Gelfand hofft auf Fortschritte in Israel

Wackerer WM-Herausforderer lässt zu viele Gewinnchancen gegen Anand aus Von Hartmut Metz Mit der Zukunft wollte sich Viswanathan Anand nicht beschäftigen. Erst einmal gedachte der Schach-Weltmeister seine „glückliche“ Titelverteidigung in der Verlängerung „zu genießen“. Der „Tiger von Madras“ hatte beim 6:6 gegen Boris Gelfand nicht mehr den Biss seiner drei Weltmeisterschaften seit 2007. Dank seiner herausragenden Qualitäten als Schnellschach-Spieler reichte es aber dem 42-Jährigen in Moskau, seine Regentschaft mit einem 2,5:1,5 nochmals zu strecken. 2014 dürfte den „schnellen Brüter“ aus Indien aber eine neue Generation ablösen. In der Weltrangliste hat ihn bereits ein Trio längst überholt: Sein 21-jähriger Mannschaftskamerad bei

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Hitziger Nakamura immer aggressiv

Neuer US-Meister regt sich über seine Biografie auf Von Hartmut Metz Viswanathan Anand hat seinen WM-Titel knapp gegen Boris Gelfand verteidigt. Die zwölf Turnierpartien beim 6:6 waren jedoch wenig dazu angetan, den Blutdruck der Schach-Fans in die Höhe zu treiben. Erst die Verlängerung am Mittwoch in Moskau beschleunigte den Puls der Liebhaber des königlichen Spiels. In vier aufregenden Schnellschach-Partien behielt der Inder mit 2,5:1,5 die Oberhand über den Herausforderer aus Israel. Vom ersten Zug an ging es bei der US-Meisterschaft ganz anders zur Sache! In St. Louis sorgten vor allem die Kämpfer Gata Kamsky und Hikaru Nakamura für unterhaltsame Begegnungen.

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Schnellste WM-Schlappe seit 1886

Gelfand unterliegt in 17 Zügen / Zukertort zerbricht an Pleite Von Hartmut Metz Die Spannung an Pfingsten steigt. Heute und am Montag werden die letzten zwei Partien der Schach-WM in Moskau ausgetragen. Nach dem bisherigen Verlauf zeichnet sich in der Tretjakow-Galerie eine Verlängerung am Mittwoch im Schnellschach ab. 5:5 heißt es nämlich in dem bisher sehr ausgeglichenen Match zwischen Viswanathan Anand und seinem Herausforderer Boris Gelfand. Der Israeli ging in Runde sieben in Führung – doch der Weltmeister glich postwendend aus. Gelfand unterlief ein ganz seltener Patzer und gab bereits im 17. Zug mit Schwarz auf! Damit besiegelte er die

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Damenfang nach Schlaftabletten-Schach

Kürzeste Schlappe in der WM-Geschichte seit 1886: Gelfand verliert in 17 Zügen / Bisher handzahmer „Tiger von Madras“ gleicht zum 4:4 aus Von Hartmut Metz Boris Gelfand sah noch zerzauster aus als sonst. Vergräbt der Israeli bei jedem Zug ohnehin stets seinen Haarschopf tief in den Händen, bestand am Montagabend in der Tretjakow-Galerie Anlass, richtig gerupft zu wirken. In nur 17 Zügen kassierte der Herausforderer von Viswanathan Anand die schnellste Niederlage in der Geschichte der Schach-Weltmeisterschaften seit 1886! Der bisher so handzahme „Tiger von Madras“ bewies in der achten von zwölf Partien in Moskau endlich Biss und glich nach der

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Entschuldigung bei Gelfand fällig

Israeli schlägt sich bei Schach-WM gegen Anand besser als gedacht Von Hartmut Metz Die ersten fünf Duelle der Schach-WM in Moskau haben wenig spektakuläre Partien gebracht. Alle endeten friedlich. Allein in Runde drei kam Spannung auf. Titelverteidiger Viswanathan Anand hatte Gewinnchancen, doch Boris Gelfand entwischte. Der Herausforderer darf deshalb mit dem Auftakt zufrieden sein. Der Israeli überraschte den Inder vor allem mit den schwarzen Steinen, weil er erstmals in seiner Karriere zur Grünfeld-Indischen-Verteidigung griff. Mühelos glich der gebürtige Weißrusse aus. Der russische Großmeister Sergej Schipow wetterte danach, viele Fans müssten sich jetzt bei Gelfand entschuldigen – im Vorfeld hatte dem

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Wer zu spät kommt, den bestraft …

Regularien erhitzen bei Schach-Europameisterschaft die Gemüter Von Hartmut Metz Ich spielte einfach ein Turnier, ohne mir konkrete sportliche Ziele zu stecken – und plötzlich war ich Europameister!“ Reichlich unspektakulär beschreibt Dimitri Jakowenko seinen Sieg bei der EM in Plowdiw. Der russische Nationalspieler schlug in der elften Runde den bis dahin führenden Laurent Fressinet und kam als einziger der 345 Teilnehmer (darunter 176 Großmeister) auf 8,5 Punkte. Den Pulk mit einem halben Zähler weniger führte der unterlegene Franzose an und gewann Silber vor vier weiteren Russen, Wladimir Malachow, Dimitri Andreikin, Ernesto Inarkiew und Maxim Matlakow. Bester Deutscher war der Bochumer Daniel

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Zürich hochwertiger als Moskau?

Aronjan und Kramnik trennen sich 3:3 / WM-Finale beginnt am Donnerstag Von Hartmut Metz Die Schach-Weltmeisterschaft steht an: Ab Donnerstag sitzen sich in Moskau Weltmeister Viswanathan Anand und sein Herausforderer Boris Gelfand gegenüber. Der Israeli gilt als Außenseiter in den zwölf Partien. Der Sieger erhält 1,53 Millionen der 2,55 Millionen Dollar Preisgeld. Im Vergleich zu früheren WM-Kämpfen wird das Match gewiss kein Hass-Duell. Der 42-jährige Inder und der 43-jährige gebürtige Minsker gehören nicht nur derselben Generation an, sondern pflegen als zurückhaltende Menschen auch freundschaftlichen Umgang miteinander. Gelfand sandte Anand nach der Geburt seines inzwischen einjährigen Sohnes ein Präsent, genauso verfuhr

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„Seine Energie ist wie Dynamit“

Kasparow begeistert EU-Parlamentarier für Schach an Schulen Von Hartmut Metz (Foto) Energie wie Dynamit“ hat Großmeister Helmut Pfleger eine seiner beliebten Schach-Kolumnen im „Zeit“-Magazin überschrieben. Bezogen hat der Münchner Psychiater diese auf Garri Kasparow. Die Leichtigkeit und der Humor fehlten dem Russen völlig. Pfleger beschreibt auch in seinem vortrefflichen Buch „Schach-Zeit-Knaller“ (Edition Olms, 16,80 Euro), wie Kasparow eher „nebensächliche Simultanveranstaltungen todernst nimmt“ und sich selbst „in Hannover gegen Petra Schürmann, eine Amateurin reinsten Wassers, so reinkniete, als ob es um sein Leben ginge, und er außer sich vor Wut war, als er bei diesem Simultanspiel eine Partie verlor“. Dr. Pfleger

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Hexenmeister greift wie der Teufel an

Kompromissloser Naiditsch ist der Baden-Badener Titelgarant Von Hartmut Metz (Foto rechts) Kann man deutscher Meister werden, wenn man unter seinem Niveau spielt? Die OSG Baden-Baden machte es vor. Obwohl das Gros des Kaders unter seinen Möglichkeiten blieb, holten die Großmeister aus der Kurstadt zum siebten Mal in Folge den Titel. Ein paar Weltranglistenpunkte gewannen allein Liviu-Dieter Nisipeanu und Jan Gustafsson durch ihre jeweils 6,5:1,5 Punkte dazu. Kein einziger Baden-Badener findet sich in den Top Ten der besten Bundesligaspieler. „Es war eine schwierige Saison für uns. Mit meinen 7,5:5,5 Punkten spielte ich so schlecht wie noch nie in der Bundesliga“, klagt

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Zwei „Elfmeter“ für Serienmeister OSG

Baden-Badener Schachspieler peilen siebten nationalen Titel an Von Hartmut Metz Seit 2006 gibt es nur einen deutschen Meister in der Schach-Bundesliga: die OSG Baden-Baden. Der siebte Titel in Folge soll heute im LA8 unter Dach und Fach gebracht werden. Vergeben die Großmeister aus der Kurstadt ab 14 Uhr den ersten Elfmeter gegen den Tabellendritten Eppingen (20:6 Punkte), hat der Spitzenreiter (24:2) morgen im zweiten badischen Derby in der Lichtentaler Allee gegen Aufsteiger Hockenheim (14:12) einen zweiten Elfer in der Hinterhand. Die Hoffnungen von Dauerrivale Werder Bremen (21:5), dass die Kurstädter stolpern, sind daher verschwindend gering. Das vorentscheidende Duell gewannen die

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Tiefen Ausschnitt und Mini-Rock mattgesetzt

Kleiderordnung bei Frauen-EM in Türkei sorgt für Aufregung / Zwei Medaillen für Pähtz Von Hartmut Metz Das knappe Outfit wie beim Beachvolleyball ist beim Schach noch nicht vorgeschrieben. Die Europameisterschaften der Frauen im türkischen Gaziantep sorgten jedoch für Aufsehen. Die Europäische Schachunion hatte einen Maßnahmenkatalog aufgestellt, gemäß dem die Teilnehmerinnen in farbig „harmonischer“ Kleidung anzutreten hatten. Die maximale Rockkürze blieb offen, aber an der Bluse durften maximal die zwei obersten Knöpfe und der unterste geöffnet sein. Wäre eine Spielerin negativ aufgefallen, hätte sie nach einer Abmahnung eine Stunde Zeit erhalten, die Kleider zu wechseln. So weit kam es in der

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„Der vorletzte Fehler gewinnt“

125. Geburtstag: Savielly Tartakower ein Meister am Brett und des geschliffenen Worts Von Hartmut Metz Eine Drohung ist stärker als ihre Ausführung!“ Diesen Leitsatz hört jeder, der sich ernsthaft mit Schach beschäftigt, früher oder später von seinem Trainer. Savielly Tartakower, der vor 125 Jahren auf die Welt kam, hatte die besondere Gabe, alles rund ums Schach auf den Punkt zu bringen. Dabei half ihm sicher auch seine enorme Spielstärke. Der am 22. Februar 1887 in Rostow am Don geborene Großmeister liebte das Schach und nahm an mehr als 100 Turnieren teil. Von 1920 bis 1930 zählte Tartakower sicher zu den

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Tarrasch kein „herzloser Dogmatiker“

Zar Nikolaus II. verleiht ersten Großmeister-Titel nach großem Sieg Von Hartmut Metz Siegbert Tarrasch ist oft als Dogmatiker verschrien worden (dritter und letzter Teil zu seinem 150. Geburtstag am 5. März). Der „Lehrmeister der Deutschen“ hat aber durch seine Bücher und Lehrsätze enorm viel erreicht. Garri Kasparow, einer der besten Spieler aller Zeiten, würdigt den Nürnberger Mediziner in der Buchreihe über seine großen Vorgänger als Weltmeister besonders: „Dr. Tarrasch, ein eiserner Verfechter von Steinitz‘ Theorien, wurde von nachfolgenden Generationen zu Unrecht als ,herzloser Dogmatiker’ apostrophiert. Tatsächlich hat sein unermüdliches Eintreten für die positionellen Ideen von Steinitz einen wichtigen Beitrag zur

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„Für Sie habe ich nur drei Worte!“

Tarrasch verliert WM-Kampf wegen der „Seeluft in Düsseldorf“  Von Hartmut Metz Siegbert Tarrasch betrat den Raum, blickte Emanuel Lasker an, schlug die Hacken zusammen und verbeugte sich steif: „Für Sie, Herr Dr. Lasker, habe ich nur drei Worte: Schach und Matt!“ Nach dieser einmaligen Begrüßung in der Geschichte der Weltmeisterschaften verbeugte sich Tarrasch nochmals kurz und schritt von dannen. Diese Szene von 1908, die im schönsten Schach-Lesebuch „Die Großmeister des Schach“ von Harold Schonberg so trefflich beschrieben wird, spiegelt das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Vorzeige-Großmeistern wider. Der am 5. März 1862 geborene Tarrasch (Fortsetzung von Teil 1 zu seinem

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Der „Lehrmeister der Deutschen“

Der vor 150 Jahren geborene Siegbert Tarrasch prägte das Schach Von Hartmut Metz Kein Spieler hat das deutsche Schach so geprägt wie Siegbert Tarrasch. Der stets edel gekleidete Doktor aus Nürnberg ging als „Lehrmeister der Deutschen“ in die Geschichte ein. Am Montag steht der 150. Geburtstag des Großmeisters an, der 1914 von Zar Nikolaus II. in St. Petersburg als einer von fünf Granden des Turniers in St. Petersburg den Titel als Erster verliehen bekam. Neben dem Amerikaner Frank Marshall wurde die Ehre den Weltmeistern José Raúl Capablanca, Alexander Aljechin und Emanuel Lasker zuteil. Mit dem ebenfalls jüdischen Landsmann Lasker sollte

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„Mozart“ liest Donald Duck

Amerikanischer TV-Dauerbrenner „60 Minutes“ feiert Magnus Carlsen / Biographie des Weltranglistenersten erscheint bei Edition Olms Von Hartmut Metz (Foto) Eine starke Rückhand zeichnet ihn im Tennis aus. Noch begeisterter spielt der 21-Jährige Fußball – nicht nur, weil sein früherer Trainer Simen Agdestein außer Großmeister auf den 64 Feldern auch norwegischer Fußball-Nationalspieler mit acht Einsätzen (ein Tor) war. Am besten ist Magnus Carlsen aber zweifellos im Schach. Die amerikanische Kultsendung „60 Minutes“, die bereits seit 1968 auf CBS läuft, widmete sich nun enthusiastisch eine knappe Viertelstunde lang dem Weltranglistenersten. Der Sender vermeldete nicht nur erstaunt, dass ein Denkakrobat 1,5 Millionen US-Dollar

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Wachablösung bei den Frauen

Chinesisches Wunderkind Hou (Foto) schlägt Ausnahmespielerin Polgar von FM Hartmut Metz (SG Rochade Kuppenheim) Judit Polgar hat 20 Jahre lang gegen keine Frau eine Turnierpartie verloren – und davor hatte sich die beste Schachspielerin aller Zeiten auch nur von ihrer älteren Schwester Susan bezwingen lassen. Bei der historischen Niederlage war sie erst 16. In den zwei Jahrzehnten hat die Budapesterin, die mit 15 den legendären Rekord von Bobby Fischer als jüngster Herren-Großmeister der Welt brach, zwar kaum gegen Frauen gespielt, aber das lang einfach auch daran, dass die Rivalinnen einfach viel zu schwach waren. Polgar tummelte sich hingegen in den

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Aronjan feiert ersten “Wimbledon”-Sieg

Armenier deklassiert Konkurrenz im holländischen Wijk aan Zee  von FM Hartmut Metz, 11. Februar 2012  "In Wijk aan Zee zu gewinnen, halte ich für etwas Besonderes", unterstrich Lewon Aronjan nach seinem Erfolg in dem niederländischen Küstenörtchen und erhob das Turnier zum "Wimbledon des Schachsports". Die letzte Stufe zum "Wimbledon"-Sieg erklomm der Armenier leichten Fußes: Kontrahent Teimour Radjabow bot selbst gerne eine Zugwiederholung an, "weil ich mit dem Remis ungeschlagen blieb" – und Aronjan hatte noch weniger Gründe, dieser auszuweichen. Der einzige hätte darin bestanden, die Partie auch zu gewinnen und somit in der Weltrangliste Magnus Carlsen zu überflügeln.

Falsche “Liebesgrüße aus Moskau”

Geniale Partie von Spasski wird in James-Bond-Film verpatzt / Zweiter Teil zum 75. Geburtstag von Weltmeister "0010"  von FM Hartmut Metz  "Mein Name ist Spasski, Boris Spasski." Obwohl der Russe schon etwas zu einer der berühmtesten Kino-Serien beitrug, war er nicht als 007 im Einsatz ihrer Majestät. Der Jubilar, der am Montag 75 wurde (wir berichteten), ist die 0010 – in der Reihe der Schach-Weltmeister. Der Großmeister, der im legendären "Kampf des Jahrhunderts" und der politischen Systeme dem Amerikaner Bobby Fischer 1972 in Reykjavik unterlag, lieferte die Vorlage für eine Szene im James-Bond-Streifen "Liebesgrüße aus Moskau".   Bei der 27.

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Der unglückliche Weltmeister wird 75

Boris Spasski verlor "Kampf der Systeme" gegen Bobby Fischer von FM Hartmut Metz (Foto)  Die unglücklichsten Jahre meines Lebens waren die als Weltmeister", soll Boris Spasski in mehreren Interviews verbreitet haben. Insofern muss er froh gewesen sein, "nur" drei Jahre auf dem höchsten Schach-Thron gesessen zu haben. Als Begründung für die überraschende Antwort nannte der Russe die mit dem Titel "verbundene Verantwortung". Die habe ihn zu sehr belastet – und dass das keine bloße Koketterie eines genialen Großmeisters ist, belegt die Zeit nach 1972: Kaum hatte Spasski beim "Match des Jahrhunderts" und der Systeme gegen Bobby Fischer mit 8,5:12,5 den

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