Der Champion und sein Herausforderer: gleichauf ganz vorne – wer ist der Bessere?

Magnus Carlsen geht als die Nummer eins der Welt in den WM-Kampf gegen Fabiano Caruana – mit einem hauchdünnen Vorsprung. Nachdem sich der Amerikaner bei der Schacholympiade noch näher an den Norweger herangeschoben hatte, stand für Magnus Carlsen jetzt beim Europacup der Vereine in Griechenland in jeder Partie sein Nummer-eins-Spot zur Debatte. Beinahe hätte er ihn verloren. Gegen den deutschen Nachwuchs-GM Alexander Donchenko konnte sich Carlsen noch recht bequem ins Remis retten, bevor Donchenkos Angriff durchschlug. Aber danach wandelte er sowohl gegen den seit fast 100 Partien unbesiegten Ding Liren („die chinesische Mauer“) sowie gegen Peter Svidler am Abgrund. Carlsen rettete auch diese beiden Partien, bleibt die Nummer

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„Baby, soll ich Dir meinen Drachen zeigen?“: eine Dating-App für Schachspieler

Mit einer Dating-App für Schachspieler und einer Reihe anzüglicher Anspielungen flankiert WM-Organisator Agon das WM-Match zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana, das im November in London beginnt. „Mates“ heißt die App, die Schachspieler auf der Suche nach einem Partner zusammenführen soll. Wer nach dem Zuschauen bei der WM selbst noch ein bisschen spielen will, der soll per „Mates“ Gleichgesinnte finden. Jedem Anwender empfehlen wir, sich vor dem Anbandeln ein Erfolg versprechendes Eröffnungsrepertoire zurechtzulegen. Insbesondere für Männer auf der Suche nach dem anderen Geschlecht muss in einem Sport mit zehn Prozent Frauenanteil der erste Spruch sitzen. „Baby, soll ich Dir meinen Drachen zeigen?“, sollte für 1…c5-Spieler funktionieren. Per

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Offenes Visier gegen den Weltmeister: Alexander Donchenkos Gefecht mit Magnus Carlsen

Um sich vor dem WM-Match im November aufzuwärmen, haben die beiden Kontrahenten ein sehr unterschiedliches Programm gewählt. Fabiano Caruana vertrat bei der Schacholympiade am ersten Brett die USA und musste sich fast durchweg mit Weltklassegroßmeistern auseinandersetzen. Magnus Carlsen ließ die Schacholympiade sausen und fuhr stattdessen zum Europacup der Vereine nach Griechenland, um (ohne Honorar!) für den norwegischen Club Valerenga zu spielen. „Weniger Druck“ habe er dort, deswegen Europacup statt Olympia, hatte Carlsen der schachverrückten Presse seines Heimatlandes erklärt. Nun sieht es aus, als sei seine Rechnung nicht aufgegangen, denn im gleichen Atemzug erklärte er, dass er den Spitzenplatz der Weltrangliste als seine natürliche Position

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Heute feiern wir Geburtstag! Ein Jahr „Perlen vom Bodensee“

Der Gegner hatte sich einen isolierten Doppelbauern am Damenflügel eingehandelt, und damit lag Arnos Plan in dieser Partie im Oktober 2017 auf der Hand: den Doppelbauern festlegen, belagern, einsammeln und dann mit einem oder zwei Mehrbauern die Partie gewinnen. Aber statt des offensichtlichen Plans spielte Arno irgendeinen Quatsch, und die Partie wurde remis. Arno ist ein kluger, kultivierter und freundlicher Mann mit vielen Talenten. Nur beim Schach läuft’s nicht, weil ihm die Grundausbildung fehlt. Und damit fügt er sich perfekt ein ins Personal des SC Überlingen. Durchweg kluge, kultivierte, freundliche Leute, die schlecht Schach spielen, und das mit Begeisterung. Zumindest hinsichtlich

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Nach der FIDE-Wahl: Dworkowitschs Baustellen, Deutschland außen vor

Als die Schlacht geschlagen war, wollte Arkadi Dworkowitsch nach Hause zu Frau und Kindern. „Die bringen mich sonst um“, sagte er – und das legt Umgangsformen im Hause Dworkowitsch nahe, die etwa dem Bild entsprechen, das seine Gegner in den Wochen zuvor von der vermeintlich dunklen Macht hinter dem Mann aus dem Kreml gezeichnet hatten. Wenn der 46-Jährige seinen neuen Job ernst nimmt, kann er der Familie nicht allzu viel Zeit gewidmet haben. Zu groß ist die Zahl der brach liegenden Baustellen im Weltschach.   Bislang hat Dworkowitsch vor allem Personalentscheidungen getroffen, die das Amt des Vizepräsidenten tangieren. Gleich mit einem guten Dutzend Vizepräsidenten

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Athleten mit Brett vorm Kopf: Training für den Muskel zwischen den Ohren / Felix Magath im Schach-Check

Klitschko eins, Klitschko zwei und Smudo. Boris Becker, Bill Gates, Felix Magath, Arnold Schwarzenegger, Sting und so weiter. Lang ist die Liste prominenter Zeitgenossen, die als Schachspieler bekannt sind. Die einen, weil ihr Management glaubt, dass das ihren Schützling schlau aussehen lässt, die anderen, weil sie tatsächlich gerne und gut Schach spielen. Aber wer gehört zu welcher Gruppe? Bei uns wird ab heute streng gesiebt. Warum ab heute? Weil Magnus Carlsen Promi-Großkampftag hat. Schon morgens in Manchester traf er an diesem Montag auf Fußball-Profi Trent Arnold vom Klopp-Club Liverpool. Der Fußballer hatte für die Partie trainiert, und die Schlussstellung legt tatsächlich nahe, dass er

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Für Sparfüchse: die Schach-Grundausstattung gratis

Sind Euch die Lebkuchen im Supermarkt aufgefallen? Bald ist wieder Weihnachten, auch auf dieser Website. Anfänger und Profis bekommen bei uns vor dem Fest natürlich einige Anregungen für den Wunschzettel, empfehlenswerte Software und Bücher, die unter keinem Schach-Weihnachtsbaum fehlen sollten. Aber nicht alles, was gut ist, muss Geld kosten. Heute präsentieren wir Euch erst einmal die Liste mit Empfehlenswertem (und Essenziellem!), das es gratis gibt. Ambitionierte Turnierspieler werden damit zwar an Grenzen stoßen, aber für den Anfang und weit darüber hinaus lässt sich mit Freeware und Open-Source-Angeboten fast das komplette Spektrum des Spielens und Trainierens komfortabel abdecken.   Über allem

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Blaues Auge für Frankreich: Glückliches 2:2 gegen Deutschland / Nisi-MVL 1:0

Vor 24 Stunden wären wir ja mit einem Unentschieden gegen Frankreich in der neunten Runde der Schacholympiade sehr einverstanden gewesen. Heute bedarf es keiner Betrachtung durch die schwarz-rot-goldene Brille, um festzustellen, dass die Franzosen glücklich und mit einem tiefblauen Auge davongekommen sind. Auch über ein 0,5:3,5 gegen Allemagne hätten sie sich nicht beschweren können. Stattdessen hieß es am Ende 2:2, und Deutschland steht mit nun 14:4 Punkten immer noch prima da. Schon nach zehn Minuten deutete sich an, dass es gegen den klaren Favoriten ein guter Tag werden könnte. Christian Bauer war in seiner Spezialvariante gegen Caro-Kann in die Vorbereitung Rasmus Svanes gelaufen und

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Beton-Dieter und der fabelhafte Fridman: Deutschland gewinnt weiter

Wieder gewonnen! Deutschland schlägt Spanien mit 2,5:1,5, bleibt in Reichweite der Medaillenplätze (!) und bekommt für die wunderbare Performance bisher eine ebenso wunderbare Belohnung: ein Duell gegen den Medaillenkandidaten Frankreich, Nummer fünf der Setzliste, mit dem mächtigen Maxime Vachier-Lagrave am ersten Brett. Oh, là, là. Wieder wird vieles davon abhängen, ob ganz vorne Liviu Dieter Nisipeanu wie gegen Israel, wie gegen die Niederlande und wie jetzt gegen Spanien den mit Abstand besten Mann der Gegner aus dem Match nehmen kann. Möge sich auch MVL an Beton-Dieter die Zähne ausbeißen. Den Rest erledigt im Zweifel Daniel Fridman, der mittlerweile bei fabelhaften 6,5/7 steht. Mit einer Perfomance

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Ansturm der Favoriten abgewehrt: Deutschland bleibt ungeschlagen

Mit 9:1 Punkten gestartet, die favorisierten Ungarn besiegt: Viel besser hätte die Schacholympiade für die deutsche Mannschaft nicht beginnen können. Aber wer oben mitspielt, der bekommt dicke Brocken vorgesetzt, ein Gesetz des Schweizer Systems. Würden die Deutschen abstürzen oder weiter im Konzert der Großen mitspielen? Jetzt sind sieben von elf Runden gespielt, die Nationalmannschaft hat sich mit den nominell stärkeren Israelis (angeführt von Boris Gelfand) und Niederländern (mit Anish Giri am ersten Brett) auseinandersetzen müssen, und sie steht weiter ohne Niederlage da. Beiden Favoriten rangen die Deutschen ein Unentschieden ab. Mit 11:3 Punkten liegen sie nun auf dem neungeteilten fünften Platz, zwei Punkte hinter

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Ungarn und seine Schach-Sphinx: Erst wackelten die Sowjets, dann fielen sie

Die Dominanz des sowjetischen/russischen Schachs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veranschaulicht keine andere Statistik so eindrucksvoll wie die Siegerlisten der Schacholympiaden. 50 Jahre eilten die Russen von Sieg zu Sieg, von 1952 bis 2002. Ein einziges Mal gelang es einer anderen Nation, die übermächtigen Schachmeister aus dem osteuropäischen Riesenreich hinter sich zu lassen. Den Ungarn gelang dieses Kunststück 1978 in Buenos Aires. Zwei Jähre später auf Malta hätten sie es beinahe wiederholt. Die Großmeister aus der UdSSR mussten sich auf die Feinwertung berufen, um sich vor den punktgleichen Ungarn die Goldmedaille zu sichern. Keres, Smyslow, Bronstein, Geller –

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Israel gegen Irak?

Lieber keine Rassismus-Debatte: FIDE ändert die Olympia-Auslosung präventiv „Gens una sumus“, wir sind eine Familie, der Leitspruch der Schachspieler. Leider endet die Familieneinigkeit, sobald internationales Schach in muslimischen Staaten mit archaischen Regimen gespielt wird. Oder wenn Sportler aus solchen Staaten im Ausland spielen und auf Israelis treffen. Der Setzliste nach hätte bei der Schacholympiade in Batumi in der ersten Runde des Frauenturniers Israel gegen den Irak spielen müssen. Die irakischen Spielerinnen wären nicht angetreten, weil ihnen daheim mindestens ein Bann droht, sollten sie sich mit Sportlern aus einem Land messen, das der Irak nicht anerkennt. Israel hätte kampflos 4:0 gewonnen, und dann

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Olympia: Anands Comeback gegen Österreich, Pähtz‘ Fehlgriff und Fridmans Glanzsieg (Video)

Seine erste Partie bei einer Schacholympiade seit zwölf Jahren spielte Viswanathan Anand gegen einen Österreicher. Und gewann dank einer positionellen Meisterleistung, die den 2.700-Großmeister Markus Ragger in einem schon sehr schwierigen Endspiel kollabieren ließ. In der zweiten Runde gegen Österreich setzten die Inder ihre lebende Legende am Spitzenbrett zum ersten Mal ein. Mit 3,5:0,5 fegten sie die Mitteleuropäer von den Brettern, ein Sieg gegen eine Großmeistertruppe im Aufwind, die bequem im oberen Drittel der fast 200 Teams einzuordnen ist. Damit deuteten die Inder an, dass sie selbst sich am liebsten unter den ersten Drei einordnen würden, im Idealfall ganz an der Spitze.

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Das erste WM-Match nach AlphaZero: Carlsen, Caruana und die lernenden Maschinen

Wegen eines Cricket-Matches hätte Schachweltmeister Vladimir Kramnik2004 beinahe seinen Titel an Peter Leko verloren. Kramniks Sekundant Peter Svidler, ein großer Freund des Cricket-Sports, hatte die Aufgabe, eine kritische Variante des Marshall-Angriffs mit Computerhilfe zu prüfen. Das tat er, sah, dass der Rechner Kramniks Variante für gut befand, und schaltete die Maschine ab, um im TV Cricket zu schauen. „Alles klar, das kannst Du spielen“, erklärte Svidler seinem Chef. Der begab sich tags darauf in diese Variante, ahnte nichts Böses – und verlor. Peter Leko fand am Brett eine Widerlegung, die Svidler entgangen war. Weil er Cricket sehen wollte, hatte Svidler den Rechner nicht lange genug rechnen lassen,

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Als der Weltmeister ein Wunderkind war: Magnus Carlsen vs. Lorenz Drabke (Video)

Wenn wir in Zukunft einen deutschen Schachspieler würdigen, dann wieder mit einer Gewinnpartie. Im Fall von Rasmus Svane war uns das mit seinem brillanten Sieg über Natalia Pogonina noch gelungen, danach ging es zwei Mal schief: Elisabeth Pähtz‚ Vorstoß in die Top 10 der Frauen haben wir gefeiert, indem wir ihre (knappe) Niederlage gegen Hikaru Nakamura näher beleuchteten. Heute trauern wir um Lorenz Drabke – und zeigen eine Verlustpartie gegen Magnus Carlsen. Die Nachricht vom viel zu frühen Tod Lorenz Drabkes hat vor vier Wochen auch Teile der internationalen Schachgemeinschaft erschüttert. Als Mitglied der Mannschaft der Bundeswehr hat er bei zahlreichen NATO-Mannschafts- und Einzelturnieren reihenweise vordere und manchen ersten Platz belegt und neben seinen Partien

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Lecker, lecker: Chilenische Igel-Rezepte

Heute müssen wir uns für unseren Riecher auf die Schulter klopfen. Zwei vermeintlich brandheiße Strategie-Themen hatten wir neulich herausgepickt, um sie näher zu beleuchten. Wenig später durfte ein renommierter Großmeister und Schachautor in der bekanntesten Schachschule der Welt zwei Gastvorträge halten. Dafür suchte er sich genau die beiden Themen aus, die kurz zuvor bei uns zur Debatte gestanden hatten. Was schließen wir daraus? Entweder das Schachzentrum in St. Louis guckt bei uns ab, oder wir haben diese Schachsache ziemlich gut drauf. Eines von beiden muss es sein. Genug Eigenlob, worum geht’s hier eigentlich? Erst einmal um den Igel-Aufbau. Der stand im Juli in

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Elisabeth Pähtz – Weltklasse!

Nach einem Top-Ten-Spieler sehnten wir uns in Deutschland jahrzehntelang – bis zum September 2018. Ihr jüngster Aufschwung hat Elisabeth Pähtz tatsächlich in die Top Ten der Weltrangliste der Frauen geführt. Mit 2.513 Elo ist sogar die absolute Spitze in Reichweite (abgesehen vom ersten Platz, auf dem einsam Hou Yifan thront). Auch den GM-Titel bekäme sie mit diesem Rating verliehen, aber dafür fehlt ihr noch die dritte und finale Norm. National steht Elisabeth Pähtz schon lange einsam an der Spitze. 33 ist sie erst, aber gefühlt seit Ewigkeiten die Vorzeigedame des deutschen Schachs – was damit zusammenhängt, dass sie einst das Vorzeigemädchen des deutschen Schachs war. Auf Harald

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Schach960 – die Zukunft?

Schach960 taugt prima zum Training für klassisches Schach. Das Gehirn ist gezwungen, in neue Richtungen zu denken, wird mit Motiven und Stellungsbildern konfrontiert, die es sonst kaum einmal sehen würde. Wer Schach960 spielt, erweitert seinen Horizont, und das sollte auch beim klassischen Schach helfen. Obendrein macht das Spiel Spaß. Wer sich erst einmal damit zurechtgefunden hat, von Beginn an die Rochade zu planen, neu und wieder neu zu planen, ideale Posten für Springer und Läufer ausgeklügelt hat und dann feststellt, dass es so nicht funktionieren wird, der findet schnell Freude an dieser ganz neuen Herausforderung. Was machen wir nun mit

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Gegner am Brett, Nachbarn im Grabe: der erste WM-Kampf 1834 (Video)

Die Partien der alten Meister studieren, diesen Hinweis hören Schachschüler immer wieder. Und das zu Recht. Das Studium mit den Partien der Meister von heute zu beginnen, würde den Novizen nicht weiterbringen. Zu schwierig. Wer Physik studiert, der steigt ja auch nicht bei Heisenberg ein, sondern wird sich erst einmal damit befassen, was Galilei und Newton ausgetüftelt haben. So entsteht ein Fundament, auf dem sich nach und nach aufbauen lässt. Aber wer sind die eigentlich, die alten Schachmeister? Und haben die ganz alten von denen womöglich einen so langen Bart, dass wir sie heute besser ignorieren? Traditionell beginnt die Schachausbildung bei Paul

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FIDE-Präsidentschaftswahl: da waren es nur noch zwei

Nigel Short war Anfang Mai als FIDE-Präsidentschaftskandidat angetreten, damit zumindest ein Unabhängiger, genuin und in allererster Linie dem Schach verpflichteter Kandidat zur Wahl steht. Jemand, der frei ist von Machtgezerre, Pöstchen- und Geldschieberei und ausschließlich dem Spiel zur Blüte verhelfen will. Würden Schachspieler und nicht graue Herren den FIDE-Präsidenten wählen, Nigel Short würde natürlich gewinnen. Drei Monate lang hat Nigel Short durchgehalten, sich glaubhaft als einziger am Wohlergehen des Schachs interessierter Kandidat präsentiert und sich sogar die Unterstützung manch großer Föderation gesichert. Am Ende des dritten Monats zeichnete sich eine erste Nähe zu seinem Konkurrenten Arkadij Dworkowitsch ab. Die kulminierte jetzt in einem öffentlichen Händedruck,

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