Ein 14-Jähriger im Wettstreit mit der Weltklasse – das gab es schonmal

Schachfestival Biel, Juli 2005: Ein Spieler mit vergleichsweise bescheidenen 2.528 Elo hat im Feld der Ausnahmekönner eigentlich nichts verloren. Trotzdem beschließen die Organisatoren, dass der 14-jährige Magnus Carlsen mitspielen darf, das erste Top-Einladungsturnier für den Norweger überhaupt. Zwar wird der junge Großmeister am Ende Letzter (4 aus 10, 8 Remis, 2 Niederlagen) im Feld der Gelfands und Nakamuras, aber das war ja nur der Anfang einer großen Karriere. Zwei Jahre später gewinnt Carlsen Biel zum ersten Mal, und noch einmal sechs Jahre später ist er Weltmeister. Grenke Chess Classics, Ostern 2019: Ein Spieler mit vergleichsweise bescheidenen 2.500 Elo hat im Feld der

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„Schach ist eine Sprache für die ganze Welt“

Schach ist nicht nur ein spannender und lehrreicher Sport (und Zeitvertreib), sondern kann auch bei der Integration einen wichtigen Beitrag leisten. So wie bei Abdullah (20) und Humam (26), die beide beim Sparkassen Open antreten. Abdullah kommt aus Syrien. Im September 2015 flohen er und seine Familie vor dem Krieg nach Deutschland. „Ich musste dann ein halbes Jahr warten, bevor ich hier die Schule besuchen konnte“, erzählt er in flüssigem Deutsch. Gelernt hat er es unter anderem durch YouTube-Videos, aber auch durch zahlreiche deutschsprachige Bücher. Mittlerweile geht er auf die Deutsche Wirtschaftsfachschule für Hotellerie und Gastronomie (WIHOGA). Er möchte später

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Eine ehrenhafte Einstellung

Das Zonenturnier II der Fide, ausgetragen in Forssa und Helsinki, im Jahre 1972, war mit den damaligen Grossmeistern Andersson, Gheorghiu, Matanovic, Matulovic und Robatsch stark besetzt. Unter den sieben teilnehmenden IM finden wir so klangvolle Namen wie Timman, Radulov und Ribli.  Hans Joachim Hecht, damals ebenfalls noch IM, war von Anfang an stark in Form und verpasste seine Grossmeister-Norm und die Qualifikation zum Interzonenturnier nur um einen halben Punkt. Am Ende war er Dritter hinter Radulov (11) und Gheorghiu (10,5). Rückwirkend äusserte sich Hecht unter anderm über dieses Turnier wie folgt:”Eigentlich hätte ich als lupenreiner Profi ein Turnier, das so schlecht dotiert war und so

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Vincent Keymer und das kleine Grünfeld-Einmaleins

Das Flagschiff der deutschen Delegation bei der Jugend-Mannschafts-Europameisterschaft U 12 und U 18 geriet gleich zu Beginn in schwere See. Als nomineller Favorit war der Deutschland-Vierer um Roven Vogel und Vincent Keymer in der U-18-Konkurrenz ins Rennen gegangen. Aber nur weil in den ersten Runden Roven Vogel am Spitzenbrett seine schwächelnden Jungs durchs Turnier zog, kamen die Deutschen in die Nähe der Goldmedaille, sicherten sich sogar ein vorgezogenes Endspiel gegen Rumänien.   Als gegen Ende des Turniers mit Gold in Reichweite Vogels Matrosen in Fahrt kamen, hatte ihr Kapitän seine Munition verschossen. Die 1,5:2,5-Niederlage im entscheidenden Duell in der sechsten Runde sicherte den Rumänen den

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Den Deutschland-Vierer durchs Turnier gezogen

  Mit einem Sieg gegen Polen in der fünften Runde sicherten sich die deutschen Jungs bei der U-18-Mannschafts-EM in Bad Blankenburg ein vorgezogenes Endspiel um die Goldmedaille gegen Rumänien (das leider verloren ging). Bis dahin hatte Roven Vogel am Spitzenbrett seine gelegentlich wackelnden Kollegen durchs Turnier gezogen. Nach diesem feinen Sieg über die polnische Nummer eins standen für Roven 4,5 Punkte aus fünf Partien zu Buche. Roven Vogel (2.467) – Igor Janik (2.420) U18-Mannschafts-EM Bad Blankenburg, 16. Juli 2018, Slawisch (Tschebanenko)  1. c4 c6 2. d4 d5 3. Nf3 Nf6 4. Nc3 a6 Der gute, alte Tschebanenko-Slawe kommt mit dem guten,

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Besser werden beim Schach: Von Wunderkindern und alten Säcken

Altersrekorde beim Schach machen in erster Linie in Verbindung mit Wunderkindern Schlagzeilen. Derzeit redet alle Welt vom Inder Praggnanadhaa, der gerade seine dritte GM-Norm erkämpft hat und als Zwölfjähriger bald der zweitjüngste Großmeister jemals sein wird (nach Sergej Karjakin, der seinerzeit noch ein bisschen jünger war). 1,3 Milliarden Inder hoffen, dass „Pragg“ dereinst in die Fußstapfen von Ex-Weltmeister und Volksheld Visvanathan Anand treten wird. In Deutschland steht Vincent Keymer im Fokus einer breiteren Öffentlichkeit, seitdem er zu Ostern in Karlsruhe vor reihenweise Großmeistern eines der bestbesetzten offenen Turniere überhaupt gewann, das Grenke Open. Keymer (13) ist noch eine Norm und eine Handvoll Elo vom Großmeistertitel entfernt, Formsache. Weil er nicht

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Welches sind die besten Schach-Nationen

Die stärksten Schachländer Jeder Schachliebhaber kennt die Namen der stärksten Schachspieler und wahrscheinlich auch ihrer Nationalitäten. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, welche Länder die Besten sind und welche in der Top-10-Liste stehen? Also, hier präsentieren wir die Top 10 der FIDE Top Liste der starken Schachländer Tatsächlich gibt es viele Aspekte, die gezählt werden können- Das ist die Anzahl der Großmeister, ihre Bewertungen, auch die durchschnittliche Bewertung der Schachspieler und eine durchschnittliche Bewertung der Top 10 – Spieler. Wenn die Nummer 1 der Welt der norwegische Schachspieler Magnus Carlsen ist. Sollte das heißen, dass Norwegen die stärkste Nation ist? Auf dem zehnten Platz der dominierenden Länder

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Lasker versus Tarrasch

Tarrasch war der erste der beiden unversöhnlichen Kontrahenten, welcher die grosse Bühne des deutschen und dann später des internationalen Schachs betrat. Er war früh ein sehr starker Spieler und als der Junge Knabe Lasker ihm zum ersten Mal im Berliner “Teesalon” begegnete, bereitete sich der Medizinstudent Tarrasch mit grosser Energie auf den 2. Kongreß des deutschen Schachbundes vor. Später als Lasker zu Meisterehren kam forderte Lasker Tarrasch immer wieder zu einem Wettkampf heraus, welchen Tarrasch stets ablehnte, da Lasker kein bedeutendes Turnier gewonnen hatte. Man kann sich durchaus die Frage stellen, wie wäre die Schach-Geschichte eigentlich verlaufen, hätte Tarrasch eine Offerte zum Wettkampf mit Weltmeister Steinitz

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Anish Giri: Der Einzigartige

“Es ist einfacher, Magnus Carlsen zu besiegen als Anish Giri zu schlagen”, meinte Arkadij Naiditsch, ein bekannter Spieler der Weltelite, über Anish Giri. Klingt extrem, oder? Giri ist wohl die vielseitigste Person der Welt und es gibt Dutzende von Eigenschaften die ihn hervorragend machen. Anish wurde 1994 in Russland, St. Petersburg geboren. Giris Vater ist ein Nepalese und Mutter ist ein Russin. Im Jahr 2002 zog seine Familie nach Sapporo, Japan. Hier begann Giri mit erstklassigem Schachwissen und wurde U-12-Schachchampion von Russland. In 2 Jahren erfüllte Giri eine Großmeister Norm, was ihn zu dem damals jüngsten Großmeister der Welt machte. Er, ein russischer Bürger

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Schach: Turbolader fürs Gehirn oder Zeitverschwendung?

Lang ist die Liste der guten Gründe, das Kind zum Schach zu schicken. Müssen wir erwähnen, dass es dem Gehirn gut tut, gefordert zu werden? Schlaue Leute spielen Schach, und deswegen leben sie länger und gesünder. Beim Schach lernst Du, Probleme zu lösen, Dich zu konzentrieren, mit Sieg und Niederlage umzugehen, erwirbst soziale Kompetenz und merkst, dass Hautfarbe, Geschlecht, Alter, sozialer Status keinen Einfluss darauf haben, wie versiert oder stümperhaft jemand seine Armee über das Schlachtfeld aus 64 Feldern dirigiert. Fast 30.000 Mitglieder zählt die Deutsche Schachjugend, ein Indiz, dass zahlreiche Eltern diesen und den vielen anderen Argumenten fürs Kinderschach zustimmen.

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10 Vorteile Kindern beizubringen Schach zu spielen

Vielleicht haben die berühmten Namen der Schachwelt, Tigran Petrosyan und Levon Aronian, mehr gemeinsam als nur Schach, sie sind beide Armenier, ein Land, in dem alle sechsjährigen Kinder in Schulen Schach lernen und so das erste Land sind, das das tut. Als Eltern denken viele von Ihnen an die Zukunft Ihres Kindes, wie Sie ihm helfen können, richtig in die Zukunft zu gehen. Das Wichtigste in deiner elterlichen Mission ist es, herauszufinden, was für deine Kinder am besten ist. Liebe Mama / Papa, wenn du nicht weißt, was du für dein Kind wählen sollst, lies die Nützlichkeit von Schach für Kinder

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Leela in action

Leela Zero, das aufregendste Projekt im Computerschach seit langem, haben wir mehrfach vorgestellt. Seitdem ist Leela rasant besser geworden, aber noch ist die Frage offen, ob und wann sie in Spielstärkesphären der Google-Maschine AlphaZero aufsteigt, und ob sie womöglich noch besser werden kann. Das Ziel, ein AlphaZero für alle, ist noch nicht erreicht. Menschlicher Stil, übermenschlich gut Die besten konventionellen Schachprogramm spüren aber schon Leelas Atem im Nacken. Stockfish, Houdini oder Komodo sind noch etwas stärker als das Open-Source-Projekt, doch in einzelnen Partien hat Leela mittlerweile längst ihre Skalps eingesammelt. Und ihr Spiel zeigt schon jetzt, dass es sich in Richtung des revolutionären AlphaZero-Schachs entwickeln wird. Leela spielt

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Lasker tadellos

Wie bereits erwähnt, stand Lasker in seinen Partien gegen Albin, Schalopp, Schiffers, Showalter und Tschigorin, beim Turnier in Nürnberg 1896, bei denen er jeweils die weissen Steine führte, zu irgendeinem Zeitpunkt höchst verdächtig. Dank seiner ernormen kreativen Fähigkeiten gelang es ihm jedoch immer wieder,  nicht nur die Initiative an sich zu reissen, sondern auch das Spiel mittels Gegenangriff zu seinen Gunsten zu entscheiden. Es mag seltsam klingen, aber die damaligen Kommentatoren fanden beim Anblick dieser Partien keine natürliche Erklärung für diese Resultate  und vermuteten Hexerei. 28 Jahre später urteilte Richard Reti über Lasker wie folgt: “Bei der heutigen Vollkommenheit der Schachtechnik führt ein ruhiges, korrektes Spiel

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Ramadans Bauernopfer: Wer nach oben will, muss solide sein

Die beiden originellsten Spieler aus den Top 100 zu benennen, ist einfach. Der Georgier Baadur Jobava und der Ungar Richard Rapport unterscheiden sich von anderen Top-Großmeistern, weil sie anders spielen. Frei von Schablonen wandeln sie lustvoll auf möglichst unerforschtem Terrain, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Diese krude Stellung zum Beispiel, wie sie häufig nach 1.b3 e5 entsteht, haben wir unlängst im Beitrag „Alles schon dagewesen!“ betrachtet und festgestellt, dass sie regelmäßig unter 2.700-Großmeistern debattiert wird – allen voran von den Herren Jobava und Rapport, die hier nur zu gerne die weiße Perspektive einnehmen. Wenn uns eine Spielstärke-Etage über diesen beiden umsehen, in

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Signal für das Spitzenschach

Entscheidung über neuen Grand-Prix-Modus: Chance für das K.-o.-System Das mit Abstand aufregendste, fesselndste, spannendste Turnier im Schachzirkus zu benennen, ist einfach: der alle zwei Jahre im K.-o.-Modus ausgetragene World Cup. Und das zweitaufregendste? Hmm. Da fällt uns auf Anhieb keines ein – und das ist ein Indiz für die Systemkrise, in der sich das organisierte Turnierschach befindet. Nächste Woche hat das FIDE-Präsidium die Chance, für alle Turnierveranstalter ein Zeichen zu setzen. Die Funktionäre befinden darüber, ob künftig auch der Grand Prix als K.-o.-Turnier ausgerichtet werden soll. Wo sonst bekommt die nigerianische Nummer drei die Chance, ein Match gegen den Weltmeister zu spielen (und sich mehr

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Zurück in die Zukunft: Iljumschinows Hintertür

Nach 23 Jahren geht die Ära des FIDE-Präsidenten Kirsan Iljumschinow zu Ende. Am Freitag zog der Kalmücke wie erwartet seine Kandidatur für eine erneute Präsidentschaft zurück. Aber weg ist Iljumschinow noch lange nicht. Als Verbündeter des Kreml-Kandidaten Arkadi Dworkowitsch könnte er weiter im Weltschach mitmischen. Dworkowitsch hofft sogar darauf. Vor 23 Jahren hat Iljumschinow tatsächlich den bankrotten und in Auflösung befindlichen Schach-Weltverband mit Finanzspritzen am Leben erhalten. Danach etablierte er ein System von Gefälligkeiten und Abhängigkeiten, das ihm erlaubte, über die Organisation und deren zentrale Figuren beliebig zu verfügen. Kein Wunder, dass die beiden anderen Präsidentschaftskandidaten Nigel Short und Georgios Makroupolos„Iljumschinow muss weg“ zur zentralen Botschaft ihrer Kandidatur gemacht

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Neues vom Hexer

Das Turnierbuch des Turniers in Nürnberg 1896 wurde vom Organisator Siegbert Tarrasch persönlich geführt. Bemerkenswert war allerdings, dass es neben der üblichen Tabelle mit den Resultaten der einzelnen Runden auch eine Tabelle des Glücksfaktors enthielt. Mit dieser Tabelle wurde festgehalten wer von den ersten 10 Preisträgern gegen wen mit Hilfe des “Glücksfaktors” gewann, obwohl die Stellung remis oder verloren war. Den ersten Platz dieser Tabelle belegte Emanuel Lasker. Nach den Aufzeichnungen Tarraschs war Lasker  in den Partien gegen Albin, Schalopp, Schiffers, Showalter und Tschigorin stets das Glück hold. Bevor Sie denken Lasker war nur ein Glückspilz schauen wir uns heute seine Partie

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Kater im Klub

Stefan Löffler – Leuven, Paris, vorher Berlin und Stavanger, demnächst St Louis. Die Schauplätze wechseln, die Protagonisten bleiben die gleichen: Sie heißen Anand, Aronjan, Caruana, Karjakin, Mamedscharow, Nakamura, So und Vachier-Lagrave. Binnen der letzten vier Wochen haben sie 72 Turnierpartien mit klassischer, schneller und Blitzbedenkzeit gespielt – ganz überwiegend gegeneinander. Zu diesem elitären Klub gehört eigentlich auch Grischtschuk, der einmal nicht dabei war und daher 18 Partien weniger auf dem Buckel hat. Im August erwarten diese neun Profis nochmal 36 Turnierpartien. Wieder fast nur gegeneinander. Sechs der Genannten trafen auch schon beim Kandidatenturnier im März je zweimal aufeinander. Am Sonntag

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Fabiano Caruana, der Favorit der Herzen: „Die Schachwelt braucht einen Wechsel“

Das WM-Match zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana ist wegen der misslichen Umstände im Weltschach gefährdet. Dennoch beschäftigt sich noch niemand ernsthaft damit, dass es tatsächlich ausfallen könnte. Viel zu groß ist die Freude auf den ersten WM-Kampf seit langem, in dem der Herausforderer mit Macht auf einen frühen Knockout drängen muss. Auch Caruana selbst fiebert dem Match entgegen: „Bis dahin ist alles andere zweitrangig.“ Die Teilnehmer der Grand Chess Tour, darunter viele Teilnehmer des Kandidatenturniers, die selbst Magnus herausfordern wollten, fiebern dem Match ebenso entgegen wie der gemeine Schachfan. Beim Grand-Chess-Tour-Stopp in Paris haben die versammelten Weltklassespieler jetzt die Chancen des Herausforderers geschätzt und sich

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Alles schon dagewesen!

Das Ziel des Spiels hat sich in den vergangenen 500 Jahren nicht geändert: Mattsetzen.  Aber dem Schachspieler haben sich unzählige neue Wege eröffnet, dieses Ziel zu erreichen. Manchmal machen die Meister von heute Züge, die für die Meister von gestern wie Anfängerschach aussehen. Hier zum Beispiel. Erst deckt der Schwarze seinen e5-Bauern mit …Ld6, obwohl das den d-Bauern und damit die Entwicklung des anderen Läufers behindert. Dann entwickelt Weiß einen Springer an den Rand, und Schwarz zieht sogleich mit einer schon entwickelten Figur ein zweites Mal, auch ein Springer, und den zieht er natürlich ebenfalls an den Rand. Der gestrenge

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