FIDE-Präsidentschaftswahl: da waren es nur noch zwei

Nigel Short war Anfang Mai als FIDE-Präsidentschaftskandidat angetreten, damit zumindest ein Unabhängiger, genuin und in allererster Linie dem Schach verpflichteter Kandidat zur Wahl steht. Jemand, der frei ist von Machtgezerre, Pöstchen- und Geldschieberei und ausschließlich dem Spiel zur Blüte verhelfen will. Würden Schachspieler und nicht graue Herren den FIDE-Präsidenten wählen, Nigel Short würde natürlich gewinnen. Drei Monate lang hat Nigel Short durchgehalten, sich glaubhaft als einziger am Wohlergehen des Schachs interessierter Kandidat präsentiert und sich sogar die Unterstützung manch großer Föderation gesichert. Am Ende des dritten Monats zeichnete sich eine erste Nähe zu seinem Konkurrenten Arkadij Dworkowitsch ab. Die kulminierte jetzt in einem öffentlichen Händedruck,

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Wien will die Schach-WM: Kulturell ganz vorne, jetzt muss Geld in die Kasse

Norwegen will die Schach-WM 2020, die USA auch und Monaco ebenfalls. Das wurde jetzt am Rande eines Besuchs einer FIDE-/Agon-Delegation in Wien bekannt. FIDE-Schatzmeister Adrian Siegel und Agon-Chef Ilya Merenzon hatten die österreichische Hauptstadt besucht, um sie als potenziellen Schauplatz der WM 2020 zu inspizieren. „Die Chancen steigen, die WM nach Österreich zu holen“, meldete der österreichische Verband anlässlich des hochrangigen Schachbesuchs. Die starke Konkurrenz suggeriert allerdings das Gegenteil. Außerdem ist offen, ob die beiden Wien-Reisenden Siegel und Merenzon mit der Vergabe der WM 2020 etwas zu tun haben werden. Siegels Zukunft als Schachfunktionär hängt am Schicksal des Präsidentschaftskandidaten Georgios Makropoulos. Fällt der Grieche bei der FIDE-Wahl Ende September

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Tok, tok, tok: Besser Schach spielen dank Specht-Prinzip

Wer beim Schach besser werden möchte und sich fragt, wie das geht, der wende sich an den schwedischen Großmeister Hans Tikkanen. Der hat nämlich jetzt eine unfehlbare Methode präsentiert, die viele Schachspieler preisen und die auch bei ihm selbst zum Erfolg geführt hat: Das Specht-Prinzip („The Woodpecker Method“). Mit seinem Großmeisterkollegen Axel Smith(Autor ebenfalls gepriesener Bücher wie „Pump up your Rating“ und „e3 Poison„, die auf dieser Seite bei Gelegenheit näher vorgestellt werden) hat Tikkanen aufgeschrieben, wie das Specht-Prinzip funktioniert und liefert das komplette Trainingsprogramm noch dazu. „The Woodpecker Method“ ist eines der heißesten Schachbücher auf dem Markt, seitdem es dieses Jahr

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Warum Schach Gesichter braucht: ein Glanzsieg in Moskau und ein Ausflug ins Semi-Slawische

Vor 25 Jahren war Indien ein weißer Fleck auf der Schach-Landkarte. Heute ist Schach Volkssport, Visvanathan Anand eine Ikone, und Indien wird sehr bald die dominierende Schachnation sein. Vor 15 Jahren war Norwegen ein weißer Fleck auf der Schach-Landkarte, der allenfalls durch das Kuriosum auffiel, dass der beste Schachspieler des Landes auch in der Fußball-Nationalmannschaft spielte. Heute läuft im nationalen norwegischen TV stundenlang Schach, und Magnus Carlsen ist ein Volksheld wie hierzulande Boris Becker zu seiner besten Zeit. Im Carlsen-Sog entwickelt sich auch Norwegen zur Schach-Großmacht. Wer nach einem Grund sucht, Spitzenschach mit aller Kraft zu fördern, der muss nur nach Indien oder Norwegen schauen –

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Erste Feuerprobe für Fabis Russen: das finale Gefecht vor der Schlacht in London

Pünktlich zum WM-Match spürt Magnus Carlsen den Atem seines Herausforderers im Nacken. Vor der siebten Runde des Sinquefield-Cups war Fabiano Caruana in der Live-Weltrangliste so nahe an den seit sechs Jahren oben thronenden Carlsen herangerückt, dass ihm ein Sieg den Platz an der Spitze bescheren würde. Es war also ordentlich Druck im Kessel vor der letzten Partie von C&C vor ihrem Match in London. „Ich war nervös. Heute stand einiges auf dem Spiel“, räumte Carlsen nach der Partie ein; eine Partie, die zeigte, dass der Weltmeister unter Druck Bestleistung abzurufen vermag – zumindest für 26 Züge. Nun muss er daran arbeiten, die Spannung hochzuhalten, bis der

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Notationsfehler in Barcelona: Keymers verkannter Gewinn

Lacasta Palacio, Joaquim (2.102) – Keymer, Vincent (2.493) Barcelona, 17. August 2018 Schwarz am Zug gewinnt. (Auflösung am Ende dieses Beitrags) Das Sants-Open in Barcelona ist fraglos ein großartiges Turnier, allein schon, weil es in Barcelona stattfindet, eine Stadt, die auch ohne Schach-Begleitprogramm eine Reise wert ist. Aus deutscher Sicht war das Turnier von besonderem Interesse, weil so viele Deutsche teilgenommen haben und am Ende sogar ein Mitglied der Delegation aus Alemania gewann. Die Berichterstattung aus der Ferne war freilich nicht ganz einfach. Nur die zwölf ersten Bretter wurden live übertragen, und selbst bei denen stimmten gelegentlich die ins Netz gespeisten

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Schach-Erklärer von Weltrang

Quizfrage: Wie heißt der international bekannteste deutsche Schachspieler? Wenn Du auf der Suche nach einer Antwort die deutsche Rangliste von oben nach unten durchschaust und die Spieler anhand von internationalen Turniererfolgen bewertest, stoppst Du wahrscheinlich gleich zu Beginn: Liviu Dieter Nisipeanu (sic, ohne Bindestrich!) war immerhin WM-Halbfinalist und hat manch anderes Turnier gewonnen. Aber ein internationaler Schach-Promi ist er eher nicht mehr. Dahinter auf Rang zwei steht der nächste Kandidat: Jan Gustafsson ist zwar Schach-Frührentner (und trotzdem die Nummer zwei in Deutschland, wie kann das sein?), aber dank seiner Livekommentare auf chess24 an der Seite von Peter Svidler international ein Begriff. Außerdem Sekundant von Magnus Carlsen und Coach der holländischen

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In eigener Sache: Was neu ist, was bald kommt und was Ihr vielleicht noch gar nicht entdeckt habt

Wollt Ihr nicht über den Handy-Toiletten-Betrug bei der Jugend-EM berichten? Und die Vizemeisterschaft für Luisa Bashylina? Warum steht bei Euch eigentlich nichts über die aufgeregte Copyright-Debatte zwischen dem Schachklub St. Louis, agadmator und Peter Svidler? Und was ist mit dem Sinquefield-Cup? Liebe Leser, es ist ja toll, dass Ihr Perlen vom Bodensee mittlerweile als vollwertige Rundum-Nachrichtenquelle wahrnehmt. Und Ihr liegt damit auch richtig: Schaut mal auf Facebook und Twitter vorbei (siehe rechte Spalte), dort haben wir über all diese Themen berichtet. Wer nichts verpassen will, folgt uns in den sozialen Medien. Zu den wichtigsten Nachrichten des Tages servieren wir auf Facebook und Twitter obendrein gelegentliche Taktik-Knobeleien, Strategie-Weisheiten und Anekdotisches. Es sollte ja nur die kleine

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Angetrieben von Garry, dem Beta-Tester: Eröffnungskoryphäe Vishy Anand

Sich auf ein Match mit Garry Kasparow vorzubereiten, war während der Regentschaft des Russen eine kaum zu bewältigende Mammutaufgabe. In der Breite und Tiefe ausgearbeitet wie kaum ein anderes, war das Eröffnungsrepertoire des Russen gespickt mit Neuerungen, Fallstricken und Ideen. Legendär waren bis Mitte der 80er seine bestens gehüteten, mit Eröffnungswaffen gefüllten Notizbücher, später dann seine Eröffnungsdateien, in die er als Mitentwickler und erster Chessbase-Kunde („Beta-Tester“ würden wir ihn heute nennen) sogleich den Inhalt seiner Notizbücher übertrug. Ja, Kasparow war der überragende Spieler seiner Zeit, der unser Verständnis von Dynamik im Schach auf eine neue Stufe gehoben hat. Unter welchen Umständen Initiativeund/oder Angriff wertvoller sind als eine integre Struktur und/oder Material,

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Glückliche Deutsche in Barcelona: Nisipeanu im Aufwind vor der Olympiade

Beim Schach sei kein Glück im Spiel, glauben vor allem solche Leute, die kein Schach spielen. Ihnen dient Schach als Metapher für den reinen, von Emotionen befreiten intellektuellen Wettstreit, den der überlegene Geist gewinnt. Aber wer einmal während einer Partie seine Pumpe hat pochen spüren, seine Bedenkzeit wegticken sehen, wer sich im Variantengestrüpp verheddert hat ohne Ahnung, was zu tun ist, der sieht die Angelegenheit ein bisschen anders. Schachturniere können glücklich laufen oder unglücklich. Ein Beispiel für ein glücklich gelaufenes Schachturnier machte zu Ostern weit über Schachkreise hinaus Schlagzeilen: Vincent Keymer gewann das superstark besetzte Grenke-Open, und das zumindest nominell mit einer

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Projekt „Mama besiegen“, erster Versuch: Einen Angriff planen, wie geht das?

Oli (8) hat zur Vorbereitung auf seine erste Saison nach seinem Wettkampf gegen Papa jetzt auch noch einen Wettkampf gegen Mama begonnen. Bravo! Aber Mama ist auch eine harte Gegnerin, strategisch geschult durch die tägliche Lektüre dieses Blogs. Und doch prognostizieren wir, dass Oli Mama vor Papa besiegen wird, weil Mama zwar strategisch glänzt, aber taktisch schwächelt, wo Papa nichts einstellt. Bis sie besiegt ist (und danach), wird Oli auch von Mama eine Menge gelernt haben. Wie man sich zu Beginn aufbaut, wohin die Figuren gehören, wie sie zusammenspielen sollen, all das demonstriert Mama in dieser Partie wunderbar, während Oli wieder voreilig nach

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Aus Verzweiflung Skandinavisch gegen Kasparow: Anands Eröffnungscoup im WM-Kampf 1995

Niemand vor und nach ihm hat die Eröffnungstheorie um so viele Ideen und Konzepte bereichert wie Garry Kasparow. Und niemand war so gezielt auf seine Gegner vorbereitet wie der russische Ex-Weltmeister. Dessen Matches gegen Anatoli Karpow, gespielt zur Zeit, in der die Schach-Datenbanken aufkamen, markieren eine Ära, in der das Spitzenschch in vielerlei Hinsicht ein neues Level erklomm. Visvanathan Anand, geboren 1969, entstammt der Generation nach Karpow, der ersten, die von Beginn an mit Computern und Datenbanken arbeitete. Und doch schützte ihn seine Jugend und seine Technik-Affinität nicht vor Kasparows Vorbereitung, als sich die beiden 1995 im World Trade Center in New

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Trotz Endspurt nach dem Hitzekollaps: Leela ist raus

Menschen macht große Hitze ambitioniertes Schach unmöglich, Maschinen auch. Diese Erfahrung musste Leela, der AlphaZero für alle, jetzt bei der 13. Auflage der Computer-WM TCEC in der dritten Liga machen. Weil ihre Hardware überhitzte, spielte Leela zwei Drittel des Turniers weit unter ihren Möglichkeiten. Als das Problem behoben war, setzte sie zu einem beeindruckenden Endspurt an, der ihr beinahe noch die Qualifikation für die zweite Liga beschert hätte. Aber es reichte nicht ganz. Die 13. Staffel hatte die TCEC schon vor ihrem Beginn zum „Experiment“ erklärt. Erstmals nahmen zwei neuronale Netzwerke teil, Leela und Leela-Klon „DeusX“. Der Veranstalter musste spezielle Hardware mit leistungsfähigen Grafikprozessoren

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Wie Marshalls Angriff an Capablanca abprallte

Frank James Marshall (Foto) hat mehr Eröffnungsideen seinen Namen geliehen als jeder andere Schachmeister. Im Nachhinein wäre der Amerikaner damit wahrscheinlich gar nicht einmal glücklich, weil heute viel Dubioses oder übermäßig Zweischneidiges nach ihm benannt ist. Zumindest namentlich steht die minderwertige „Marshall-Verteidigung“ neben dem „Marshall-Angriff“ im Spanischen, seit 100 Jahren eines der zuverlässigsten und besten Eröffnungssysteme für Amateure wie Weltklassespieler. Der Legende nach hat Marshall die Idee für seinen Angriff lange geheim gehalten, um ihn erst dann zu spielen, wenn ihm ein ganz Großer des Schachs gegenüber sitzt. 1918 in Manhattan war es dann so weit. Manhattan 1918: Premiere des Marshall-Angriffs (Video)   Die weißen

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Leela wollte nur spielen, aber die Weltspitze kniff

Als AlphaZero Ende 2017 das bis dahin beste Schachprogramm Stockfish in einem Wettkampf deklassiert hatte, stand sofort die Frage im Raum, wann es einen AlphaZero fürs heimische Laptop geben würde. Jahre werde das dauern, ein Jahrzehnt womöglich, hieß es angesichts der ebenso speziellen wie leistungsfähigen Hardware unter der AlphaZero-Haube. Diese Prognosen sind überholt. Leela Chess Zero ist das aufregendste Projekt im Computerschach seit langem. Was die Google-Tochter DeepMind mit Hochtechnologie und den Mitteln eines Weltkonzerns auf die Beine stellte, soll das von Enthusiasten getragene Open-Source-Projekt Leela noch übertreffen. Ziel ist ein AlphaZero für alle, nach Möglichkeit gar eine Software, die besser spielt als AlphaZero. Geheimprojekt versus Open Source

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Besuch beim Spezialisten

Uns macht es stolz zu sehen, dass jeden Tag hunderte Schachspieler dieses noch so junge Blog nutzen, um fundamentale Konzepte zu lernen, von denen sie beim Vereinsabend oder beim Online-Blitz nie hören würden. Das ging schneller als erwartet. Nur glaube bitte niemand, allein die Lektüre dieses Blogs lifte die Spielstärke. Kein Schachspieler wird plötzlich von 1.400 auf 1.900 DWZ springen, nur weil er in der Eröffnung superflexibel ist, im Mittelspiel weiß, wohin mit welchem Turm und im Endspiel keine Chance verpasst, in ein gewonnenes Bauernendspiel abzuwickeln. Sorry, Leser, so läuft das leider nicht. Du kannst noch so viel über Schach wissen, Dir noch so viel

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