Foto-Finish beim Paris Grand Prix

Foto-Finish beim Paris Grand Prix

Kein Vorteil für Fabiano

 

… denn Caruana wurde am Ende geteilt Erster mit Gelfand, und dadurch undankbarer Dritter in der GP-Gesamtwertung. Damit habe ich – im Gegensatz zu meinen Zwischenberichten – gleich am Anfang verraten wie es am Ende ausging, auch dass Nakamura seine Führung nicht verteidigen konnte. Hier der komplette Endstand: Caruana und Gelfand 7/11, Nakamura und Bacrot 6.5, Grischuk und Dominguez 5.5, Wang Hao, Ponomariov, Tomashevsky, Ivanchuk 5, Fressinet 4.5, Giri 3.5. Und dazu ein Foto der letzten Schlüsselpartie (Quelle hier und auch weiter unten: Turnierseite):

Links Dominguez, rechts Caruana, dazwischen auf dem Brett Taimanov (bzw. die nach ihm benannte sizilianische Variante)

 

Ab Foto dauerte diese Partie noch 15 Züge, also insgesamt 19 – das Ende war ebenso plötzlich und überraschend wie für Caruana unbefriedigend. Zunächst die drei letzten Runden im Schnelldurchlauf: In Runde 9 geschah … rein vom Ergebnis her nichts, es gab sechs Remisen. In Runde 10 änderte sich der Stand an der Spitze durchaus. Damit (und überhaupt) versprach die letzte Runde spannend zu werden – aber dann haben nur Spieler aus der unteren Tabellenhälfte lange gekämpft. Und nun ausführlicher und der Reihe nach:

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Paris-Peking-Parallelen

Paris-Peking-Parallelen

Buntes Treiben beim FIDE Grand Prix

 

Leser meiner Beiträge auf Schach-Welt wissen, dass ich gerne Alliterationen verwende. Was es mit dem Titel auf sich hat, werde ich gleich verraten, zunächst: darf es auch noch ein bisschen G sein? Gerne, wobei das etwas gekünstelt ist: Gelfand spielte grossartig (trifft auf Runde 5-8 allenfalls bedingt zu), Grischuk gebrauchte Gewalt (in zwei von vier Partien, mit wechselndem Erfolg), und Giri erwischte ein grauenhaftes Turnier (stimmt absolut). Und, etwas weiter im Alphabet: Ivanchuk spielte wie ein Idiot (etwas aber nur etwas übertrieben, eben der Alliteration wegen). Den aktuellen Zwischenstand will ich auch diesmal erst am Ende verraten – zumal ein Spieler eher aus Versehen führt – auch wenn ich bereits verraten habe wer derzeit (und wohl auch am Ende des Turniers) Letzter ist und für wen, nicht derselbe Spieler, es in Runde 5-8 gar nicht lief. Deshalb auch kein Foto des Führenden sondern stattdessen ein bisschen Kulturprogramm (Schloss Versailles, Quelle Turnierseite):

Die Parallele zum Peking Grand Prix: Auch diesmal stehen sieben Partien, direkte Duelle zwischen den wichtigsten Spielern, im Zentrum meines zweiten Zwischenberichts. Auch diesmal sah es danach aus, dass (nur) zwei dieser Partien keinen Sieger haben würden, am Ende endete nur eine von sieben remis. Neben den vier Spielern, die nach Runde 4 mehr als 50% hatten (Gelfand, Ivanchuk, Caruana und Nakamura), gehört Grischuk dazu – obwohl oder gerade weil er den meisten Aufholbedarf hatte. Das lag auch daran, dass er – sofern Schach auch ein Glücksspiel ist – vor dem ersten Ruhetag kein (gein) Glück hatte, und zwar, wieder nebendran im Alphabet, gegen Fressinet und Fabiano (Caruana). Aus den zwei Partien hätte er statt einem halben auch mindestens anderthalb Punkte holen können. So musste er nun gewinnen, gerne auch gegen Gelfand. Das sind jetzt genug Buchstabenspiele, eine Schlüsselpartie aus Runde 7 ist bereits erwähnt, nun der Reihe nach:

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Paris Grand Prix nach vier Runden

Paris Grand Prix nach vier Runden

Caruana und vor allem Grischuk mit Aufholbedarf

 

Wie immer bei Spitzenturnieren berichtet der Schach-Ticker jeweils an oder nach den Ruhetagen. Diesmal will ich – auch in der Überschrift – (noch) nicht verraten wer momentan in Führung liegt, nur wer nicht vorne liegt obwohl er das am dringendsten von allen brauchen würde, zumindest wenn nach 11 Runden endgültig abgerechnet wird. Endgültig bezieht sich dann nicht nur auf dieses Turnier, sondern auf die gesamte GP-Serie 2012/2013. Daher auch kein Foto des oder der Führenden, sondern eines von allen Teilnehmern (Quelle Turnierseite):

Genauer gesagt, fast alle – Ivanchuk fehlte bei der offiziellen Eröffnung da er erst spät anreiste. Im Hintergrund auch ein Eindruck vom Turniersaal, eine Kirche(!) in Elancourt, 37 Kilometer ausserhalb von Paris und 16 Kilometer westlich von Versailles wo übrigens zumindest einige Spieler den Ruhetag verbrachten. Wer das Geschehen vielleicht noch vor Ort verfolgen will: Europe Echecs hat in deren Vorbericht eine Karte von Paris und Umgebung. Das, ein bisschen Vorbericht, mache ich auch noch bevor ich die bisherigen Runden zusammenfasse (und am Ende natürlich den Zwischenstand verrate).

Derzeitiger Stand in der GP-Wertung: Topalov führt uneinholbar, Mamedyarov ist Zweiter, beide haben bereits ihre vier Turniere gespielt. Caruana und bzw. oder Grischuk können Mamedyarov noch überholen – allerdings nur, wenn sie in Paris bzw. Elancourt alleine gewinnen. Für die zehn anderen Teilnehmer ist es "nur" ein normales Superturnier, bzw. doch noch ein bisschen mehr: Es geht nicht nur um Elopunkte und Preisgeld in diesem Turnier (erster Preis 25.000 Euro), sondern auch um Preisgeld in der Gesamtwertung. Für den dritten, vierten und fünften Platz gibt es immerhin noch 60/50/40.000 Euro, und das ist für eine Reihe Spieler noch im Bereich des Möglichen. Drei Spieler haben die Einladung dennoch "aus privaten Gründen" abgelehnt – nicht nur "wie immer" Radjabov, sondern auch Karjakin und Svidler. Bei den letzten beiden ist ein voller Terminkalender vermutlich Grund genug: sie spielen direkt nach diesem Turnier die russische Meisterschaft – mit auch noch u.a. Kramnik aber ohne Grischuk. Die drei freigewordenen Plätze gingen an Bacrot, Fressinet und Tomashevsky. Ich hatte eigentlich den Pariser und anderen Weltcup-Halbfinalisten Vachier-Lagrave erwartet, aber der spielt ab der zweiten Oktober-Woche in Bilbao und wollte vielleicht nicht zwei Turniere hintereinander spielen. Das machen wiederum Caruana, Ponomariov und Wang Hao die dann in Bukarest am Brett sitzen – zusammen mit Nisipeanu und (Stand 27.9.) Radjabov.

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Sinquefield Abschlussbericht

Sinquefield Abschlussbericht

Carlsen am Ende klarer Turniersieger

Am Ende war es eine klare Sache: Carlsen 4.5/6, Nakamura 3.5, Aronian 2.5, Kamsky 1.5. Dass Carlsen am Ende eines langen Turniers oft noch Kräfte mobilisieren kann (nur beim Kandidatenturnier waren zum Schluss alle müde, auch der jüngste und womöglich sportlich fitteste Teilnehmer) ist bekannt. Diesmal wurden allerdings nur sechs Runden gespielt, "trotzdem" gewann Carlsen. Danach sagte er "The final margin of victory was a little flattering" – für mich keine (falsche) Bescheidenheit, sondern ein durchaus realistisches Fazit zum Turnier. Bevor ich die letzten drei Runden zusammenfasse, das übliche Siegerfoto (Quelle Turnierseite):

Von links nach rechts: Sponsor Rex Sinquefield, Turnierorganisator Tony Rich, Sieger Magnus Carlsen und Levon Aronian

(letzterer mit relativ guter Miene zum für ihn bösen Spiel in der Schlussrunde, aber ich greife den Ereignissen voraus)

 

Dass dieser Bericht etwas verspätet erscheint liegt daran, dass ich zwischenzeitlich anderweitig beschäftigt war – auch mit Schachjournalismus, womit und warum verrate ich (noch) nicht. Zur Erinnerung: bei Halbzeit nach drei Runden stand es so: Nakamura 2.5/3, Carlsen 2, Aronian 1, Kamsky 0.5. Was passierte danach?

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Sinquefield Cup Zwischenbilanz

Sinquefield Cup Zwischenbilanz

Nakamura führt zur Halbzeit

 

Zunächst die nackten Zahlen nach drei von sechs Runden: Nakamura 2.5/3, Carlsen 2, Aronian 1, Kamsky 0.5. Mein bisheriger Eindruck von den Spielern, von unten nach oben: Kamsky bestätigt seine Aussenseiter-Rolle. Aronian sucht noch nach seiner Form. Für Carlsen ist es offenbar kein Problem, dass er womöglich seine Eröffnungs-Vorbereitung für Anand verbergen muss – im Gegenteil, zweimal war es vielleicht eher ein Vorteil (siehe Rundenberichte). Nakamura hat sogar seinen Carlsen-Komplex mit Schwarz überwunden – ob für immer oder nur für einmal wird die Zukunft zeigen; ob psychologische Tricks eine Rolle spielten sei dahingestellt.

Da ich für den Schach-Ticker jeweils zum Ruhetag von Superturnieren berichte, kann ich diverse andere Quellen konsultieren. Generell habe ich und bleibe ich bei meiner eigenen Meinung und Einschätzung, die andere teilen oder auch nicht – die Turnierseite ist natürlich nicht neutral sondern tendiert (in den USA vielleicht noch mehr als anderswo) dazu, das Geschehen zu glorifizieren. Die Berichte auf Chessvibes vom amerikanischen FM Mike Klein (Peter Doggers hat Urlaub) gehen etwas in dieselbe Richtung. Selbstverständlich können Engines und stärkere Spieler als meinereiner die Partien kompetenter kommentieren – aber bei Letzteren ist es dennoch subjektiv, wieviele Ausrufe- und Fragezeichen sie verteilen und wie sie die Partie generell umschreiben. (Foto: Rex Sinquefield der Sponsor des Turniers)

Genug der Vorrede, steigen wir ein ins bisherige Geschehen:

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Sinquefield Cup in St. Louis

Sinquefield Cup in St. Louis

Carlsen, Aronian, Nakamura, Kamsky

Eigentlich sollte der Untertitel ausreichen, um das Interesse der Leser am Turnier zu wecken. Ich mache doch noch drei Dinge: das Turnier mit einigen anderen Superturnieren vergleichen, einige praktische Infos zu diesem Turnier, und zum Schluss eine bzw. keine Prognose zum Ausgang dieses Turniers.

 

Turniere mit etwa zur Hälfte einheimischen und ausländischen Teilnehmern gibt es inzwischen einige. Den Anfang machte das London Chess Classic (bzw. schon lange davor auf etwas niedrigerem Niveau Sigeman Chess in Malmö), später folgten Dortmund und Baden-Baden. Da ist jeweils Sinn der Sache, dass einheimische Spieler die (ansonsten seltene) Chance bekommen, gegen die Weltspitze anzutreten. Nakamura und Kamsky werden auch anderswo zu Superturnieren eingeladen – die USA haben eben zwei Weltklassespieler, und Sinquefield wollte offenbar ein kleines aber feines Turnier.

Turnierseite Partien Quelle: Wikipedia

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Kramnik verdienter Weltcup-Sieger

Kramnik verdienter Weltcup-Sieger

Zwei Finalisten "aus Versehen"

Kramnik gewann das Weltcup-Finale gegen Andreikin 2,5-1,5 – "gefühlt" mindestens 2,6-1,4 da Andreikin in der vierten Partie die Notbremse Remisangebot zog. Zu dem Zeitpunkt hatte er wohl alle Hoffnungen aufgegeben, doch noch einen Tiebreak zu erreichen in dem wieder alles möglich gewesen wäre. Bevor ich die Partien bespreche, erst ein Bericht zur abschliessenden Pressekonferenz – auch um den etwas kryptischen Untertitel zu erläutern. Andreikin kann zwar zumindest etwas Englisch, wollte Fragen aber doch lieber auf Russisch anhören und beantworten. Einigen Zuschauern war es vielleicht recht, denn so kamen sie auch zum "optischen Genuss" Anastasia Karlovich die jeweils übersetzte. Dieses Foto stammt natürlich nicht von ihr, vielleicht ist es deshalb am linken Bildrand ein kleines bisschen misslungen:

Foto: Karlovich, Andreikin, ten Geuzendam, Short, Kramnik (Quelle Turnierseite)

 

Kramnik spielte den Weltcup ja nur – ich wiederhole mich – weil er musste. Am Ende wiederholte er, was er schon nach der zweiten Runde sagte: Gegen ein frühes Ausscheiden in der zweiten oder dritten Runde ("erste Runde wäre zu peinlich") hätte er nichts einzuwenden gehabt – dann hätte er die extra freien Urlaubstage mit Frau und Kindern in der französischen Provinz verbracht. Nachdem es für ihn lief, wollte er aber doch das Maximum erreichen denn "dieses Jahr wurde ich fünfmal Zweiter, dann wäre es wirklich enttäuschend, hier das Finale zu verlieren!". Entweder hat er sich verzählt, oder er meinte die letzten zwölf Monate: Olympiade, zweimal London (Classics und Kandidatenturnier), Schnellschach in Genf und Dortmund.

Andreikin überraschte alle – zum zweiten Mal in der Sendung (das erste Mal erwähne ich noch) – mit der Aussage, dass er beim Weltcup "in bad shape" war. Auf Tal Memorial und Dortmund hatte er sich intensiv vorbereitet da er derlei Turniere vielleicht "einmal im Leben" spielt. Auf den Weltcup gar nicht – Tromsö war für ihn bereits das dritte und wohl nicht das letzte Mal. Nachdem er in Runde 3 mit Weiss gegen Dreev aus der Eröffnung nichts erreichte (remis nach 18 Zügen), entschied er sich für seine konsequente Tiebreak-Strategie – "im Schnellschach kann man Karjakin und Svidler auch mit 2.Lg5 besiegen". Was auch immer man davon hält, der Erfolg gab ihm Recht aber überraschte ihn selbst offenbar ziemlich. Nun spielt er, mindestens einmal im Leben, das nächste Kandidatenturnier. Auch das erwähnte Kramnik: Für fast alle Teilnehmer war oder wäre das Finale ein grosser Erfolg und Karriereschub, er dagegen war sowieso schon für das Kandidatenturnier qualifiziert.

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Kramnik und Andreikin im Weltcup-Finale

Kramnik und Andreikin im Weltcup-Finale

Karjakin sagt "danke Vlad"

… denn damit bekommt er Kramniks Ratingplatz und ist (wie Andreikin) beim nächsten Kandidatenturnier dabei. Oder müsste er eher sagen "merci Max(ime Vachier-Lagrave)"? Ich deute bereits an, wie oder warum Kramnik sein Halbfinale gewann. Verdient war es durchaus, Glück hatte er vielleicht dennoch – sofern es Glückssache ist, wenn der Gegner eine Partie erschreckend schwach spielt.

In gewisser Hinsicht sind die wichtigsten Entscheidungen beim Weltcup gefallen – das Finale ist nur noch Zugabe, obwohl es natürlich noch um Prestige und jede Menge Preisgeld geht. Thema dieses Beitrags ist das Weltcup-Halbfinale sowie ein Ausblick auf das Kandidatenturnier (fünf von acht Teilnehmern sind nun bekannt, zwei bzw. drei streiten sich noch um den sechsten und siebten Platz). Aber zunächst will ich noch Kramniks bisheriges Turnier skizzieren – für Andreikin und auch die beiden anderen Halbfinalisten hatte ich dies bereits getan. Die erste Runde gegen FM Gillan Bwalya aus Zambia (ja, beim Weltcup ist die ganze Welt vertreten) war natürlich eher Formsache. Aber dann bekam er mit Landsmann Kobalia sowie den drei Ukrainern Areshchenko, Ivanchuk und Korobov Gegner, die man nicht mehr unterschätzen sollte. Zweimal musste er in den Tiebreak, den er dann jeweils recht souverän gewann, zweimal war nach zwei klassischen Partien Schluss (für den Gegner).

 

Natürlich war Kramnik, im Gegensatz zu Andreikin, einer der Favoriten – wobei im Vorfeld nicht klar war, wie motiviert er sein würde: er spielte nur weil er spielen musste und war bereits nach Elo für das Kandidatenturnier qualifiziert. Da jeder weiss, wie Kramnik aussieht, zeige ich nun noch seinen Finalgegner Dmitry Andreikin (vor der Schwarzpartie gegen Tomashevsky, Foto Turnierseite)

Die beiden sind übrigens, hatte ich bereits erwähnt, gute Freunde – Tomashevsky kommt aus Saratov, Andreikin studiert an der dortigen Universität. Auch die beiden anderen Halbfinalisten wohnen in derselben Stadt und trainieren offenbar mitunter gemeinsam: Vachier-Lagrave wohnt schon immer in Paris, Kramnik hat es aus bekannten privaten Gründen dorthin verschlagen. Wie liefen die beiden Halbfinal-Matches?

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Las Vegas am Nordmeer

Las Vegas am Nordmeer

Weltcup – Favoritensterben geht weiter

 

Das Viertelfinale im Weltcup ist entschieden – wie bereits im Achtelfinale fiel in der Hälfte der Matches die Entscheidung nach zwei Partien, und die andere Hälfte ging in die Verlängerung; diesmal reichten dann jeweils zwei Schnellpartien. Im Achtelfinale gewannen die Aussenseiter 4-3 (Kamsky-Mamedyarov hatte keinen Favoriten); nun konnten sie sich mit 3-1 durchsetzen. Damit kommt es zu folgenden Paarungen im Halbfinale:

Kramnik – Vachier-Lagrave und Tomashevsky – Andreikin

Das sind die Nummern 3, 21, 23 und 32 der Setzliste. Wann gab es das vergleichbar zuletzt in einem stark besetzten KO-Turnier? Der Titel verrät es bereits: bei den Herren 1999 bei der KO-Weltmeisterschaft in Las Vegas. Damals standen mit Adams, Akopian, Khalifman und Nisipeanu die Nummern 5, 31, 36 und 46 im Halbfinale. Als Titel hatte ich auch "Wie die Damen, so die Herren" erwogen – bei der Damen-WM letztes Jahr in Khanty-Mansiysk erreichten die an 12, 15, 16 und 30 gesetzten Spielerinnen das Halbfinale, und am Ende gewann Nummer 30 Anna Ushenina. "Von Khanty nach Tromsö" passt nicht als Titel: dann weiss niemand welches sibirische Turnier gemeint ist, es gab ja jede Menge – demnächst vielleicht wieder eines aber das verrate ich erst am Ende dieses Beitrags.

Wer erreichte bei den vorigen Weltcups das Halbfinale? 2005 die Nummern 2, 3, 4 und 9, 2007 # 5, 10, 11 und 17, 2009 # 1, 7, 12 und 22, 2011 #2, 4, 6 und 9. 2007 (Carlsen und Karjakin) und 2009 (wieder Karjakin) waren noch unterbewertete Jungtalente unter den letzten vier. Womöglich sind diesmal zumindest Maxime Vachier-Lagrave (im weiteren mitunter der Kürze halber MVL) und Dmitry Andreikin auch zukünftige Spieler der absoluten Weltklasse, aber noch weiss man das nicht. Beide sind Jahrgang 1990 und müssen einen gewissen Elo-Rückstand auf Carlsen bzw. mindestens Karjakin noch aufholen.

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Weltcup-Zwischenbilanz

Weltcup-Zwischenbilanz

Noch acht Spieler im Rennen, diverse Favoriten ausgeschieden

 

Nach vier KO-Runden wird es höchste Zeit für einen ersten Bericht. Beginnen wir mal mit dem was als nächstes kommt, die Paarungen des Achtelfinales (in Klammern der Platz des Spielers in der Setzliste):

 

Tomashevsky (32) – Kamsky (8)

Svidler (13) – Andreikin (21)

Caruana (2) – Vachier-Lagrave (23)

Kramnik (3) – Korobov (22)

 

Von den acht Elobesten sind also nur noch drei im Rennen. So extrem gab es das zuletzt 2007. Einerseits war es damals noch extremer, denn die ersten vier der Setzliste konnten bereits ihre Koffer packen. Andererseits ist es im Weltcup einmalig, dass anno 2013 gleich vier Spieler (knapp) ausserhalb der top20 nun noch dabei sind. Alle haben sich das ehrlich verdient, indem sie den Elobesten ihrer Sektion selbst eliminierten – zweimal bereits im klassischen Schach, zweimal im Schnellschach-Tiebreak: Tomashevsky – Aronian 1.5-0.5, Andreikin – Karjakin 3-1, Vachier-Lagrave – Gelfand 2.5-1.5, Korobov – Nakamura 1.5-0.5.

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Zwei von 128 bleiben im WM-Rennen

Zwei von 128 bleiben im WM-Rennen

Die Weltcup-Vorschau Tromsö 2013 des Schach-Tickers von THOMAS RICHTER

 

Der Weltcup in Tromsö (10.8. bis 3.9.2013) ist diesmal sehr stark besetzt – aus der absoluten Weltspitze fehlen nur drei Spieler die bereits (mindestens) für das nächste Kandidatenturnier qualifiziert sind: Anand und Carlsen die ja demnächst ein WM-Match spielen, sowie Topalov der bereits als Sieger der FIDE Grand Prix Serie feststeht. Aronian und Kramnik sind nach Elo auch bereits qualifiziert, müssen aber noch den Weltcup spielen da ihr Recht ansonsten verfallen würde. Dazu kommen beide Finalisten des Weltcups – im Finale geht es dann nur noch um Prestige, Ehre und immerhin 32,000$ Netto-Preisgelddifferenz.

 

Vielleicht 20 Spieler haben gewisse realistische Chancen, das Finale zu erreichen: meine beiden Geheimfavoriten (s.u.) sind Nummer 9 und 11 der Setzliste, und Nummer 18-20 sind immerhin noch Giri, Ivanchuk und Radjabov. Für Giri ist Elo 2737 seine bisher beste Zahl aber vielleicht noch nicht Ende der Fahnenstange, während die beiden anderen sich momentan am unteren Ende ihres langfristigen Elo-Spektrums befinden – da kann es wieder aufwärts gehen? Für diverse andere Spieler geht es wohl darum, einige KO-Runden zu überstehen und möglichst viel Preisgeld mitzunehmen. Und für einige ist die "Antrittsprämie" (offiziell Preisgeld für die Verlierer der ersten Runde) von netto 4800$ womöglich bereits mehr als sie sonst in einem einzelnen Turnier verdienen – bzw. zumindest für zwei Partien. Das ist dann auch eine weite Reise wert – diesmal nach Tromsö im hohen norwegischen Norden statt wie bisher nach Khanty-Mansiysk im fernen sibirischen Osten.

 

Ich werde nicht alle 128 Namen nennen, aber kurz zusammenfassen wie man (oder auch frau) sich für den Weltcup qualifizieren konnte:

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Totes Fussball-Rennen in Biel

Totes Fussball-Rennen in Biel

Vachier-Lagrave gewinnt dann den Tiebreak (Daniel Hausrath mit GM-Norm im Open)

Lange erschienen in Biel zwei Szenarien möglich:

1) Mit Bacrot gewinnt der solideste Spieler, während seine Konkurrenten sich munter gegenseitig besiegen. So wäre es nach klassischer Punktezählung gekommen – aber Biel hat Fussballregeln d.h. ein Sieg bringt drei Punkte und ein Remis nur einen Punkt. Anders ausgedrückt: ein Sieg und eine Niederlage ist mehr wert als zwei Remisen und (am Ende wichtig) +2-2 ist genauso viel wert wie +1=3. Damit konnte ein anderes(deja vu) Szenario eintreten:

2) Ein Chinese profitiert von den Fussballregeln und gewinnt das Turnier trotz Niederlage(n) gegen seinen direkten Konkurrenten. Letztes Jahr war es Wang Hao dessen unglaublicher +6=1-3 Score (darunter 0-2 gegen Carlsen) mehr wert war als Carlsens +4=6. Wang Hao spielt ja dieses Jahr in Dortmund – da hat er momentan nach 7 Runden auch dreimal verloren, aber nur zweimal gewonnen und bereits zwei Remis. P.S.: Während ich diesen Bericht schrieb, hat Wang Hao in Dortmund seine vierte Niederlage kassiert (gegen Khenkin). Der Bieler Chinese war diesmal Ding Liren der in der zweiten Turnierhälfte zulegen und damit seine Niederlage gegen Bacrot im ersten Umgang kompensieren konnte.

Nach der letzten Runde war alles wieder anders: vier Spieler punktgleich (Bacrot mit +2=8, Vachier-Lagrave, Moiseenko und Ding Liren mit +3=5-2) – plötzlich war Vachier-Lagrave im Rennen und konnte sich im fälligen Tiebreak durchsetzen, während Ding Liren auch das Podium verpasste:

Von links nach rechts: Peter Bohnenblust (Präsident des Organisationskomittees), Alexander Moiseenko (Zweiter), Maxime Vachier-Lagrave (Sieger), Etienne Bacrot (Dritter), Yannick Pelletier (Direktor des GM-Turniers) [Fotos Turnierseite]

 

Wie kam es dazu, was machten die vier erwähnten (und auch die beiden bisher nicht erwähnten) Spieler in der zweiten Turnierhälfte und danach im Tiebreak mit Blitz- und Schnellschach? Aus dramaturgischen Gründen werde ich Runde 6-9 kurz zusammenfassen und Runde 10 etwas ausführlicher erwähnen:

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Bieler Impressionen zur Halbzeit

Bieler Impressionen zur Halbzeit

Bacrot führt in kämpferischem Turnier

 

Das Bieler Schachfestival – dieses bzw. seit diesem Jahr heisst die GM-Gruppe aus gegebenem traurigem Anlass "in memoriam Olivier Breisacher" – "konkurriert" traditionell mit Dortmund. Dieses Jahr müssen sie vielleicht finanziell etwas kürzer treten, daher ein nominell etwas schwächeres aber dennoch (oder gerade deswegen) hochinteressantes Teilnehmerfeld das ich zunächst einmal kurz vorstelle, von "alt" bis jung:

Alexander Moiseenko ist mit 33 Jahren der "Senior" des Turniers, in der erweiterten Weltspitze (Elo 2700+) allerdings noch relativ 'jung': diese Zahl knackte er erstmals im Juli 2011, seither liegt er meistens knapp darüber und gelegentlich ganz knapp darunter – vor dem Turnier hatte er Elo 2699, momentan wird er hier wieder erwähnt. Im Scheinwerferlicht stand er zuletzt im Mai dieses Jahres, da wurde er Europameister.

Etienne Bacrot ist 30 und ein alter Bekannter. Grossmeister wurde er bereits mit 14 Jahren und steht damit in dieser Liste. 2005 schaffte er es in die top 10 in der er sich aber nicht langfristig etablieren konnte. Henne oder Ei? Neben Schach spielt(e) er auch Poker – schadete das seiner schachlichen Karriere, oder war es finanziell attraktiver da er im Schach den absoluten Durchbruch nicht schaffte? Und ein Familienvater muss Geld verdienen … . Wie dem auch sei, mit ihm muss man immer noch rechnen was er auch im laufenden Turnier zeigt.

Bacrot hat gut lachen (Quelle: Turnierseite)

 

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Peking Grand Prix Nachlese

Peking Grand Prix Nachlese

Restbilder, Röntgenblick, Geometrie

Zum Abschlussbericht hatte ich noch Diagramme versprochen, hatte allerdings dann gut eine Woche Computerprobleme und jetzt ist es nicht mehr aktuell – die Diagramme gibt es doch noch, der Text drumherum ist nun eher "zeitlos": schachliche Motive, Irrungen und Wirrungen, Pleiten Pech und Pannen die es immer mal wieder gibt, auch auf höchstem Niveau. Ich beginne mit Fragmenten aus zwei Partien, die für den Turnierausgang nicht entscheidend waren; die drei Protagonisten wurden am Ende geteilter 9.-11. bzw. 12. und Letzter.

Runde 9 wurde am Sonntag den 14.7. gespielt; eine Partie passt daher zum Thema "Gurken des Wochenendes" – insgesamt waren es vier bzw. zweimal zwei und am Ende wurde es remis.

 

Wang Hao – Gelfand nach 34.Sxf5?

 

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Peking Grand Prix Abschlussbericht

Peking Grand Prix Abschlussbericht

Mamedyarov (Foto) gewinnt, Grischuk Zweiter, Topalov "mission accomplished"

Was tat sich in den letzten drei Runden in Peking? Einerseits "nichts" oder fast nichts – da 8 von 12 Spielern das Turnier mit 1.5/3 abschlossen ist der Zwischenstand nach acht Runden beinahe identisch mit dem Endstand. Abgesehen von einigen Plätzen im unteren Mittelfeld und Platz 1 und 2: Mamedyarov hatte zum Schluss einen halben Punkt Vorsprung vor Grischuk – nicht weil er am Ende glänzte sondern weil Grischuk schwächelte. Karjakin beendete das Turnier mit dreimal Remis und hatte damit insgesamt diese Serie: 1 1 1 1/2 1/2 0 0 0 1/2 1/2 1/2. Sein nächstes Turnier ist offenbar der Weltcup: was auch immer er da macht, dreimal hintereinander verlieren geht nicht – denn wer zweimal hintereinander verliert (ob mit klassischer Bedenkzeit oder im Tiebreak) kann im KO-System die Koffer packen. Leko zeigte auch dass er remis spielen kann, aber das wussten wir bereits. In diversen anderen Partien gab es einen Sieger, und damit war es bis zum Schluss spannend einschliesslich 'deja vu' in der vorletzten Runde.

Endstand: Mamedyarov 7/11, Grischuk 6.5, Leko und Topalov 6, Morozevich, Karjakin, Giri, Wang Yue 5.5, Ivanchuk, Gelfand, Wang Hao 5, Kamsky 3.5 . Wie kam es dazu?

Turnierseite Zeitplan Grand Prix Runde: 1 2 3 4

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Peking Grand Prix nach acht Runden

Peking Grand Prix nach acht Runden

Mamedyarov und Grischuk vorne, Karjakin nun bei 50%

 

Wiederum beginne ich mit dem neuesten Zwischenstand: Mamedyarov und Grischuk 5.5/8, Topalov und Leko 4.5, Ivanchuk, Karjakin, Giri, Wang Yue und Morozevich 4, Wang Hao und Gelfand 3, Kamsky 2. Das Foto der beiden Führenden vor ihrer Partie stammt von der Turnierseite – im Hintergrund einige chinesische Kibitze, im Schachkleid Hou Yifan. Vor allem an der Spitze hat sich einiges geändert, daher auch noch die "Tabelle" für die Runden fünf bis acht: Grischuk 3/4, Mamedyarov, Leko, Gelfand, Ivanchuk 2.5, Topalov, Morozevich, Giri, Wang Hao 2, Wang Yue 1.5, Kamsky 1, Karjakin 0.5. Was spontan auffällt: Leko hat tatsächlich eine Partie gewonnen, im Gegensatz zu Karjakin der stattdessen dreimal seinem Gegner gratulieren musste. Wie es dazu kam und was das miteinander zu tun hat, dazu komme ich gleich.

                                              

Im ersten Bericht hatte ich bereits erwähnt, dass die Karten im zweiten Turnierdrittel neu gemischt werden können da die fünf damals Führenden in den nächsten vier Runden gegeneinander spielen würden – und von diesen sieben Partien endeten nur zwei remis, ausserdem haben Karjakin und Wang Yue noch einmal gegen "den Rest" verloren. Möglichst keine Partie verlieren ist etwa genauso wichtig wie ab und zu zu gewinnen, und Niederlagen gegen direkte Konkurrenten zählen doppelt. "Wie kann man Spieler X besiegen?" wird dann auch ein Schwerpunkt meines Berichtes, nun Runde für Runde:

 

Runde 5: Wie kann man Wang Yue besiegen? Indem man ihn in taktisches Fahrwasser lockt – Read More

Peking Grand Prix nach vier Runden

Peking Grand Prix nach vier Runden

Karjakin (Foto) führt ("So far so good"), Mamedyarov lauert, Topalov kontrolliert

 

Beginnen wir mal mit den nackten Fakten, nämlich dem Stand vor dem ersten Ruhetag: Karjakin 3.5/4, Mamedyarov 3, Grischuk, Wang Yue und Topalov 2.5, Leko, Morozevich und Giri 2, Ivanchuk 1.5, Kamsky und Wang Hao 1, Gelfand 0.5. Was die Chancen der Spieler im gesamten Grand Prix Zyklus betrifft (vergleiche meinen Vorbericht): Karjakins Situation hat sich deutlich verbessert, Topalov hat bisher alles unter Kontrolle, Mamedyarov ist im Rennen muss aber noch zulegen – und zumindest die vier Letzten werden sich wohl eher nicht über die GP-Serie fürs Kandidatenturnier qualifizieren. Es kommen zwar noch sieben Runden, aber dieses vorsichtige Fazit kann man bereits ziehen.

 

Die ersten fünf sind bisher ungeschlagen – wie auch Leko der viermal remisierte (aber nur die vierte Partie gegen Giri kann man als langweilig abhaken). Wie und wann haben sie gewonnen? Karjakin begann mit drei Siegen – eine Parallele zum norwegischen Superturnier in dem "So far so good" Teil seiner sämtlichen Pressekonferenzen wurde. Er profitierte (auch) davon, dass seine Gegner ebenfalls gewinnen oder zumindest interessante Partien spielen wollten – dadurch bekam er Chancen die er konsequent nutzte. Ob Verteidigung oder Angriff bzw. Gegenangriff – er fand immer die richtige Methode und zumindest fast immer die jeweils richtigen Züge. Im Gegensatz zu Norwegen 'gönnte' er dann seinem vierten Gegner, Landsmann Grischuk, ein Remis. Ein scheinbar wilder Najdorf-Sizilianer endete mit Dauerschach – da beide mehr oder weniger blitzten, hatten sie vielleicht auch die Schlusstellung noch auf dem Analysebrett bzw. –monitor?

 

Mamedyarov spielte kreativ, vielleicht nicht immer völlig korrekt, aber so gewann er in Runde drei und vier. Topalov überlistete gleich zu Anfang Gelfand in einem Grünfeld-Inder; parallel gewann Grischuk eine chaotische Partie gegen Kamsky, am Ende durch gegnerische Zeitüberschreitung in wohl ausgeglichener Stellung. Und Wang Yue konnte in Runde 4 ein aus gegnerischer Sicht wohl haltbares Turmendspiel gegen Kamsky gewinnen. Das war's dann wohl was Kamskys Chancen betrifft – in Thessaloniki war er noch ganz vorne dabei.

Turnierseite Zeitplan Grand Prix Runde: 1 2 3 4

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Zum Stand im WM-Zyklus 2012-2014

Zum Stand im WM-Zyklus 2012-2014
Wer spielt im nächsten Kandidatenturnier? Kollege Franz Jittenmeier hat das Grand Prix Turnier in Peking ja bereits angekündigt, dazu nur eine kleine Ergänzung: der Chinese Wang Yue (“Wang der Erste”, bevor Wang Hao ihn in der Weltspitze überholte) ist Ersatzmann für Radjabov der wiederum abgesagt hat. Für den Weltcup...