Begrüßungschöre für edlen Boris

Begrüßungschöre für edlen Boris

Israel befindet sich trotz Gelfands Niederlage im Schach-Fieber

 

Von Hartmut Metz

„Boris, Boris!“ Solch enthusiastische Begrüßungschöre samt rhythmischem Klatschen wie auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv erleben Schachspieler höchst selten. Boris Gelfand wurde nach seiner Rückkehr nach Israel gefeiert wie ein Champion. Während sich die Inder an die Erfolge von Weltmeister Viswanathan Anand gewöhnt haben, schlug selbst die achtbare Niederlage in der Verlängerung der WM Gelfands Landsleute in den Bann. Schach war plötzlich das Top-Thema in den Medien. Premierminister Benjamin Netanjahu, der im Vorjahr noch gegen Gelfand ein Freundschaftsduell ausgetragen hatte, kommentierte trotz aller Krisen das Geschehen bei der WM.

„Wenn ich groß bin, will ich Boris Gelfand sein“, wünschten sich plötzlich Schulkinder, berichtete Shay Bushinsky auf der englischsprachigen Webseite der Hamburger Software-Firma Chessbase. Ganz Israel sei „schachverrückt – ein Phänomen, das vielleicht nur vor 40 Jahren in Island beobachtet wurde“, befand Schachprogramm-Guru Bushinsky mit Blick auf das Match des Jahrhunderts 1972 zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski. „Zu lange wurde Schach als Zeitvertreib für ältere Menschen in den Parks gesehen. Mein Erfolg soll nun für meine Nachfolger genutzt werden“, betonte Gelfand. Der 43-Jährige durfte sich freuen, dass die Regierung das Budget für die Nachwuchsförderung in der Randsportart umgehend verdoppelte.

Read More

Gelfand hofft auf Fortschritte in Israel

Gelfand hofft auf Fortschritte in Israel

Wackerer WM-Herausforderer lässt zu viele Gewinnchancen gegen Anand aus

Von Hartmut Metz

Mit der Zukunft wollte sich Viswanathan Anand nicht beschäftigen. Erst einmal gedachte der Schach-Weltmeister seine „glückliche“ Titelverteidigung in der Verlängerung „zu genießen“. Der „Tiger von Madras“ hatte beim 6:6 gegen Boris Gelfand nicht mehr den Biss seiner drei Weltmeisterschaften seit 2007. Dank seiner herausragenden Qualitäten als Schnellschach-Spieler reichte es aber dem 42-Jährigen in Moskau, seine Regentschaft mit einem 2,5:1,5 nochmals zu strecken. 2014 dürfte den „schnellen Brüter“ aus Indien aber eine neue Generation ablösen.

In der Weltrangliste hat ihn bereits ein Trio längst überholt: Sein 21-jähriger Mannschaftskamerad bei der OSG Baden-Baden, Magnus Carlsen, gilt als Kronprinz. Wenn nicht der geniale Norweger auf den Thron folgt, dann wohl der Berliner Lewon Aronjan (29), der kurzzeitig für den Deutschen Schachbund statt Armenien gemeldet war. Der russische Wladimir Kramnik (36) wirkte zuletzt auch weit inspirierter als Anand, der seit zwei Jahren auf einen Turniererfolg wartet und in der Weltrangliste auf Platz vier abrutschte. Mit US-Meister Hikaru Nakamura (23) sei ein Letzter genannt, der dafür sorgen wird, dass der 43-jährige Gelfand gewiss keine zweite Chance auf die WM-Krone mehr erhält.

Read More

Hitziger Nakamura immer aggressiv

Hitziger Nakamura immer aggressiv

Neuer US-Meister regt sich über seine Biografie auf

Von Hartmut Metz

Viswanathan Anand hat seinen WM-Titel knapp gegen Boris Gelfand verteidigt. Die zwölf Turnierpartien beim 6:6 waren jedoch wenig dazu angetan, den Blutdruck der Schach-Fans in die Höhe zu treiben. Erst die Verlängerung am Mittwoch in Moskau beschleunigte den Puls der Liebhaber des königlichen Spiels. In vier aufregenden Schnellschach-Partien behielt der Inder mit 2,5:1,5 die Oberhand über den Herausforderer aus Israel.

Vom ersten Zug an ging es bei der US-Meisterschaft ganz anders zur Sache! In St. Louis sorgten vor allem die Kämpfer Gata Kamsky und Hikaru Nakamura für unterhaltsame Begegnungen. Der japanisch-stämmige 24-Jährige holte sich dabei im Zwölferfeld mit 8,5:2,5 Punkten zum dritten Mal den US-Titel. Der ehemalige Vizeweltmeister Kamsky belegte mit 7,5 Zählern Rang zwei hinter dem Weltranglistensiebten.

Read More

Schnellste WM-Schlappe seit 1886

Schnellste WM-Schlappe seit 1886

Gelfand unterliegt in 17 Zügen / Zukertort zerbricht an Pleite

Von Hartmut Metz

Die Spannung an Pfingsten steigt. Heute und am Montag werden die letzten zwei Partien der Schach-WM in Moskau ausgetragen. Nach dem bisherigen Verlauf zeichnet sich in der Tretjakow-Galerie eine Verlängerung am Mittwoch im Schnellschach ab. 5:5 heißt es nämlich in dem bisher sehr ausgeglichenen Match zwischen Viswanathan Anand und seinem Herausforderer Boris Gelfand. Der Israeli ging in Runde sieben in Führung – doch der Weltmeister glich postwendend aus.

Gelfand unterlief ein ganz seltener Patzer und gab bereits im 17. Zug mit Schwarz auf! Damit besiegelte er die kürzeste Schlappe in der Geschichte der Schach-Weltmeisterschaften, die 1886 begann. Damals unterlag Johannes Zukertort dem ersten offiziellen Champion, Wilhelm Steinitz, einmal in 19 Zügen. Auf der Tour durch die USA führte der deutsch-polnische Meister mit 4:1, ehe er völlig einbrach und 7,5:12,5 unterlag.

Nachstehend die beiden kürzesten Gewinnpartien der WM-Geschichte.

Read More

Damenfang nach Schlaftabletten-Schach

Damenfang nach Schlaftabletten-Schach

Kürzeste Schlappe in der WM-Geschichte seit 1886: Gelfand verliert in 17 Zügen / Bisher handzahmer „Tiger von Madras“ gleicht zum 4:4 aus

Von Hartmut Metz

Boris Gelfand sah noch zerzauster aus als sonst. Vergräbt der Israeli bei jedem Zug ohnehin stets seinen Haarschopf tief in den Händen, bestand am Montagabend in der Tretjakow-Galerie Anlass, richtig gerupft zu wirken. In nur 17 Zügen kassierte der Herausforderer von Viswanathan Anand die schnellste Niederlage in der Geschichte der Schach-Weltmeisterschaften seit 1886! Der bisher so handzahme „Tiger von Madras“ bewies in der achten von zwölf Partien in Moskau endlich Biss und glich nach der Vortagesschlappe zum 4:4 aus.

Die Kommentatoren rätselten, wie es zu diesem Missgeschick kommen konnte. Jan Nepomniachtschi geißelte Gelfand: „Man muss nach einem Sieg mit den schwarzen Steinen solider spielen“, tadelte der russische Großmeister den 43-Jährigen aus Rishon LeZion und suchte gleich nach einer Erklärung für dessen Patzer, „Boris spürte vielleicht, dass sein Gegner kaum Zuversicht ausstrahlte und wollte ihm den K.o. verpassen.“ Das ging gründlich daneben, obwohl Gelfand nach dem Führungstreffer in 38 Zügen „acht Stunden exzellent durchgeschlafen“ hatte, während der Titelverteidiger laut eigener Aussage schon merklich ruhigere WM-Nächte durchlebt hatte.

Read More

Entschuldigung bei Gelfand fällig

Entschuldigung bei Gelfand fällig
Israeli schlägt sich bei Schach-WM gegen Anand besser als gedacht Von Hartmut Metz Die ersten fünf Duelle der Schach-WM in Moskau haben wenig spektakuläre Partien gebracht. Alle endeten friedlich. Allein in Runde drei kam Spannung auf. Titelverteidiger Viswanathan Anand hatte Gewinnchancen, doch Boris Gelfand entwischte. Der Herausforderer darf deshalb...

Wer zu spät kommt, den bestraft …

Wer zu spät kommt, den bestraft …

Regularien erhitzen bei Schach-Europameisterschaft die Gemüter Von Hartmut Metz Ich spielte einfach ein Turnier, ohne mir konkrete sportliche Ziele zu stecken – und plötzlich war ich Europameister!“ Reichlich unspektakulär beschreibt Dimitri Jakowenko seinen Sieg bei der EM in Plowdiw. Der russische Nationalspieler schlug in der elften Runde den bis dahin führenden Laurent Fressinet und kam als einziger der 345 Teilnehmer (darunter 176 Großmeister) auf 8,5 Punkte. Den Pulk mit einem halben Zähler weniger führte der unterlegene Franzose an und gewann Silber vor vier weiteren Russen, Wladimir Malachow, Dimitri Andreikin, Ernesto Inarkiew und Maxim Matlakow. Bester Deutscher war der Bochumer Daniel Fridman mit 7,5 Punkten. Der Mülheimer Bundesligaspieler verpasste als 27. hauchdünn die Qualifikation für den Weltcup. Als Nachrücker könnte der deutsche Einzel-Meister aber wie beim letzten Mal doch noch teilnehmen, wenn sich vier der 23 Großmeister direkt über die Weltrangliste dafür qualifizieren. Der Wiesbadener Igor Khenkin belegte punktgleich Rang 34. Der Baden-Badener Bundesliga-Topscorer Arkadij Naiditsch lag zwischenzeitlich sogar in Front, brach dann aber etwas ein. Die deutsche Nummer eins musste sich am Schluss mit sieben Punkten zufriedengeben. Die strikten Regeln in Bulgarien stießen bei vielen Profis auf wenig Gegenliebe. Mit der Kleiderordnung, die anders als bei den Frauen keine Rocklänge vorgab oder bestimmte, wie viele Blusenknöpfe geöffnet sein sollen, hatten die Herren kaum Probleme. Wer dagegen am Brett zu spät kam, den bestrafte der Schiedsrichter: Mitfavorit Schachrijar Mamedjarow verlor als prominentestes Opfer erst kampflos, weil er ein paar Sekunden zu spät erschien. Der Aseri

Read More

Zürich hochwertiger als Moskau?

Zürich hochwertiger als Moskau?

Aronjan und Kramnik trennen sich 3:3 / WM-Finale beginnt am Donnerstag

Von Hartmut Metz

Die Schach-Weltmeisterschaft steht an: Ab Donnerstag sitzen sich in Moskau Weltmeister Viswanathan Anand und sein Herausforderer Boris Gelfand gegenüber. Der Israeli gilt als Außenseiter in den zwölf Partien. Der Sieger erhält 1,53 Millionen der 2,55 Millionen Dollar Preisgeld. Im Vergleich zu früheren WM-Kämpfen wird das Match gewiss kein Hass-Duell. Der 42-jährige Inder und der 43-jährige gebürtige Minsker gehören nicht nur derselben Generation an, sondern pflegen als zurückhaltende Menschen auch freundschaftlichen Umgang miteinander. Gelfand sandte Anand nach der Geburt seines inzwischen einjährigen Sohnes ein Präsent, genauso verfuhr der „Tiger von Madras“ bei der Niederkunft in Rischon Le Zion. Weil in Moskau „nur“ der Weltranglistenvierte Anand und die Nummer 20 Gelfand antreten, hielt mancher Fan einen Zweikampf in Zürich für attraktiver. Dort beharkten sich der Weltranglistenzweite Lewon

Read More

„Seine Energie ist wie Dynamit“

„Seine Energie ist wie Dynamit“

Kasparow begeistert EU-Parlamentarier für Schach an Schulen Von Hartmut Metz (Foto)

Energie wie Dynamit“ hat Großmeister Helmut Pfleger eine seiner beliebten Schach-Kolumnen im „Zeit“-Magazin überschrieben. Bezogen hat der Münchner Psychiater diese auf Garri Kasparow. Die Leichtigkeit und der Humor fehlten dem Russen völlig. Pfleger beschreibt auch in seinem vortrefflichen Buch „Schach-Zeit-Knaller“ (Edition Olms, 16,80 Euro), wie Kasparow eher „nebensächliche Simultanveranstaltungen todernst nimmt“ und sich selbst „in Hannover gegen Petra Schürmann, eine Amateurin reinsten Wassers, so reinkniete, als ob es um sein Leben ginge, und er außer sich vor Wut war, als er bei diesem Simultanspiel eine Partie verlor“. Dr. Pfleger diagnostiziert: „Garri Kasparow macht alles hundertprozentig“ und verweist darauf, was die Mutter des früheren Weltmeisters, Klara, an ihrem Söhnchen am meisten schätzt: „Seine Energie ist wie Dynamit!“ Deshalb kann der 49-Jährige bis heute nicht ruhen und versucht, der Nabel der Welt zu sein – bei irgendetwas. Und braucht Kasparow wieder einmal ein Erfolgserlebnis, widmet sich der 2005 als Weltranglistenerster zurückgetretene Großmeister der alten Liebe. Denn bei seinem Denksport hat der vielleicht beste Spieler aller Zeiten neben Bobby Fischer noch immer glühende Bewunderer. Für Aufsehen sorgte seine Zusammenarbeit mit dem Amerikaner Hikaru Nakamura. Oder die mit Magnus Carlsen – aber diese blieben von kurzer Dauer, weil sich der Heißsporn mit anderen

Read More

Hexenmeister greift wie der Teufel an

Hexenmeister greift wie der Teufel an

Kompromissloser Naiditsch ist der Baden-Badener Titelgarant Von Hartmut Metz (Foto rechts)

Kann man deutscher Meister werden, wenn man unter seinem Niveau spielt? Die OSG Baden-Baden machte es vor. Obwohl das Gros des Kaders unter seinen Möglichkeiten blieb, holten die Großmeister aus der Kurstadt zum siebten Mal in Folge den Titel. Ein paar Weltranglistenpunkte gewannen allein Liviu-Dieter Nisipeanu und Jan Gustafsson durch ihre jeweils 6,5:1,5 Punkte dazu. Kein einziger Baden-Badener findet sich in den Top Ten der besten Bundesligaspieler. „Es war eine schwierige Saison für uns. Mit meinen 7,5:5,5 Punkten spielte ich so schlecht wie noch nie in der Bundesliga“, klagt etwa Etienne Bacrot. Der französische Weltranglisten-32. freut sich, dass es bezeichnenderweise „dennoch zum Titel reichte“.  Selbst der alljährliche Topscorer lamentiert: „Die 11:4 Zähler sind nicht schlecht. Aber mit Schwarz gewann ich meiner Erinnerung zufolge erst am vorletzten Spieltag meine erste Partie. Die letzten drei Monate spielte ich miserabel“, kritisiert sich Arkadij Naiditsch selbst – obwohl der Dortmunder zum dritten Mal in fünf Jahren die gesamte Saison ungeschlagen blieb! Die acht Remis an den Brettern drei bis fünf waren jedoch völlig untypisch für den Draufgänger. Der 26-Jährige weicht sonst immer Friedenspfaden aus, zündet Nebelkerzen und übertölpelt mit einfallsreichen Angriffsideen die Gegner, sobald sie die Übersicht bei all den Fallstricken verlieren.

 

Read More

Zwei „Elfmeter“ für Serienmeister OSG

Zwei „Elfmeter“ für Serienmeister OSG

Baden-Badener Schachspieler peilen siebten nationalen Titel an

Von Hartmut Metz Seit 2006 gibt es nur einen deutschen Meister in der Schach-Bundesliga: die OSG Baden-Baden. Der siebte Titel in Folge soll heute im LA8 unter Dach und Fach gebracht werden. Vergeben die Großmeister aus der Kurstadt ab 14 Uhr den ersten Elfmeter gegen den Tabellendritten Eppingen (20:6 Punkte), hat der Spitzenreiter (24:2) morgen im zweiten badischen Derby in der Lichtentaler Allee gegen Aufsteiger Hockenheim (14:12) einen zweiten Elfer in der Hinterhand. Die Hoffnungen von Dauerrivale Werder Bremen (21:5), dass die Kurstädter stolpern, sind daher verschwindend gering. Das vorentscheidende Duell gewannen die Baden-Badener am vorletzten Bundesliga-Wochenende in der Hansestadt. Sieben Partien endeten friedlich. Am dritten Brett sorgte der Brite Michael Adams gegen den Franzosen Laurent Fressinet für den 4,5:3,5-Sieg des Meisters. Das Finale hätte Pawel Eljanow noch etwas spannender machen können. Der Ukrainer stand gegen Viswanathan Anand vor einer Überraschung. Dem Weltmeister, der im Mai in Moskau seinen Titel gegen Boris Gelfand (Israel) verteidigt, unterlief im 34. Zug ein Fehler. Eljanow stand auf Gewinn, ließ die Chance zum 4:4 aber ungenutzt verstreichen. Hier die interessante Partie.

Read More

Tiefen Ausschnitt und Mini-Rock mattgesetzt

Tiefen Ausschnitt und Mini-Rock mattgesetzt

Kleiderordnung bei Frauen-EM in Türkei sorgt für Aufregung / Zwei Medaillen für Pähtz

Von Hartmut Metz

Das knappe Outfit wie beim Beachvolleyball ist beim Schach noch nicht vorgeschrieben. Die Europameisterschaften der Frauen im türkischen Gaziantep sorgten jedoch für Aufsehen. Die Europäische Schachunion hatte einen Maßnahmenkatalog aufgestellt, gemäß dem die Teilnehmerinnen in farbig „harmonischer“ Kleidung anzutreten hatten. Die maximale Rockkürze blieb offen, aber an der Bluse durften maximal die zwei obersten Knöpfe und der unterste geöffnet sein. Wäre eine Spielerin negativ aufgefallen, hätte sie nach einer Abmahnung eine Stunde Zeit erhalten, die Kleider zu wechseln. So weit kam es in der 1,3-Millionen-Stadt an der syrischen Grenze aber nicht. Alle Großmeisterinnen gingen adrett ans Brett.

„Europäische Schachunion setzt Ausschnitt und Mini-Rock matt!“, witzelten vor allem US-Medien und legten gleich noch einen englischen Kalauer wegen der Wortähnlichkeiten von „chess“ und „chest“ nach:

Read More

„Der vorletzte Fehler gewinnt“

„Der vorletzte Fehler gewinnt“

125. Geburtstag: Savielly Tartakower ein Meister am Brett und des geschliffenen Worts

Von Hartmut Metz

Eine Drohung ist stärker als ihre Ausführung!“ Diesen Leitsatz hört jeder, der sich ernsthaft mit Schach beschäftigt, früher oder später von seinem Trainer. Savielly Tartakower, der vor 125 Jahren auf die Welt kam, hatte die besondere Gabe, alles rund ums Schach auf den Punkt zu bringen. Dabei half ihm sicher auch seine enorme Spielstärke. Der am 22. Februar 1887 in Rostow am Don geborene Großmeister liebte das Schach und nahm an mehr als 100 Turnieren teil. Von 1920 bis 1930 zählte Tartakower sicher zu den Top Ten und gewann zahlreiche Wettbewerbe. Nur für den WM-Titel reichte es nicht – vermeintlich, weil er gerne schönen oder skurrilen Zügen den Vorzug gab vor dem sicheren Gewinnzug.

Den Fans ist der nach Paris ausgewanderte und dort 1956 verstorbene Tartakower aber mehr durch seinen verschrobenen Witz in Erinnerung. Dieser wurde gar mit einem eigenen Wort Read More

Tarrasch kein „herzloser Dogmatiker“

Tarrasch kein „herzloser Dogmatiker“

Zar Nikolaus II. verleiht ersten Großmeister-Titel nach großem Sieg

Von Hartmut Metz

Siegbert Tarrasch ist oft als Dogmatiker verschrien worden (dritter und letzter Teil zu seinem 150. Geburtstag am 5. März). Der „Lehrmeister der Deutschen“ hat aber durch seine Bücher und Lehrsätze enorm viel erreicht. Garri Kasparow, einer der besten Spieler aller Zeiten, würdigt den Nürnberger Mediziner in der Buchreihe über seine großen Vorgänger als Weltmeister besonders: „Dr. Tarrasch, ein eiserner Verfechter von Steinitz‘ Theorien, wurde von nachfolgenden Generationen zu Unrecht als ,herzloser Dogmatiker’ apostrophiert. Tatsächlich hat sein unermüdliches Eintreten für die positionellen Ideen von Steinitz einen wichtigen Beitrag zur Fortentwicklung des Schachspiels geleistet und das Niveau von durchschnittlichen Schachspielern gesteigert. Und was sein Spiel anbelangt, pflegte Dr. Tarrasch selbst sich nicht allzu streng an die Lehren zu halten, die er in seinen Büchern darlegte. Viele brillante Siege und eine insgesamt sehr stabile Leistung bei internationalen Turnieren ließen ihn zu einem echten Anwärter für den Titel des Weltmeisters werden.“

Read More

„Für Sie habe ich nur drei Worte!“

„Für Sie habe ich nur drei Worte!“

Tarrasch verliert WM-Kampf wegen der „Seeluft in Düsseldorf“  Von Hartmut Metz

Siegbert Tarrasch betrat den Raum, blickte Emanuel Lasker an, schlug die Hacken zusammen und verbeugte sich steif: „Für Sie, Herr Dr. Lasker, habe ich nur drei Worte: Schach und Matt!“ Nach dieser einmaligen Begrüßung in der Geschichte der Weltmeisterschaften verbeugte sich Tarrasch nochmals kurz und schritt von dannen.

Diese Szene von 1908, die im schönsten Schach-Lesebuch „Die Großmeister des Schach“ von Harold Schonberg so trefflich beschrieben wird, spiegelt das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Vorzeige-Großmeistern wider. Der am 5. März 1862 geborene Tarrasch (Fortsetzung von Teil 1 zu seinem 150. Geburtstag) und Lasker verachteten sich. Der praktizierende Mediziner aus Nürnberg geißelte das Profitum von Lasker und mochte sich vor allem nicht mit dessen rein erfolgsorientiertem Spiel anfreunden. „Hässliche“ Züge vermied der Dogmatiker. Der Weltmeister zog in seiner Zeitschrift im Januar 1906 dagegen über seinen Erzrivalen her: „Dr. Tarraschs Stärke oder Schwäche – wie man wünscht – ist seine ausgesprochene Eigenliebe. Ohne sie wäre er ein höchst mittelmäßiger Schachspieler; in abnormem Maße mit ihr begabt, ist er ein Gigant geworden.“

Read More

Der „Lehrmeister der Deutschen“

Der „Lehrmeister der Deutschen“

Der vor 150 Jahren geborene Siegbert Tarrasch prägte das Schach

Von Hartmut Metz

Kein Spieler hat das deutsche Schach so geprägt wie Siegbert Tarrasch. Der stets edel gekleidete Doktor aus Nürnberg ging als „Lehrmeister der Deutschen“ in die Geschichte ein. Am Montag steht der 150. Geburtstag des Großmeisters an, der 1914 von Zar Nikolaus II. in St. Petersburg als einer von fünf Granden des Turniers in St. Petersburg den Titel als Erster verliehen bekam. Neben dem Amerikaner Frank Marshall wurde die Ehre den Weltmeistern José Raúl Capablanca, Alexander Aljechin und Emanuel Lasker zuteil. Mit dem ebenfalls jüdischen Landsmann Lasker sollte das Leben Tarraschs eng verknüpft bleiben.

Der Praeceptor Germaniae (Lehrmeister Deutschlands), wie der am 5. März 1862 geborene Mediziner später ehrfurchtsvoll lateinisch genannt wurde, feierte auf dem Brett große Erfolge –

Read More

„Mozart“ liest Donald Duck

„Mozart“ liest Donald Duck

Amerikanischer TV-Dauerbrenner „60 Minutes“ feiert Magnus Carlsen / Biographie des Weltranglistenersten erscheint bei Edition Olms

Von Hartmut Metz (Foto)

Eine starke Rückhand zeichnet ihn im Tennis aus. Noch begeisterter spielt der 21-Jährige Fußball – nicht nur, weil sein früherer Trainer Simen Agdestein außer Großmeister auf den 64 Feldern auch norwegischer Fußball-Nationalspieler mit acht Einsätzen (ein Tor) war. Am besten ist Magnus Carlsen aber zweifellos im Schach. Die amerikanische Kultsendung „60 Minutes“, die bereits seit 1968 auf CBS läuft, widmete sich nun enthusiastisch eine knappe Viertelstunde lang dem Weltranglistenersten.

Der Sender vermeldete nicht nur erstaunt, dass ein Denkakrobat 1,5 Millionen US-Dollar im Jahr verdient. Die Interview-Sequenzen zeigten einen humorvollen wie ruhigen Bundesligaspieler der OSG Baden-Baden. Witzig wurde es mit den Bildern aus Reykjavik, als die „Vorbereitung“ des damals 13-jährigen Jungen aus Lommedalen auf den großen Kasparow eingeblendet wurde: Carlsen schmökerte vor dem Duell mit dem besten Spieler aller Zeiten in einem Donald-Duck-Heft … Glück wie Gustav Gans brauchte er nicht, um gegen Garri Kasparow zu bestehen. Am Schluss ärgerte der Norweger sich ein bisschen über die „ins Remis vergeigte Gewinnstellung, weil ich nervös wurde“.

Read More

Wachablösung bei den Frauen

Wachablösung bei den Frauen

Chinesisches Wunderkind Hou (Foto) schlägt Ausnahmespielerin Polgar von FM Hartmut Metz (SG Rochade Kuppenheim) Judit Polgar hat 20 Jahre lang gegen keine Frau eine Turnierpartie verloren – und davor hatte sich die beste Schachspielerin aller Zeiten auch nur von ihrer älteren Schwester Susan bezwingen lassen. Bei der historischen Niederlage war sie erst 16. In den zwei Jahrzehnten hat die Budapesterin, die mit 15 den legendären Rekord von Bobby Fischer als jüngster Herren-Großmeister der Welt brach, zwar kaum gegen Frauen gespielt, aber das lang einfach auch daran, dass die Rivalinnen einfach viel zu schwach waren. Polgar tummelte sich hingegen in den Top Ten des starken Geschlechts und mied reine Damen-Wettbewerbe

Read More

Aronjan feiert ersten “Wimbledon”-Sieg

Aronjan feiert ersten “Wimbledon”-Sieg

Armenier deklassiert Konkurrenz im holländischen Wijk aan Zee  von FM Hartmut Metz, 11. Februar 2012  "In Wijk aan Zee zu gewinnen, halte ich für etwas Besonderes", unterstrich Lewon Aronjan nach seinem Erfolg in dem niederländischen Küstenörtchen und erhob das Turnier zum "Wimbledon des Schachsports". Die letzte Stufe zum "Wimbledon"-Sieg erklomm der Armenier leichten Fußes: Kontrahent Teimour Radjabow bot selbst gerne eine Zugwiederholung an, "weil ich mit dem Remis ungeschlagen blieb" – und Aronjan hatte noch weniger Gründe, dieser auszuweichen. Der einzige hätte darin bestanden, die Partie auch zu gewinnen und somit in der Weltrangliste Magnus Carlsen zu überflügeln.

Read More

Falsche “Liebesgrüße aus Moskau”

Falsche “Liebesgrüße aus Moskau”

Geniale Partie von Spasski wird in James-Bond-Film verpatzt / Zweiter Teil zum 75. Geburtstag von Weltmeister "0010"  von FM Hartmut Metz  "Mein Name ist Spasski, Boris Spasski." Obwohl der Russe schon etwas zu einer der berühmtesten Kino-Serien beitrug, war er nicht als 007 im Einsatz ihrer Majestät. Der Jubilar, der am Montag 75 wurde (wir berichteten), ist die 0010 – in der Reihe der Schach-Weltmeister. Der Großmeister, der im legendären "Kampf des Jahrhunderts" und der politischen Systeme dem Amerikaner Bobby Fischer 1972 in Reykjavik unterlag, lieferte die Vorlage für eine Szene im James-Bond-Streifen "Liebesgrüße aus Moskau".   Bei der 27. UdSSR-Meisterschaft 1960 in Leningrad bezwang Spasski seinen Kontrahenten David Bronstein spektakulär. Der geniale Angreifer mit dem positionellen Gefühl wagte einmal mehr das romantische Königsgambit. Bis zu seinem Karriereende blieb der Weltmeister von 1969 bis 1972, der unter zwei Schlaganfällen leidet, damit ungeschlagen. Zu seinen 16 Königsgambit-Opfern zählten auch seine Nachfolger auf dem WM-Thron, Fischer und Anatoli Karpow. Bronstein vernichtete er in nur 23 Zügen.  

Read More