhard Sinz 2302 SG Turm Albstadt 1902 e.V. 13,5 206,00 13
23. FM Torsten Lang 2336 SK Landau 13,5 176,25 9
24. Justus Schmidt 2086 SC 1868 Bamberg 13,0 195,25 7
25. IM Boris Grimberg 2372 TSV Haunstetten 13,0 186,75 11
26. IM Cliff Wichmann 2279 ESV Nickelhütte Aue 13,0 174,50 9
27. IM Mark Heidenfeld 2436 Post-SV Ulm 12,0 172,25 6
28. IM Rüdiger Seger 2337 Godesberger SK 1929 e.V. 11,5 160,50 8
29. FM Tobias Vöge 2363 HSK Lister Turm 11,0 175,50 6
30. Joachim Hengelbrock 2316 SG Bochum 1931 11,0 161,75 6
31. FM Johannes Florstedt 2343 SF Berlin 1903 e.V. 9,5 120,75 8
32. FM Uwe Kersten 2289 Kasseler SK 1876 7,0 107,25 4

 

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