Samstag in Wijk aan Zee

Schachpolitik, Politik und dann auch noch Schach   Letzteres interessiert mich (jedenfalls als Schachjournalist) vor allem, aber dazu kam ich heute erst etwa eine Stunde nach Rundenbeginn. Wie gestern angedeutet: ein ehemaliger Teilnehmer der A-Gruppe störte den Rythmus der normalen Berichterstattung. Als Schachspieler war er, nicht nur in Wijk aan Zee, recht erfolgreich, als Politiker nicht unbedingt, nun will er Schachpolitiker werden oder ist es bereits – Garry Kasparov. Seine Pressekonferenz war wohl schon vorher geplant, aber heute veröffentlichten Chessbase und Chessvibes Neues zum FIDE-Wahlkampf. Diese Geschichten waren schon einige Tage bekannt, ich verzichte auf Details und eine eigene Stellungnahme.

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Aronian-Show (nicht nur) in Wijk aan Zee

Spannung um Platz zwei und in der B-Gruppe   Zuletzt hatte ich während und nach der siebten Runde der A-Gruppe aus und über Wijk aan Zee berichtet. Das war letzten Sonntag, seither wurden wegen "Tata Steel on Tour" nur zwei weitere Runden gespielt, eine davon auf dem High Tech Campus in Eindhoven. Wie im Titel schon erwähnt, die Entscheidung in der A-Gruppe ist vermutlich bereits gefallen. Aronian musste seine Führung in der A-Gruppe zweimal gegen einen direkten Verfolger verteidigen, Dienstag gegen Giri und Donnerstag gegen Karjakin, davor gab es Samstag bereits das Spitzenduell Aronian-So. Diese Aufgaben löste er ziemlich souverän

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Sturm in Wijk aan Zee

Jedenfalls auf den Schachbrettern   Rein wettermässig war es dort wohl genauso wie – etwa 50km Luftlinie entfernt – hier auf Texel: nur etwa Windstärke 5, auf meinem Weg zur Arbeit per Fahrrad dennoch etwas unangenehm da Gegenwind, immerhin dann Rückenwind auf dem Weg nach Hause wo ich das Ende einiger Partien noch mitbekommen habe. Um die Kurve zum Schach zu kriegen: aus deutscher Sicht ist zu hoffen, dass Naiditsch nach bisher vor allem Gegenwind im weiteren Turnierverlauf noch Rückenwind bekommt – allerdings ist Wettervorhersage so eine Sache. Bevor ich die heutige Runde im A-Turnier aus meteorologischer Sicht zusammenfasse, ein

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Live aus Wijk aan Zee (2)

Impressionen vor Ort   Ich bin wieder in Wijk aan Zee, ein bisschen "überall und nirgendwo" – Turniersaal einschliesslich Amateurbereich, Presseraum, später wohl auch beim lokalen Livekommentar in der Grundschule nebenan. Eigentlich wollte ich heute auf einen Liveticker verzichten – aber es gibt bereits einige Anekdoten die ich den Lesern nicht vorenthalten will: 13:30 Wie gesagt, ich widme mich auch den Amateuren – da ich mindestens vier von ihnen persönlich kenne, und vielleicht schreibe ich auch noch was für die Lokalzeitung 'Texelse Courant'. Meine beiden Vereinskollegen kamen erst kurz vor der Runde, daher habe ich sie noch nicht gesprochen –

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Tata Steel on Tour

Alte und neue Meister im Rijksmuseum   Es war bereits ein langer Tag für mich, daher nur ein paar Impressionen zum Drumherum in Amsterdam und kaum zum Geschehen auf den Schachbrettern – das hole ich später nach bzw. dazu kann sich der Leser anderswo informieren. Ich war vor Ort im Rijksmuseum – sicherheitshalber (da ich nicht wusste wie es dort genau laufen würde) etwa eine Stunde vor Beginn der Runde, und das lohnte sich. Ich durfte gleich die Treppe herunter zum Auditorium, während ein mit angereister Vereinskollege draussen bzw. im Foyer warten musste – Einlass für Zuschauer war erst 10

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Zwischenbilanz in Wijk aan Zee

Sextett führt in der A-Gruppe, Chaos in der B-Gruppe   Es ist ein bisschen paradox: da ich das Turnier zum Teil vor Ort verfolge (auch hinter den Kulissen) habe ich weniger Zeit für 'normale' Turnierberichte. Nicht dass ich täglich vorbeischaue, aber Zeit muss auch sein für anderes Schach (d.h. Vereinsabend), andere Hobbies und auch für die bezahlte Arbeit. Vor Ort geht es mir vor allem darum, Eindrücke zu sammeln – die gibt es zwar nicht alle fünf Minuten (und nicht alles ist zur Veröffentlichung geeignet), aber man muss jederzeit 'wach' sein falls sich etwas ergibt (falls jemand im Presseraum vorbeischaut

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Tata Steel Chess in Wijk aan Zee

Dieses Jahr ist einiges anders   Wijk aan Zee ist traditionell der erste Höhepunkt des Schachjahres, und für mich ein besonderer – es ist meistens das einzige Weltklasseturnier, bei dem ich vor Ort vorbeischauen kann. Dieses Jahr ist einiges anders – allgemein, aus deutscher Sicht und aus Richters Sicht.   Das ist natürlich nicht das Spiellokal (sondern nur das offizielle Turnierlogo) – gespielt wird nach wie vor vor allem in Dorpshuis de Moriaan mitten im Ort, daneben auch anderswo in Wijk aan Zee und (aber ich greife voraus) diesmal auch anderswo in den Niederlanden. Was ist (ausserdem) dieses Jahr anders?

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Live aus Wijk aan Zee

Was passiert vor und hinter den Kulissen?   Ich bin gerade vor Ort angekommen und werde eine Art Live-Blog versuchen. Der Leser sollte jedoch nicht erwarten, dass alle fünf Minuten Updates kommen, sondern vielleicht etwa alle halbe Stunde oder so. Legen wir los (und dann die Seite regelmässig erneuern):   13:15 Ich bin, wie gesagt, in Wijk aan Zee angekommen, habe an der Rezeption meine Presse-Badge abgeholt und Presschefin Cora van der Zanden zeigte mir den Bereich hinter den Kulissen. Laptop angeschlossen, Internet funktioniert. Wer ist sonst so da? Bisher Peter Doggers und Yochanan Afek, gerade ist auch Evgeny Surov

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World Mind Sports Games Teil II – Blitz und Baskisch

Karjakin und die Chinesinnen dominieren   London und die EM in Warschau waren bereits vorbei, als in Peking noch gespielt wurde – dort wetteiferten Herren und Damen schliesslich in drei Disziplinen nacheinander. Blitz ist wohl jedem ein Begriff, was ist bitteschön Baskisch? Das sind zwei Partien parallel mit Weiss und Schwarz gegen dieselbe Person, quasi doppeltes Simultan. Diese Idee wurde zuerst vor zwei Jahren in San Sebastian ausprobiert, und ersetzte dieses Jahr in Peking Blindschach. Bevor ich die vier Turniere kurz zusammenfasse, vorab die Sieger: bei den Herren gewann Karjakin und Karjakin, bei den Damen Hou Yifan und Zhao Xue.

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Nakamura gewinnt London Rapid

Rapport ist Schnellschach-Europameister   Wiederum zwei Schnellturniere in einem Bericht, heute mit Schwerpunkt London. Die Ausrichter waren zufrieden, da das Turnier aus ihrer Sicht “incredible entertainment” bot – damit meinten sie vor allem die vielen Fehler.  Carlsen, für den “keine Fehler machen” im Schach das Allerwichtigste ist, war ja nicht dabei. Stattdessen gewann Nakamura, der in seinen Partien nie den letzten Fehler machte und von gegnerischen Fehlgriffen profitierte. Eine kurze Zusammenfassung der KO-Phase: Viertelfinale: Nakamura besiegte Short mit Schwarz dank eines taktischen Tricks mit dem er die Qualität gewann – danach hätte sich Short zumindest zäher verteidigen können. Das Weissremis

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Nachlese zur Mannschafts-WM

Diagramme und Einzelkritik   In meinen beiden bisherigen Berichten hatte ich auf Diagramme komplett verzichtet – das will ich nun nachholen, wobei ich keinesfalls alle interessanten Partien und Momente erfassen kann. Ausserdem etwas Einzelkritik an den deutschen Spielern – ist Thomas Richter dafür der richtige? Ich mache es trotzdem, und werde – wo ich es für angebracht halte – Licht und/oder Schatten erwähnen. Dabei werde ich aus deutscher Sicht auch die Mannschafts-EM kurz vor der –WM etwas mit einbeziehen und die zwei Turniere miteinander vergleichen.   Die Freunde der deutschen Mannschaft müssen sich aber noch etwas gedulden, zuerst ist Russland

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Russland ist Mannschafts-Weltmeister

Deutschland (Siebter) übertrifft die realistische (Elo-)Erwartung   So, die Mannschafts-WM ist auch schon wieder vorbei – eigentlich wollte ich nach Runde 7 von 9 und vor dem Klimax noch einen Bericht schreiben, kam dann aber nicht dazu. Nicht die lange, auch zu dem Zeitpunkt noch, führende Ukraine gewann Gold, sondern dann doch die (wie immer) deutlich favorisierten Russen – und trotz des schlechten Starts (Remis gegen Armenien, Niederlage gegen die USA) und der holprigen Schlussrunde war es am Ende klar und relativ verdient. Natürlich werde ich noch erwähnen, warum Russland gewonnen hat und warum die Ukraine doch nicht gewonnen hat

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Vorbericht zur Mannschafts-WM

Überraschende Aufstellungen   Nach der Einzel-WM ist vor der Mannschafts-WM, die ab Dienstag in Antalya gespielt wird. Das heisst auch, dass Spieler (mindestens Giri und Nakamura), die Anand-Carlsen via Twitter ausführlich kommentierten, demnächst zeigen können/dürfen/müssen was sie selbst am Brett drauf haben. Dabei sind – in alphabetischer Reihenfolge – Ägypten, Armenien, Aserbaidschan, China, Deutschland (Europameister 2011), Niederlande, Russland, Gastgeber Türkei, Ukraine und die USA. In dieser Vorschau ein selektiver Blick auf die Aufstellungen laut Turnierseite (jeweils die Flaggen anklicken) und gleich zu Beginn eine Info die dort nicht zu finden ist, und meines Wissens auch sonst noch nirgendwo. Beginnen wir

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Kommentar zu Kommentar zu von Weizsäcker

Redet er völligen Unsinn?   So eine Frage im Untertitel ist natürlich rhetorisch, und meine Antwort ist dann auch “Nein – er hat sich zwar sicher im Ton vergriffen, aber da steckt ein wahrer Kern dahinter. Und jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung – auch wenn sie unpopulär ist.” Das werde ich natürlich noch erläutern, zunächst einige Kernaussagen von Robert von Weizsäcker – ich verweise bewusst auf die Originalquelle Deutschlandfunk (mit Audio), anderswo – Spiegel Online und faz.net – wurde es selektiv-verkürzt wiedergegeben. “Carlsen hat gewonnen, weil er der bessere Sportler ist und nicht der besser Schachspieler.” Redaktionell:

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Mannschafts-WM vor dem Ruhetag

“Ukraine 10 points, Germany 4 points”   Pünktlich zum ersten Adventssonntag kommt der erste Bericht zur Mannschafts-WM – ob und wie der in Antalya gefeiert wird, weiss ich nicht, jedenfalls haben die Spieler da Pause. Aus deutscher Sicht ist es eine schöne Bescherung – andererseits entspricht der derzeitige achte Platz ja den Elo-Erwartungen, und immerhin haben sie schon achteinhalb Brettpunkte (aus 20 Partien). Überraschende Aufstellungen hatte ich im Vorbericht bereits erwähnt, die nächste – zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannte – Überraschung war die deutsche Brettreihenfolge: Khenkin, Meier, Fridman, Naiditsch, Baramidze. Idee war vielleicht, dass Khenkin am Spitzenbrett remis halten,

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(Russische) Reaktionen zur WM in Chennai

Alles odnovorotnim?   Es ist ein bisschen paradox: während der WM zwischen Anand und Carlsen in Chennai schrieb ich anfangs vor allem über die Mannschafts-EM in Warschau. Nun während der Mannschafts-WM in Antalya (die ich schon beobachte, einige Berichte kommen auch noch) beschäftigen mich vorläufig die Nachwehen der kleinen WM: da sassen ja nur zwei Spieler am Brett, plus eine unbekannte Anzahl Sekundanten für beide Lager, aber insgesamt waren wohl weniger Schachspieler direkt beteiligt – in Antalya sind es ja fünfzig am Brett und ausserdem auch noch Trainer/Sekundanten.   Jede Menge Spieler haben die WM in Chennai (auch hinterher) kommentiert

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Carlsen ist Weltmeister

Und jetzt?   Das WM-Match war am Ende doch so einseitig wie einige vorher prognostizierten und bereits nach 10 Partien entschieden, Endstand 6,5-3,5 für Carlsen. Ich werde die letzten vier Partien kurz zusammenfassen (wiederum ohne Detail und Analysen), zwischendrin und danach einiges zum Drumherum und (obwohl aus meiner Sicht voreilig) Hinterher.   Anand bezeichnete direkt nach dem Match bereits die fünfte Partie als Knackpunkt, für mich ist es eher die sechste: eine Niederlage und ein vergeigtes remises Turmendspiel kann man noch kompensieren, zwei direkt hintereinander waren dagegen, wie Anand selbst sagte, ein “heavy blow”. Aber das hatte ich ja schon

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WM in Chennai

Neuer Zwischenstand 4-2 für Carlsen   Es ist eingetreten, was einige (vielleicht nicht nur Carlsen-Fans) vor dem Match erwartet hatten – Carlsen liegt nun vorne, und das gleich mit einem Doppelschlag. Damit war nach den ersten vier (Remis-)Partien nicht unbedingt zu rechnen. Hat Carlsen seine anfängliche Nervosität abgelegt, oder zeigt Anand Schwächen? Spielte Carlsen brilliant, oder Anand schlecht? Fragen über Fragen … . Beide Male fiel die Entscheidung – auch das hatten einige prognostiziert – im Endspiel, und zwar jeweils in einem Turmenspiel das “eigentlich” remis war. Das waren aber schon die Parallelen, ich werde die Partien nun kurz und

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EM-Schlussbericht

Aserbaidschan (doch nicht Frankreich) siegt bei den Herren, Ukraine bei den Damen   … aber zunächst zu den deutschen Teams, heute wieder zuerst die Damen. Am Ende wurden sie – an fünf gesetzt – Siebter, auf dem Papier noch ein akzeptables Ergebnis. Von den nominell leicht schwächeren Teams war Ungarn leicht besser (punktgleich mit besserer Wertung) und Armenien klar besser, aber das Turnier insgesamt und mögliche Gründe für den armenischen Erfolg bespreche ich erst später. Die Damen brauchten und lieferten einen Schlusspurt – wie im letzten Bericht erwähnt waren sie nach sieben von neun Runden Fünfzehnte. Beide 2,5-1,5 Siege (gegen

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Mannschafts-EM auf der Zielgeraden

Wer wird Europameister?   Deutschland jedenfalls nicht, das ist inzwischen offiziell – und auch auf den Platz der ihnen laut Setzliste gehört (Nummer 10 bei den Herren, Nummer 5 bei den Damen) haben die deutschen Teams mit zwei verbleibenden Runden jeweils drei Mannschaftspunkte Rückstand. Ich habe die traurige Chronistenpflicht, die letzten beiden Runden zu dokumentieren – erklären kann ich sie nicht unbedingt. Und da Deutschland (wahrlich) nicht das Mass aller Dinge ist, werde ich auch erwähnen welche Nachbarländer und welcher Wahl-Berliner mehr Grund zu Freude haben. Betrachten wir das Turnier erst durch die deutsche Brille, und beginnen bei den Herren.

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